STØLSNOSTIND - 2074 METER

KARTE HURRUNGANE BLATT 1517 IV
KARTENREFERENZ MP504 073
ERSTBESTEIGUNG 1877 (SLINGSBY / REUSCH / VETTI)
SCHWIERIGKEITSGRAD MITTELSCHWER 
LANDKREIS ÅRDAL

Der Stølsnostind ist der höchste Gipfel auf diesem Bergmassiv im südlichen Jotunheimen, auf dem besonders der Falketind, aber auch der Stølsnostind beliebte Bergziele sind. Der einfachste Ausgangspunkt das Ende des Wirtschaftsweges von Tyinholmen zum Koldedalsvatnet oder auf Ingjerdbu zu übernachten. Man kann den Stølsnostind auch von Eidsbugarden / Fondsbu als Tagestour besteigen, aber diese wird mit rund 11 Stunden sehr lang. 

Aufstieg:
Von Tyinholmen fährt aus kann man auf der Wirtschaftsstraße zum Nordende des Koldedalsvatnet. Diese Straße besteht aus groben Schotter und ist in verhältnismäßig schlechtem Zustand. Sie wird im Frühling auch nicht gräumt, so daß einzelne Schneereste bis in den Sommer hinein Hindernisse darstellen können. Ca. 1 km vor dem Ende der Straße, an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet ist eine Schranke, die manchmal offen ist und manchmal nicht. Im Sommer 2002 war sie durchgehend offen, so daß man bis ganz ans Ende der Straße fahren konnte. 

Am Ende der Straße überquert man den reißenden Flußaus dem Wasserüberführungstunnel auf dem Sperrwerk und durchwatet den Abfluß des Falkebreen unten am See oder geht weiter oben auf Steinen rüber. Von hier aus folgt man dem Pfad (zu Beginn nur sporadisch mit Steinmännchen markiert, später werden die Markierungen deutlicher und der Pfad besser). im Morka-Koldedalen einwärts. Halten Sie sich im flachen Terrain unterhalb der Hangseite und geben Sie acht, nicht zu weit rechts hinauf in den Hang zu kommen. Hier haben sich schon viele verstiegen, weil sie den Pfad verloren haben. Der Pfad erreicht den oberen See auf 1291 mH und folgt dem rechten Seeufer (Nordufer) ein kurzes Stück, bevor er etwas in die Hangseite aufsteigt und einige glattgeschliffene Felspartien oberhalb umgeht. Am Ende des Sees lag in den letzten Jahren immer ein steiles Schneefeld, welches bis in das kalte Wasser hineinreicht. Hier mußte man gute Tritte in den Schnee kicken und evtl. Steigeisen und Pickel einsetzen, um nicht unfreiwillig auf Rutschpartie zu gehen. In den letzten beiden Sommern ist dieses Schneefeld jedoch bedeutend zusammengeschmolzen, was die Passage bedeutend leichter gemacht hat (das heißt aber nicht, daß man hier unvorsichtig sein darf).
Der Pfad führt hinüber zum Andrevatnet (dem "zweiten See"). Hier geht es ein Stück runter, bevor es auf gut ausgetretenem Pfad (Vorsicht vor Steinschlägen und losem Geröll) ca. 10-20 m über dem Wasserspiegel entlang des Nordufers geht. Die letzten 300-400 Meter wird das Geröll sehr grob und man muß über große Blöcke klettern. Den Fluß vom Stølsnosbreen durchwatet man unten am Ausfluß oder steingeht ihn weiter oben am Hang (früh am Tag ist die Wasserführung am geringsten, da der Schmelzprozeß nach kühlen Nächten noch nicht in vollem Gang ist), bevor man links desselben in den Einschnitt zum Gletscher aufsteigt.  
Auf rund 1400 mH kommt eine ca. 50 Höhenmeter hohe, steile Partie. Hier muß man die Hände zu Hilfe nehmen und leicht klettern, aber unter trockenen Verhältnissen geht das gut, denn man hat viele gute Tritt- und Griffmöglichkeiten (später am Tag auf dem Rückweg, wenn das Schmelzwasser hier in unzähligen winzigen Rinnsalen herunterrinnt, ist es etwas ekliger).

Bald erreicht man die Gletscherkante. Hier legt man die Gletscherausrüstung an, bevor man den Gletscher nordwärts in Richtung Einschnitt zwischen Stølsnostind und Ostgipfel überquert. Vom Gletscher geht es in einem steilen Schneefeld hinauf zum Einschnitt, und von hier aus weiter auf dem Südostgrat zum Gipfel. Das letzte Stück in den Einschnitt hinein kann im Spätsommer, wenn der Schnee weit hinunter abgeschmolzen ist, über glattgeschliffene Partien schwierig sein. 

Eine weitere Alternative führt entlang der Südkante des Gletscher (siehe unter Falketind) hinauf in Richtung Falketind und entlang des Grates über den Stølsnostind Ost zum oben erwähnten Einschnitt und weiter auf den Stølsnostind. Hier braucht man u.U. kein Seil, sondern kommt mit Steigeisen und Pickel zurecht, da der Gletscher hier weniger steil und spaltig ist. 

Vom Einschnitt aus zum Gipfel des Stølsnostinds ist es leichts Klettern von Grad 1-2, doch unter trockenen Verhältnissen braucht man keine Sicherungsausrüstung. Auf dem Rücken können evtl. exponierte Stellen südlich umgangen werden.

Von Ingjerdbu aus kann man im Storbekkdalen und über die Stølsnosi aufsteigen, worauf man weiter über den Gletscher zum oben erwähnten Einschnitt östlich des Gipfels geht und dem Südostgrat hinauf folgt. 
Eine schöne Tour, und auch der einfachste Weg ohne Gletscherausrüstung, ist zum Falketind und von dort aus weiter entlang der Gletscherkante westwärts zu gehen. Weiter geht es über den Ostgipfel, in den Einschnitt hinunter und auf dem Südostgrat hinauf zum Gipfel. 

 

 

 

FALKETIND - 2067 METER

KARTE TYIN BLATT 1517 I
KARTENREFERENZ MP517 060
ERSTBESTEIGUNG 1820 (BOECK / KEILHAU)
SCHWIERIGKEITSGRAD MITTELSCHWER
LANDKREIS ÅRDAL

Der Falketind ist ein toller und sehr charakteristischer Gipfel, der einem sowohl von Norden, Osten und Süden auffällt. Direkt östlich des Gipfels liegt der unzugängliche und alpine Falkeungen ("Falkenjunges"), der zum Glück für einige, die norwegische 2000er Gipfel sammeln, nicht ganz bis an diese Höhe heranreicht. Der Dichter Vinje, der das Gebirge geliebt hat, war ebenfalls sehr vom Falketind fasziniert und schrieb, daß seine Seele nach seinem Tode über ihm schweben würde. Es ist eine ganz schön anspruchsvolle Tour zum Gipfel hinauf, jedoch nicht so schlimm, daß bergerfahrene Wanderer nicht recht problemlos hianaufgelangen könnten. 

Aufstieg:
Von Tyinholmen fährt aus kann man auf der Wirtschaftsstraße zum Nordende des Koldedalsvatnet. Diese Straße besteht aus groben Schotter und ist in verhältnismäßig schlechtem Zustand. Sie wird im Frühling auch nicht gräumt, so daß einzelne Schneereste bis in den Sommer hinein Hindernisse darstellen können. Ca. 1 km vor dem Ende der Straße, an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet ist eine Schranke, die manchmal offen ist und manchmal nicht. Im Sommer 2002 war sie durchgehend offen, so daß man bis ganz ans Ende der Straße fahren konnte. 

Am Ende der Straße überquert man den reißenden Flußaus dem Wasserüberführungstunnel auf dem Sperrwerk und durchwatet den Abfluß des Falkebreen unten am See oder geht weiter oben auf Steinen rüber. Von hier aus folgt man dem Pfad (zu Beginn nur sporadisch mit Steinmännchen markiert, später werden die Markierungen deutlicher und der Pfad besser). im Morka-Koldedalen einwärts. Halten Sie sich im flachen Terrain unterhalb der Hangseite und geben Sie acht, nicht zu weit rechts hinauf in den Hang zu kommen. Hier haben sich schon viele verstiegen, weil sie den Pfad verloren haben. Der Pfad erreicht den oberen See auf 1291 mH und folgt dem rechten Seeufer (Nordufer) ein kurzes Stück, bevor er etwas in die Hangseite aufsteigt und einige glattgeschliffene Felspartien oberhalb umgeht. Am Ende des Sees lag in den letzten Jahren immer ein steiles Schneefeld, welches bis in das kalte Wasser hineinreicht. Hier mußte man gute Tritte in den Schnee kicken und evtl. Steigeisen und Pickel einsetzen, um nicht unfreiwillig auf Rutschpartie zu gehen. In den letzten beiden Sommern ist dieses Schneefeld jedoch bedeutend zusammengeschmolzen, was die Passage bedeutend leichter gemacht hat (das heißt aber nicht, daß man hier unvorsichtig sein darf).
Der Pfad führt hinüber zum Andrevatnet (dem "zweiten See"). Hier geht es ein Stück runter, bevor es auf gut ausgetretenem Pfad (Vorsicht vor Steinschlägen und losem Geröll) ca. 10-20 m über dem Wasserspiegel entlang des Nordufers geht. Die letzten 300-400 Meter wird das Geröll sehr grob und man muß über große Blöcke klettern. Den Fluß vom Stølsnosbreen durchwatet man unten am Ausfluß oder steingeht ihn weiter oben am Hang (früh am Tag ist die Wasserführung am geringsten, da der Schmelzprozeß nach kühlen Nächten noch nicht in vollem Gang ist), bevor man links desselben in den Einschnitt zum Gletscher aufsteigt.  
Auf rund 1400 mH kommt eine ca. 50 Höhenmeter hohe, steile Partie. Hier muß man die Hände zu Hilfe nehmen und leicht klettern, aber unter trockenen Verhältnissen geht das gut, denn man hat viele gute Tritt- und Griffmöglichkeiten (später am Tag auf dem Rückweg, wenn das Schmelzwasser hier in unzähligen winzigen Rinnsalen herunterrinnt, ist es etwas ekliger).

Bald erreicht man die Gletscherkante. Im Sommer führt der leichteste Weg über den Gletscher (Steigeisen, Pickel und evtl. Seil). Man geht links des kleinen Gletschersees auf den Gletscher und kreuzt dann so schnell wie möglich auf die rechte Seite über. Entlang der Südkante des Stølsnosbreen gibt es nur zu Anfang einige Spalten und Wasserlöcher, und der obere Teil des Gletschers ist völlig spaltenfrei. Die schlimmsten Spalten befinden sich weiter nördlich auf dem Stølsnosbreen. Früh im Sommer und in schneereichen Sommern kann es sein, daß man im Altschnee entlang der Gletscherkante gehen kann, aber man sollte dann wegen Schmelsspalten unter der Gletscherkante vorsichtig sein.

Jetzt, wo der Gletscher sich so weit zurückgezogen hat, gibt es viele Bergwanderer, die am Gletscherportal den Fluß überqueren und im losen Moränematerial (Gefahr des Auslösens von Erdrutschen oder Steinschlägen), später auf anstehendem Fels (eklig, wenn naß) südlich der Gletscherkante aufsteigen und so den Gletscher ganz meiden. Unserer Meinung nach ist dies aber die anspruchsvollere und auch gefährlichere Route.

Man kann dem Westrücken des Falketinds zum Gipfel folgen (ausgesetzt!), doch die normale Route führt über über den Gletscher bis zu dessen Westkante, etwas links vom Fuß des Falketinds, wo man den Gletscher verläßt und dem Nordwestrücken entlang der Abgrundkante zum Gipfel folgt. Die letzten 10-15 Höhenmeter sind recht steil, aber nicht schwierig. Man kann selbst bestimmen, wie weit man sich an der Kante bzw. bergeinwärts halten möchte, und damit die Ausgesetztheit kontrollieren.

Vom Gipfel hat man eine tolle Aussicht zum Uranostind (2157 m), Stølsnostind, Hjelledalstind (1980 m) und Hurrungane, sowohl mehr oder weniger dem ganzen Rest von Jotunheimen.

Der Auf- und Abstieg vom Nordende des Koldedalsvatnet aus dauert etwa zwischen 7 und 10 Stunden, je nach Form und Verhältnissen.
Alternativ ist es möglich, den Falketind als Tagestour von Eidsbugarden / Tyinholmen / Fondsbu aus zu besteigen. Dies ist eine lange Tour von über 11 Stunden.
Man kann auch vom Utladalen (Ingjerdbu) aus über die Stølsnosi zum Gipfel gelangen. Dies ist eine kontrastreiche Tour, wie man sie selten findet. Man beginnt den Tag am majestätischen Vettisfossen und der üppigen Vegetation im Utladalen und geht ganz in die hochalpine Gletscherlandschaft um den Falketind hinauf. 

Vom Gipfel kann man auf dem Bergrücken oberhalb der Gletscherkante hinüber zum Stølsnostind Ost und über diesen zum und auf den Stølsnostind gelangen. Rechnen Sie zwischen 2 und 3 Stunden für diesern Abstecher.


Eigene Erlebnisse - Sommersamstag auf dem Falketind und Stølsnostind (24.08.02 - Fotos siehe hier)

Der August 2002 brachte uns unglaublich schönes Wetter, und obwohl wir an diesem Tag keine konkreten Tourpläne hatten, und eigentlich für den Dänemarkurlaub, der am nächsten Tag starten sollte, packen mußten, schafften wir es nicht, zu Hause zu sitzen. Das Wetter war so schön, und wer konnte uns garantieren, daß dies auch nach unserem Urlaub noch so sein würde? 
Also entschlossen wir uns, sehr früh aufzustehen und nicht so spät zurückzukommen, damit wir hinterher noch Zeit zum Packen hatten. 

Der Wecker klingelte um 03.00 Uhr. So früh am Morgen geht alles noch ein wenig langsamer, und erst kurz nach 04.00 Uhr saßen wir abfahrtsbereit und voller Vorfreude im Auto in Richtung Tyin.
Die Nacht war wunderbar - nicht eine Wolke am Himmel, sternenklar, völlig windstill und der Mond fast voll. In der Morgendämmerung fuhren wir das letzte Stück auf dem Wirtschaftsweg von Tyinholmen zur Wasserkraftstation am Koldedalsvatnet unter dem Fuß des Falketinds. 

Hier standen schon eine Reihe anderer Autos. Einige Leuten hatten Zelte aufgebaut, während andere einfach am Ufer des Sees ein Plätzchen für ihren Schlafsack gefunden hatten. Ziemlich genau um 06.00 Uhr starteten wir unseren Anmarsch zum Falketind ins Morka-Koldedalen. 

Ganz zu Anfang ging es auf dem Sperrwerk über den schäumenden Ausfluß des Wasserüberführungstunnels aus dem Gravdalen, und gleich anschließend von Stein zu Stein über den Gletscherfluß des Falkbreens. Hier zu Anfang ist der Pfad noch nicht so deutlich, und da das Gelände zudem sehr leicht ist, machten wir uns nicht die Mühe, ihn zu suchen. Nach und nach begann die Steigung zu dem Bergsee auf 1291 mH. Wir waren etwas zu weit hinauf in den Hang gekommen, und mußten wieder ein Stück hinunter, bevor wir hart am Wasser den Pfad wiederfanden, welcher von nun an sehr deutlich war. 

Auf diesem Weg gelangten wir entlang des dunkelblauen Sees (oft liegt hier das Eis bis weit in den Sommer hinein), an dessen Ende in einer Senke ein großes Altschneefeld liegt, welches steil hinunter ins Wasser reicht. Seit letztem Jahr ist es bedeutend kleiner und seine Überquerung damit leichter geworden. 

Bald hatten wir den ersten See hinter uns, und es ging etwas bergab zu dem sog. Andrevatnet (dem "zweiten See") auf 1227 m. Hier passierten wir auch die Wasserscheide, denn der erste See läuft zum Koldevatnet (Osten) ab, während das Wasser des zweiten Sees westwärts zum Vettisfossen und die Utla fließt. 
Nach dem Sonnenaufgang waren zuerst der Hjelldalstind und der Falketind in rötliches Licht getaucht, doch langsam stieg die Sonne so hoch, daß auch wir, die weit unten im Tal gingen, die ersten Strahlen ins Gesicht bekamen. Allerdings begann plötzlich aus dem Nichts eine zunehmende Anzahl Wolken aufzutauchen. 

Durch die Geröllhänge entlang des zweiten ist der Pfad bemerkenswert gut, und nur die letzten ca. 500 m bis zum Gletscherfluß aus dem südlichen Stølsnosbreen (den kann man nicht verfehlen, denn es ist der erste Fluß, der hier von der rechten Bergwand herunterkommt) führten durch teilweise grobe Blockfelder. Hier verschwindet der Pfad mehr oder weniger, und man muß ein wenig über die Steine hoch- und runterklettern (zeitraubend). 
Den Fluß, der sich hier in viele kleine Läufe aufteilt, überquerten wir nacheinander von Stein zu Stein, und wir kamen auch über den kräftigsten Lauf trockenen Fußes hinüber. 

Nach einer herrlichen Pause mit Blick hinunter zum dem in der Sonne grünglitzernden Andrevatnet begann der eigentliche Aufstieg hinauf zum Gletscher. Der "Pfad" (markiert mit Steinwarten, denen man unbedingt folgen sollte, da man sich in der später teils steilen Wand sonst leicht versteigen kann) schlängelt sich linker Hand des Flußes hangaufwärts. Die erste Hälfte ist noch moderst steil, doch dann kommt eine 40-50 m hohe Wand, die so steil ist, daß man die Hände zu Hilfe nehmen muß. Es gibt viele Absätze und ausreichend gute Griffe, so daß der Aufstieg hier bei trockenem Fels großen Spaß macht (bei Nässe dagegen ist es sicher deutlich weniger witzig). Die Höhenmeter waren schnell überwunden, und bald wurde es wieder etwas flacher. Rechter Hand schäumt der Fluß, und der Fels war blankgeschliffen - ein sicheres Zeichen dafür, daß hier in nicht allzu langer Vorzeit noch ewiges Eis lag. Zuerst tauchte der Stølsnostind auf, und bald darauf konnten wir die Gletscherfront sehen. Ein kleiner See vor dem Eisportal mit einigen großen Eisblöcken im Wasser bot einen schönen Anblick.

Hier überlegte wir kurz, wie wir weitergehen sollten. Es sah so aus, als könne man auf der anderen Flußseite (der Fluß floß hier ruhig, hätte aber durchwatet werden müssen) aufsteigen, ohne den Gletscher betreten zu müssen. Allerdings bestand der Berghang aus losem Moränematerial und später aus Glattfels. Wir hatten keine Lust, Steinschläge loszutreten und entschieden uns deshalb für den Gletscher. Schließlich hatten wir ja Steigeisen und Eispickel dabei, und da konnten wir sie genausogut auch benutzen. 

Es war eine Weile her, daß wir Steigeisen an den Füßen gehabt hatten, und das merkten wir an unseren anfangs recht steifen Bewegungen, doch die Technik wurde schnell besser. Wir überquerten den Gletscher so schnell wie möglich nach rechts hinüber und passierten dabei ein riesiges Wasserloch (1,5 m Durchmesser und mindestens 10 m tief), in dem das Schmelzwasser in einem Wasserfall verschwand. Hier reinzufallen wäre höchstwahrscheinlich wenig lustig gewesen. Ansonsten sah man dem Gletscher deutlich an, daß er sich auf dem Rückzug befand. Der gesamte untere Teil sah aus wie ein toter Eisrest ohne viel Bewegung, der nur dalag und darauf wartete, im Laufe einiger weniger weiterer warmer Sommer den totalen Garaus gemacht zu bekommen. 

Nun hielten wir uns weiter bergan entlang der rechten (südlichen) Gletscherkante und kamen in ein kleines Spaltenfeld, wo einige Spalten gut umgangen werden konnten. Nur einmal mußten wir auf einer schmalen Eisbrücke zwischen zwei Spalten hindurch, und dann verlief der weitere Aufstieg völlig problemlos auf blankem Eis oder Schneematsch. Der obere, südliche Teil des Stølsnosbreen ist völlig spaltenfrei, nur das Schmelzwasser bildet stellenweise kleine Wasserbäche, die entlang ihres Laufes über das Eis kleine Spalten freischmelzen, die aber nur wenige Zentimeter breit sind und leicht überschritten werden können. Die ordentlichen Spalten befinden sich weiter nördlich gletschereinwärts. 

Rechter Hand von uns verlief ein ein Bergrücken zum Gipfel des Falketind. Auf der Karte sah es fast so aus, als könne man auch diesem folgen, doch in Natura hätte man hier wahrscheinlich das letzte Stück klettern müssen. Also verwarfen wir diese Alternative und hielten uns auf dem Gletscher, bis wir an dessen Westrand etwas links vom Fuß des Falketinds festen Fels erreichten. Kein Bergschrund hier - der Ausstiegaus dem Geltscher verlief völlig problemlos. Hier blieben die Rucksäcke zurück, und wir folgten dem Rücken entlang der Abbruchkante zum Gipfel. Die letzten Höhenmeter waren leichtes Klettern, aber nicht exponiert. Dann standen wir an der Gipfelwarte. 

Leider wurde es ein kurzer, ungemütlicher Aufenthalt hier oben, denn der Gipfel des Falketind war in der Zwischenzeit der einzige, der wolkenfrei lag, und ein kalter Wind pfiff uns um die Ohren. 

Auf dem Weg hinunter diskutierten wir, ob wir direkt absteigen sollten oder nicht. Ich hatte große Lust, den Stølsnostind auch gleich noch "mitzunehmen", wo wir einmal hier oben waren, doch die Wetterentwicklung sprach nicht dafür. Keiner von uns beiden hatte Lust, im Regen abzusteigen. Wir warteten eine Weile bei den Rucksäcken, und als es so aussah, als würde es wieder etwas aufklaren, entschieden wir uns dafür, daß Julia bei den Rucksäcken wartete, während ich mich hinüber beeilte. 

Ich startete in einem optimistischen "Joggertempo" auf dem schönen, festen Bergrücken entlang des Gletschers, doch als es begann, bergan zu gehen, wurde das Tempo schnell ein "Spaziertempo" daraus (ich war nicht in Topform). Der Rücken war super gut zu begehen, manchmal schmaler, manchmal breiter. Ich mußte über zwei niedrigere Gipfelpunkte, bevor ich mit dem Aufstieg auf den Stølsnostind beginnen konnte: zuerst einen von ca. 1960 m, dann ein kurzes Stück runter und dann wieder hoch zum Stølsnostind Ø1 (2001 m). Hier lag ein Gletscherrest mit einer gewaltigen Spalte, die beinahe hinauf auf den Rücken reichte, auf der rechten Bergseite. Auf dem Ø1 (= erster Nebengipfel vom Hauptgipfel aus in östlicher Richtung) legte ich eine kurze Rast ein, bevor ich den Grat zum Fuß des Stølsnostinds hinunter betrat. Bei trockenem Gestein war es hier eine Freude, zu gehen. Ein senkrechter Absatz wurde links umgangen, gefolgt von einer glatten, geneigten Felspartie. Dann war ich unten im Sattel und stellte fest, daß die Aufstiegsmöglichkeiten über den Gletscher von Süden aus schwierig waren. Zeitiger im Sommer, wenn der Schnee höher hinauf reicht, müßte es möglich sein, doch der Gletscher ist hier sehr spaltig und anspuchsvoll zu forcieren.

Der Rücken zum Gipfel des Stølsnostind hinauf bot leichtes Klettern, was bei dem trockenem Fels eine Freude war. Am steilsten waren der erste und mittlere Abschnitt. Vom Sattel aus waren es fast 200 Höhenmeter hinauf, und die Milchsäure begann, sich bemerkbar zu machen. Ziemlich kaputt erreichte ich die Gipfelwarte, die ganz außen zur Nordwand hin steht. 
Das Wetter war in der Zwischenzeit richtig schön geworden, und ich hatte strahlenden Sonnenschein während meines Aufenthaltes auf dem Gipfel. 
Der Rückweg zu Julia und den Rucksäcken am Fuß des Falketinds wurde mir lang, und ich hatte großen Durst. Zum Glück hatte Julia in weiser Voraussicht Wasser aufgehoben. 

Insgesamt hatte ich für den Abstecher zum Stølsnostind mit Fotopausen gute anderthalb Stunden gebraucht. 

Wir gingen ziemlich genau den gleichen Weg hinunter, den wir gekommen waren, und während des Abstiegs wurde das Wetter womöglich noch schöner. Wir ärgerten uns natürlich, daß wir unsere Filme im Schlechtwetter fast verschossen und nun nicht mehr genügend Bilder hatten. Man sollte immer mehr Filme in der Tasche haben als man denkt daß man braucht! 

Auf dem Abstieg kamen uns Leute in allen möglichen Schuh- und Kleidungsvarianten, die man als völlig unzulänglich bezeichnen mußte, auf dem Gletscher entgegen. Es waren keine Spalten hier, aber wie schnell kann man ohne Steigeisen auf dem glatten Eis ausrutschen und sich dann mit kurzen Hosen und bloßen Armen auf dem groben Eis und Gletscherschlamm richtig böse Schürfverletzungen zuziehen. Andere versuchten, die Gletscherzunge über steile Moränerücken mit losem Sand und Geröll zu umgehen, und jedes Mal, wenn sie Steinschläge und Erdrutsche auslösten, lief es uns kalt den Rücken hinunter (und das geschah in einem fort), aber trotzt Unvernunft geschahen an diesem Tag keine Unfälle auf dem Falketind. Doch den Verhältnissen entsprechend können wir in schneearmen Sommern und im Spätsommer unbedingt Steigeisen und Pickel (evtl. sogar Seilsicherung durch das kleine Spaltenfeld im unteren Teil des Gletschers) empfehlen. Wir gehörten ohne Zweifel zu den bestausgerüsteten Bergsteigern an diesem Tag und konnten die beste und ungefährlichste Route gehen. Und auch wenn es im Frühsommer möglich ist, auf Schneeresten am Rand des Gletschers ohne Steigeisen aufzusteigen, so sollte man sich vor Schmelzspalten höllisch in Acht nehmen. 

Auf dem steilen, galttgeschliffenem Hang hinunter ins Morka-Koldedalen ging es langsam mit uns, und wir waren heilfroh, hier nicht bei Nässe gehen zu müssen, obwohl ganz trocken war es nicht, denn die Sonne hatte im Laufe des Tages unzählich Rinnsale von Schmelzwasser ausgelöst, welche jetzt hier herunterliefen. Wir kamen heil unten an, und konnten die "Transportetappe" zurück zum Auto am Koldedalsvatnet in Angriff nehmen. Da der Gletscherfluß vom Stølsnosbreen im Laufe des Tages kräftig angeschwollen war, entschieden wir uns dafür, ihn ganz unten am Auslauf in den See zu durchwaten. Für unsere kaputten Füße war das eiskalte Gletscherwasser eine Wohltat.

Wir hatten zuwenig Wasser mitgenommen, weil wir dachten, unterwegs genug zu finden, doch zwischen dem Andrevatnet und dem Gipfel des Falketind gab es nur Gletscherwasser. Deshalb gab es auf dem Rückweg nur einen Gedanken in unseren Köpfen: Wasser! Am ersten Schmelzwasserrinnsal, das die Fjellwand herunterkam und das nicht nach Steinmehl und Gletscherschlamm schmeckte, wurde dementsprechend erstmal eine lange Trinkpause eingelegt und die Flaschen wieder gefüllt. 

Wir waren ganz schön erschöpft, denn in der Zwischenzeit waren wir um die 12 Stunden unterwegs gewesen, und die Konzentration ließ nach. Wir wollten nur noch zurück, und da alle Steine nach einem früheren Regenschauer wieder abgetrocknet zu sein schienen, schritten wir kräftig aus. Dann geschah der Unfall des Tages: ich beging eine Fehleinschätzung und betrat einen geneigten, flachen, felchtenbedeckten Stein. Dieser war nicht trocken, sondern seifenglatt, und ich rutschte aus und fiel wie ein Kartoffelsack in einen einen Meter tiefen Spalt zwischen zwei großen Felsblöcken, wobei ich mir das linke Schienbein an einer messerscharfen Steinkante aufschnitt und ich mit dem unteren Rücken auf eine andere Steinkante schlug. Glücklicherweise fing hier der Rucksack das Meiste ab. Hinterher hingen Haare und Hautreste an der Steinkante, aber alles in allem hatte ich noch ein Riesenglück, denn ich konnte noch laufen, und mit meinem Rücken hätte es schlimmer ausgehen können. Jetzt erinnern nur noch blaue Flecken und Narben an den Unfall, aber ich habe einen ordentlichen Denkzettel erhalten, denn erstens war dies der böseste Fall, den ich jemals bei einer Bergtour hatte, und wie bei den allermeisten Unfällen im Gebirge geschah dies zu einem Zeitpunkt, wo das Konzentrationsniveau niedrig und ich von der langen Tour erschöft gewesen war. 

Zum Glück war das Terrain nun flach und leicht begehbar, und nachdem wir auch noch den letzten Kilometer humpelnd hinter uns gebracht hatten, war es nur noch die Autofahrt zurück nach Fagernes, die ausstand. 

 

 

 

STØLSNOSTIND Ø 1 - 2001 METER

Pyramidenförmiger Gipfel mit einem Abgrund nach Nordwesten, der ungefähr 500 Meter östlich des Stølsnostind liegt. Er kann in Verbindung mit einer Tour zum Stølsnostind oder Falketind bestiegen werden. 
Der Primärfaktor ist ca. 115 Meter.