Ein langes Wochenende unter wolkenlosem Himmel in Skarvheimen 
27. - 30.07.2000

Am Donnerstag vor dem letzten Juliwochenende 2000 fuhren wir (das ist Morten und seine Mutter) nach Haugastøl. Das Wetter war alles andere als der Titel oben vermuten läßt: es goß, um es mild zu sagen. Ein Stück oberhalb von Geilo führen wir an einem Elch vorbei, der überfahren worden war und um den eine Menge Leute herumstanden. In Haugastøl parkten wir das Auto und warteten auf den Bus. Dieser kam ziemlich pünktlich und nahm uns mit hinauf nach Fagerheim auf der Hardangervidda. 

Tag 1
Nach einer Nacht in einem gemütlichen alten Zimmer in Fagerheim und einem recht bescheidenen Frühstück (trockenes Brot und schlechte Auswahl an Aufschnitt) hieß es Rucksäcke auf, und wir starteten in Richtung Finse. 
Das Wetter war immer noch lange nicht so wie in der Überschrift beschrieben, doch zumindest hatte der Regen aufgehört. 
Um den Storekrækkja war der Weg gut und leicht begehbar. Mehrere verhältnismäßig unbescheidene Goldregenpfeifer unterhielten uns mit ihren melacholischen Pfeiftönen, doch ansonsten gab es nichts besonderes zu sehen. Allein die physische Entfaltung und die frische Fjelluft jedoch sorgten dafür, daß es uns so richtig gut ging. 
Wir gingen nicht ganz bis Krækkja, sondern nahmen eine Abkürzung (?) direkt hinüber zum Dragøyfjorden, wo wir auf den Weg von Krækkja nach Finse (FH03) trafen. Bei Larsbu gab es eine Brücke über den Fluß, den wir hier überquerten, bevor wir den ersten Schnee unter die Füße bekamen. 
Auf dem Höhenzug vor dem Finnsbergvatnet mußten wir ständig über irgendwelche Bäche hinüber. Ich weiß nicht, ob es mangelnder Unterhalt des Weges oder hoher Wasserstand war, doch es war schon eine kleine Herausforderung, trockenen Fußes mit Rucksack auf dem Rücken über einige von ihnen hinüberzugelangen. 
Hinunter zum Finnsbergsvatnet gab es ein kürzeres steileres Stück, wo mehrere Schaffamilien Gebirgspflanzen kauten und das Leben offesichtlich genossen. Wir hatten einen freilaufenden Hund dabei, doch es zeigte sich, daß er mehr Angst vor den Schafen hatte als umgekehrt. 
Am Finnsergvatnet rasteten wir. Die Wolkendecke riß mehr und mehr auf, und lange Perioden mit warmen Sonnenstrahlen machten diese Rast zu einem herrlichen Genuß (kaltes Bergwasser zum Trinken, Schokolade und Sonne).
Vom Finnsbergvatnet gingen wir in einer immer kargeren Landschaft bergan. Mehr und mehr dominierte der Schnee, und auf mehreren Bergseen schwammen noch immer Eisschollen . Plötzlich bekam unser Hund Nahkontakt mit einem Schneehuhn. Die Schneehuhnmutter, die ihre Jungen verteidigen wollte, griff buchstäblich den Hund an. Ich nahm den Fotoapparat zur Hand und blieb etwas zurück. Die tapfere Schneehuhnmutter kam direkt auf mich zu und gluckste. Ich stand einfach still und fotografierte, doch leider war das Licht unvorteilhaft und die Bilder wurden nicht besonders gut.
Das Wetter wurde besser und besser, und man konnte sehr gut den Torsteinsfonn auf dem Hardangerjøkulen sehen. Wir passierten den höchsten Punkt und kamen zu einer Ebene hinunter, von wo aus man eine herrliche Sicht hinunter zur Bergenbahn und dem Hallingskarvet im Hintergrund hatte
Noch eine Höhenzug mußte überquert werden, bevor wir endlich Finse sehen konnten, das noch ein gutes Stück weit weg lag.
In der Hütte wurden wir wegen des Hundes im Skistall einlogiert. 

Während des ganzen Tages war in Fagernes das herrlichste Wetter, und Julia saß auf der Arbeit, sah ständig zum Fenster hinaus und ärgerte sich gewaltig, daß sie sich entschlossen hatte, zu Hause zu bleiben. Sie rief auf der Hütte an, um sicher zu gehen, daß wir unsere Pläne nicht geändert hatten und angekommen waren. Dann packte sie ihre Sachen und fuhr mitten in der Nacht nach Gol, wo sie den Nachtzug nach Finse nahm. Um 04.30 Uhr kam sie bei einer traumhaft stillen Stimmung kurz vor Sonnenaufgang in Finse an.

Tag 2
Wir erwachten an einem strahlenden Morgen bei Windstille. 
Nach einem herrlichen Frühstück auf der Finsehytta überquerten wir die Bahnschienen und folgten dem Wanderweg in Richtung Ziel des Tages, der Hütte Raggsteindalen (siehe FH14). Wir überquerten einen Fluß bei der Hochspannungsleitung und gingen in kargem Gelände mit extrem niedriger Vegetation bergan. An einzelnen Stellen waren die kleinen Gebirgsblumen so schön, daß wir mit der Kamera in den Händen auf dem Boden herumkrochen und Fotos machten: Schneenzian, Feinstrahlastern, Gegenblättriger Steinbrech und einige herrliche Tuffs mit Stengellosem Leimkraut standen uns Model. 
Der zweite See, den wir passierten, war fast komplett schneebedeckt, und hier konnte ich nicht widerstehen und begang die kleine Leichtsinnigkeit (?) des Tages, indem ich die Abkürzung über den See nahm. Das Eis war dick und sicher, und ein Problem tauchte erst auf, als ich das Eis verlassen wollte, denn hier war das Eis einen halben Meter breit am Schmelzen und deutlich dünner. Hier war das Wasser drunter nicht tief, doch dies war trotzdem der kleine Spannungsmoment des Tages (es ging natürlich gut). 
Ab hier gingen wir fast genausoviel auf Schnee wie auf Stein. Die Markierungen waren streckenweise unter dem Schnee verschwunden, und Spuren gab es auch nicht (es gehen vielleicht nicht so viele Leute hier?), so daß es hier nicht so toll gewesen wäre, im Nebel zu gehen. An diesem traumhaften Tag war es allerdings kein Problem sich zurechtzufinden. 
Südöstlich des großen Flakavatnet überquerten wir einen Bach auf einer tollen Schneebrücke, bevor es steil zur Kykjedøri hinauf ging. 
Oben hatten wir eine fantastische Aussicht zum Hardangerjøkulen und über eine so gut wie schneeweiße Landschaft um uns herum. 
Abwärts ging es hauptsächlich über Schnee und ab und zu über Geröll zu einem kleinen Bergsee, der recht weit oben in dem Einschnitt liegt. Hier hatten wir eine lange und herrliche Rast in Sonne. Man konnte kaum glauben, daß wir uns auf über 1500 m Höge befanden, denn es war warm wie ein Sommertag im Flachland.
Nach der Rast gingen wir hinunter zum Kyrkjedørsvatni und zu dessen Abfluß, den wir überqueren mußten. Zwei von uns wählten eine Schneebrücke , während die dritte den Fluß überquerte, was beinahe nicht gutgehen konnte. Das Resultat waren zwei tropfnasse Wanderstiefel, Socken und Füße.
Weiter ging es entlang der Nordseite der Simlenutane ostwärts. Hier war die Landschaft überraschend toll und variiert mit idyllischen kleinen Seen, großen Schneeverwehungen und den steilen Nordwänden des Hallingskarvet.
Mit der Zeit merkten wir sehr deutlich, daß wir weit und lange durch viel weichen Schnee gegangen waren. Die Kräfte wurden weniger, und das Tal hinunter nach Raggsteindalen wirkte mindestens genau so lang wie es war, wenn nicht länger. Die letzten Kilometer gingen wir auf der Schotterstraße zur Berghütte auf der kleinen Halbinsel im Strandavatnet. Nichts ist schlimmer als mit kaputten Beinen und Füßen auf einer Straße zu gehen! 
In Raggsteindalen gab es Olsokfeier (ein norwegisches Sommerfest) mit Akkordeonmusik und Rømmegrøt (ein traditionelles Essen). 

Tag 3
Der Sonntag begann genau so herrlich wie der Samstag aufgehört hatte. Wir folgten der Straße zurück und etwas länger, als von wo wir gekommen waren, und bogen dann hianuf in den Birkenwald auf den Wanderweg nach Haugastøl (FH15) ab. Es war fast zu warm, um mit Rucksäcken bergauf zu gehen, und der Schweiß rann und der Atem keuchte. Doch hinauf sollten und kamen wir, und es offenbarte sich langsam eine immer schönere Aussicht zurück zu dem spiegelblanken Strandavatnet mit den Bergen im Hintergrund (darunter der Blåberge (1802 m)), während wir an Höhenmetern gewannen. 
Einwärts zu dem Paß Folarskardet gingen wir mehrere Kilometer in recht flachem Terrain, während die mächtigen, mit kleinen Gletschern geschmückten Berge immer näher kamen. Zuletzt wurde das Terrain zum Paß hin immer steiniger und karger und zeigte deutliche Spuren von früherer glazialer Aktivität. Das letzte Stück zur Paßhöhe hinauf war ziemlich steil. Herumliegende Holzstangen zeugten davon, daß diese Passage auch als Winterroute benutzt wird.
Oben angekommen machten wir den Abstecher von wenigen Metern zur Lordehytta , wor wir eine kalte und windige Rastpause einlegten. Eine Regenwolke tauchte plötzlich aus dem Nichts auf und legte sich hübsch über uns. Lange blieben wir also nicht. 
Im Folarskardet passierten wir einen kleinen See und einen imponierenden Schneegletscher auf der rechten Seite, bevor sich die milde Landschaft gen Süden und Osten öffnete. Wir erkannten schnell den Gaustatoppen, der sich rund 100 km weit weg erhob. 
Nach einem kurzen Abstieg kamen wir in offenes, flaches Terrain, welches gen Süden leicht abfällt. Hier trafen wir Tagestouristen von Haugastøl und zwei Frauen, die auf Weitwandertour von ihrer Hütte bei Kongsberg bis Jotunheimen waren, wfür sie rund 3 Wochen veranschlagt hatten.
Die Flächen hinunter nach Haugastøl waren so leicht begehbar wie nur möglich, aber recht einförmig. Wir unterbrachen diese Eintönigkeit mit einer Pause an einem der vielen kleinen Seen, die man passiert. 
Hier ließen sich zwei von uns (die Damen) zu einem kurzen, kalten aber herrlich erfrischenden Bad verlocken, während ich unter irgendeinem Vorwand, an den ich mich nicht mehr erinnere, am Ufer sitzenblieb.
Ich ging von hier aus voran und holte das Auto, welches am Haugastøl Turistsenter stand, so daß die beiden Damen den letzten langweiligen Kilometer entlang der RV7 sparten.
Ein herrliches langes Wochenende in einem tollen Fjellgebiet war vorbei. Übrig blieben viele schöne Erinnerungen und 3 volle Filme, die wir recht bald entwickeln ließen.