Ostertour nach Jotunheimen 2000

Tag 1
Am Mittwoch Nachmittag der Osterwoche fuhren wir von Fagernes mit dem Linienbus "Valdresekspressen" in Richtung Tyin. Der Bus war brechend voll, hauptsächlich mit Skitouristen die gen Gebirge wollten. Oben am Tyin wurde der Bus so gut wie leer. Die Leute strömten aus dem Bus zum Gepäckraum, trugen Skier und Gepäck 5 m weiter, bevor diese aufs Neue verladen wurden - auf die Raupenfahrzeuge, die im Winter die Strecke Tyin-Eidsbugarden bedienen. Bald waren nur wir und zwei Mädels übrig, die anderen rund 40 Leute saßen zusammengedrängt in den Raupenfahrzeugen. 
Das Wetter war weder schlecht noch gut, die Skiverhältnisse schlecht (nasser, schwerer Schnee), der Wachs mit Sicherheit der falsche - aber wir kamen vorwärts. 
Die Tour über den zugefrorenen Tyin geht im Winter entlang der gesteckten Schneescooter-Loipe, doch für alle ohne Skisegel (zu denen gehören wir) sind die rund 11 km über den See trotz der tollen Umgebung eine recht monotone und langweilige Tour. Wir verstehen also schon die Majorität, die sich in die Raupenfahrzeuge setzt und "bequem" transportiert wird. Wir fanden das Ganze die 150 Kronen pro Person nicht wert und kamen einige Stunden später in Fondsbu an, ziemlich kaputt, aber zusammen 300 Kronen reicher.  
Fondsbu war bereits brechend voll und es gab nur noch Liegeplätze auf dem Fußboden. Also nahmen wir die am Transport gesparten 300 Kronen, weswegen wir ja aber zu spät für Bettplätze gekommen waren, mit nach nebenan zum Eidsbugarden Hotel, wo es reichlich Platz gab und eine weit weniger laute und hektische Atmosphäre als in Fondsbu herrschte. 
Als wir schlafen gingen, war das Wetter grau und trist, und wir hatten uns bereits entschlossen, am nächsten Tag eine Tagestour zu machen, um nicht schon wieder die schweren Rucksäcke tragen zu müssen. 

Tag 2
Am Gründonnerstag Morgen wurden wir von den Sonnenstrahlen, die durchs Fenster schienen, geweckt. Morten war schnell am Fenster und zog die Gardinen weg. Es gab immer noch Wolken um die Berge herum, ansonsten aber gab es viel blauen Himmel, wo die Sonne durchschien und eine wunderschöne, weiße Welt anstrahlte. 
Nach einem leckeren Frühstück im Hotel liefen wir schnell nach Fondsbu hinüber und sicherten uns zwei der wenigen Bettplätze, die frei geworden waren. (Im Gegensatz zu allen privaten Gebirgshotels soll der DNT ja eigentlich für diejenigen sein, die von Hütte zu Hütte gehen, doch trotzdem haben viele DNT-Hütten, inkl. Fondsbu, damit begonnen, immer mehr Betten an Leute zu verkaufen, die länger bleiben.) Nachdem wir uns die Betten gesichert hatten (eine zweite Nacht in Eidsbugarden hätte ein zu großes Loch in unser Budget gerissen) packten wir den Tagesrucksack und wachsten unsere Skier ( und zeigen die Landschaft um Fondsbu an jenem schönen Morgen).  
Während der Schweiß rann, arbeiteten wir uns (Morten wohl am meisten) die Anhöhe zum Sløtafjellet (JV25) hinauf. Ich hatte Felle und es eigentlich ganz gut, während Mortens Skier ständig zurück nach Fondsbu wollten und immer unter ihm nach hinten wegrutschten, obwohl er halbherzig etwas Klister aufgetragen hatte.  
Nach knapp 300 Höhenmetern war jedoch alle Strapaze vergessen, das Terrain wurde flacher, der Schnee trockener und man kam viel besser vorwärts. Stellenweise lag bis zu 30 cm funkelnagelneuer Neuschnee von der letzten Nacht und gitzerte in der Sonne, und bald lüftete sogar der Falketind etwas seinen Nebelschleier. Besser kann man es schlicht nicht haben! Wir hatten uns entschlossen, auf den Uranosbreen zu gehen und dann weiterzusehen. Wir überquerten den Gletscher ungefähr zur Hälfte (bis gut 1700 m), doch es zeigte sich, daß das schöne Wetter nun das Seine getan hatte, und die Sonnenstrahlen wurden immer weniger und die Abstände zwischen ihnen immer länger. Wir bekamen trotzdem noch ein paar schöne Aufnahmen u.a. vom Uranosbreen in Richtung Falketind .
Wir hatten im Grunde Glück, denn kurz bevor wir zurück nach Fondsbu kamen, begann es zu regnen, und als wir unsere Betten im Schalfsaal in Beschlag genommen hatten, goß es draußen.
Trotzdem: mit einer warmen Dusche, einem Bett und fertig serviertem Essen ist es nicht so wichtig, wie draußen das Wetter ist. 

Tag 3
Ich litt ganz schön unter Blasen (mittlerweile habe ich die Skischuhe reklamiert, denn nach nur zwei Wintern hatte ich regelrechte Löche in das Polster um die Ferse hineingerieben), draußen goß es immer noch, und wir erwogen ernsthaft, die Tour abzubrechen und das Raupenfahrzeug zurück nach Tyin zu nehmen (natürlich mit den Blasen als Entschuldigung). Doch irgendwie kam es dann, daß wir uns auf dem Weg in Richtung Yksendalsbu (zwanzig und nochwas Kilometer weg) befanden. Wir waren gegen 13.00 Uhr losgegangen und kamen langsam aber sicher im Nebel im Vennisstølsdalen bergan, gegen peitschenden Schneeregen und kräftigen Gegenwind ankämpfend. Wir trafen viele Leute, die runterzu unterwegs waren, sogar überraschend viele, doch es zeigte sich, daß diese nur eine kleine Runde von Fondsbu gegangen oder umgekehrt waren, mit Ausnahme eines Mannes, welcher von Yksendalsbu kam. Nachdem wir die Stellen passiert hatten, an denen die anderen umgekehrt waren, wurden die Spuren zunehmend schlechter, und zu allem Übel mußten wir nun auch noch im nassen, schweren Schnee unsere eigenen Spuren machen (d.h. Morten mußte). Das einzig positive waren die Markierungsstangen, so daß wir in dem Wetter nicht auch noch ständig mit Karte und Kompaß fummeln mußten. 
An dem Tag wurde nicht fotografiert, wir gingen mit nur kurzen Pausen dazwischen, denn lange konnte man nicht stehen, ohne stark zu frieren. 
Das letzte Stück im Yksendalen abwärts war ein 6 km langes Stück leicht bergab, doch auch hier mußten wir bei diesen elenden Skiverhältnissen gehen (d.h. skilaufen), denn von gleiten konnte keine Rede sein. Trotzdem ging es leichter und es war eine große Hilfe für unsere erschöpften Beine. Im Tal abwärts klarte es dann sogar noch etwas auf, und als wie endlich (!) die Hütte erreichten, lugte die Sonne schon wieder vorsichtig hinter den Wolken hervor.  
Zu unserer Freude war die Hütte leer. In der Nacht vorher waren viele Gäste hier gewesen, doch bei dem schlechten Wetter war außer uns offensichtlich niemand hierher aufgebrochen (es war ja auch eine Selbstbedienungshütte mit wenig Komfort). Wir machten im Ofen ein hübsches Feuer, hängten all unsere klatschnassen Klamotten schön drumherum (zum Glück konnten wir uns richtig ausbreiten), kochten uns Essen und hatten es mit einer Tüte Gummibärchen richtig gut. 
Dies war einer der Höhepunkte der Tour, und wir stellten fest, daß wir im Winter öfter übers Wochenende mal hierherkommen sollten, da wir ja nicht weit weg wohnen. 
Für diese Etappe siehe auch Routenbeschreibung JV17 / JS56.

Tag 4
Der letzte Tag unserer Tour begann bei strahlender Sonne vielversprechend. Wir waren früh auf, um den harten verharrschten Schnee auszunutzen und auf der langen Etappe bis nach Beitostølen morgens gut Strecke zu machen, bevor die Skiverhältnisse in der Sonne dahinschmelzen würden. ( sind von Yksendalsbu an jenem Morgen).
Über den Olefjorden ging es fix, denn auf der harten Eisfläche kamen wir richtig gut vorwärts (mal etwas Armeinsatz leisten), ohne daß es viel Kräfte gekostete hätte. Es gab mehrere Stellen mit Oberwasser, und an einer dieser Stellen ging die markierte Loipe (Winterroute JV16) direkt durch einen kleinen Oberflächensee . Zum Glück konnte man diese umgehen. An einer Stelle entlang des Olefjorden tauchten plötzlich im Norden die Torfinnstindane auf, und wir mußten einfach ein paar Fotos machen, wie sich majestätisch dort erhoben . Wir waren lange, bevor wir gehofft hatten, am Südende des Olefjorden angekommen - doch das war auch gut so, denn die Sonne begann zu brennen und der Schnee wurde schon weich. 
Wir gingen nun an der Westseite der Oleåni hinunter in Richtung Fleinsendin, weil es auf der Karte kürzer aussah, obwohl die Lopie an der Ostseite entlangführte. Dies erwies sich als dumm. Eine steile Partie, wo der Berg direkt zum Fluß hin abbrach, stoppte uns nach über der Hälfte des Weges. Nach genauer Untersuchung und Probieren (allein dies kostete eine Stunde) stand fest, daß wir weder oben drüber kamen noch unten am Fluß vorbei. Auch über den Fluß kamen wir nirgends als zurück beim Auslauf aus dem Olefjorden, was dann auch die einzige Wahl war. Nun hatten wir unseren schönen Vorsprung total verschenkt und noch einige Zeit dazu. Ab jetzt folgten wir dem Rest des Tages nur noch Loipen (was sich als anstrengend genug erwies).
Die Lopie ging quer über den Fleinsendin, der fast überall Oberwasser hatte. Die Sonne war nun so heiß geworden, daß wir bei dem gleißenden Schnee direkt Hitzeprobleme bekamen und uns schwindelte. 
Von der Ostseite des Fleinseindin geht eine markierte Loipe durch den Fjellbirkenwald hinüber zu dem präparierten Loipennetz Beitostølens - nur dort, wo diese Loipe entlangführte, gab es gern Schmelzwasserseen, einen Bach, der auf dem Schnee dahinfloß oder überhaupt keinen Schnee mehr. Diese Etappe zur Trollhaug (1067 m) dauerte eine kleine Ewigkeit und war äußerst kräftezehrend. Im Zickzack ginge es auf den letzten Schneeresten vorwärts, und einige Male mußten wir abschnallen und die Skier tragen.
Als ich dachte, nun kann ich keinen Schritt mehr weitergehen, erreichten wir das präparierte Loipennetz um Beitostølen und konnten konstatieren, daß es dank gutem Unterhalt noch in brauchbarem Zustand war. Hinunter nach Beitostølen konnten wir dann doch noch weite Stücke gleiten, und eine Stunde bevor der letzte Bus nach Fagernes ging, erreichten wir totkaputt (gilt auf jeden Fall für mich) Beitostølen. Hier schnallten wir dann die Skier für den Rest dieses Osterns endgültig ab...