MJØLKEDALSTINDEN - 2137 METER

KARTE TYIN BLATT 1517 I
KARTENREFERENZ MP601 142
ERSTBESTEIGUNG 1881 (SLINGSBY / VIGDAL)
SCHWIERIGKEITSGRAD MITTELSCHWER
LANDKREIS LUSTER

Der Mjølkedalstind ist von allen Seiten ein toll anzusehender Berg. Es ist auch nicht "unmöglich", hinaufzukommen. Selbst im Winter wird er von Bergsteigern mit nur den Skistöcken als Hilfsmittel bestiegen. 

Aufstieg:
Olavsbu ist unbedingt der beste Ausgangspunkt für eine Besteigung des Mjølkedalstinds, wenn man nicht unter die Kategorie Zelten fällt. Es ist aber auch möglich, den Gipfel als eine lange Tagestour von Eidsbugarden/Fondsbu oder Leirvassbu aus zu besteigen.
Der gewöhnlichste Weg hinauf ist allerdings der von Olavsbu aus westwärts, um dann nordöstlich des Gipfels bis zum Sattel zu gehen und von hier auf dem Nordwestrücken zum Gipfel zu gelangen. Der Grat wird schmaler und exponierter zum Gipfel hin, hält aber für bergerfahrene Wanderer keine größeren Schwierigkeiten bereit. Eine luftige Stelle kurz vor dem Gipfel bietet gute Griffmöglichkeiten. Der Nordwestrücken wird auch für Winterbesteigungen benutzt. 
Kommt man von Eidsbugarden / Fondsbu (JS25b), verläßt man den Weg kurz bevor man ins Rauddalen hinunterkommt und geht über den Sattel zwischen der Olavsbunut und dem Mjølkedalstind. Dann umrundet man den Berg, um auf dem Nordwestrücken aufzusteigen. 
Es ist möglich, den Gipfel ohne Seil von Südosten aus zu besteigen, doch diese Route ist mühsamer und schwieriger als der Nordwestgrat.

Tourbericht (Mjølkedalstind und Skarddalstind): (20.07.2001)
Wir hatten uns am Freitag freigenommen und waren am Donnerstag abend bei regenschwerem Wetter ins Leirdalen gefahren. Als wir am nächsten Morgen erwachten, sah das Wetter genauso traurig aus wie am Vorabend. Wegen der Kälte wurde das Frühstück wenig gemütlich und schnell eingenommen, und die Wolken, die schwer über dem Jervefonn und dem Skagsnebb hingen, wirkten wenig inspirierend für eine lange Tagestour ins Herz Jotunheimens.
Wir packten das Zelt zusammen und fuhren hoch nach Leirvassbu. Mit leichtem Gepäck (Tagesrucksack) ging es in Richtung Olavsbu. Das Wetter entwickelte sich in die richtige Richtung und wurde besser und besser. Schon bald wurde die Kyrkja wolkenfrei, und wenig später auch das Tverrbytthorn.
Nach einem ruhigen Anstieg auf das Høgvaglbandet wurde das Tempo etwas forciert. Der Weg nach Olavsbu ist hier durch die Blockfelder entlang der Høgvagltjerna hervorragend angelegt. 
(Der obere Høgvagltjern ist übrigens einer der schöneren Bergseen Jotunheimens, vor allem wenn man an einem windstillen Tag hier geht und sich der Høgvaglen und der Skardalseggi in dem grünen Wasser spiegeln.)
Nach ca. 3 stündigem Marsch kamen wir in Olavsbu an. Die Hütte war leer (abgesehen von der Hüttenwacht) und wir hatten auf dem Weg hierher nur 4 Schweden und 2 Dänen getroffen, also nicht undbedingt Massen von Leuten. 
Die Sonne schaute mittlerweile zwischen den Wolken hervor, und da das Wetter eher mäßig vorhergesagt worden war, freuten wir uns gewaltig darüber. Wir hatten eine schöne lange Pause an der Hütte, die mitten im Herzen Jotunheimens ziemlich idyllisch in einer sonst sehr kargen Landschaft liegt. Etwas Müll trübt den guten Eindruck allerdings, besonders in dem kleinen See an der Hütte. Hier sollte der DNT mal eine Aufräumaktion starten. Wir bewunderten den Raudalseggi, der von diesem Winkel geradezu majestätisch wirkt, die Raudalstindane und den Fannaråken, der sich am Ausgang des Rauddalen erhebt.

Mjølkedalstind
Wir überquerten die Rauddøla nahe bei der Hütte und schrägten nach und nach westwärts, später südwestwärts den Schneehang hinauf. Die Sonne wärmte mittlerweile recht gut, und der Schweiß rann. Von hier aus sieht der Gipfel weit weniger spitz und schwierig aus als von Süden oder Nordwesten. 
Eine kleine Gruppe von 6 Leuten, die wir schon eher weiter oben auf dem Schneefeld bemerkt hatten, rastete auf dem Sattel zwischen dem kleinen Hügel von 1808 m und dem Nordrücken des Mjølkedalstinds. Außer diesen war keine Menschenseele zu sehen. 
Von der schneegefüllten Senke nördlich des Gipfels gingen wir auf dem steilen Schneehang direkt geradeaus aufwärts zu dem Bergrücken, der uns zum Gipfel führen sollte. Noch ein kleineres steiles Schneefeld, dann war fester Fels erreicht. Der Übergang vom Schneehang zum Fels war etwas schwierig, doch danach wurde es einfacher. Steinwarten wiesen die steile Route, bei der man die Hände zu Hilfe nehmen muß. Griff- und Trittmöglichkeiten sind jedoch ausreichend vorhanden, so daß die Kletterei nicht schwierig ist. Zuerst geht es etwas links außen am Rücken hoch, bis man zu einem zwischen 2 und 4 Meter breiten, recht flachen Grat kommt, der keinerlei Schwirigkeiten bietet. Dann kommt das nächste Steistück. 
Wir gingen manchmal vor und manchmal hinter der anderen Gruppe, die sporty genug war, um hier mit zwei Kindern im Alter von 9 und 10 zu gehen (und wie wir auf dem Gipfel erfuhren: einer im fünften Monat schwangeren Frau. Imponierend!). Auf der linken Seite war der Abgrund greifbar nahe, während es rechts erst ein paar Meter steiles Blockfeld gab, bevor die Bergwand abgrundähnlich abfiel.
Es kam ein kleiner Einschnitt, wo man ungefähr einen guten halben Meter zwischen den beiden Steilwänden hat und etwa einen Meter senkrecht hochklettern muß (Gute Tritt- und Griffmöglichkeiten), bevor eine steilere Partie leichten Kletterns zu einer großen Steinwarte führt. Hier geht es ein Stück flach und sehr leicht zum letzten Steilstück vor dem Gipfel. Mit der Gipfelwarte im Visier waren wir uns nun sicher, daß wir es schaffen würden. 
Doch es kam nochmal ein schwieriger Punkt und das einzige wirklich ausgesetzte Stück. Dank trockenem Fels und guten Griff- und Trittmöglichkeiten kamen wir auch hier drüberweg und konnten uns zufrieden an der Gipfelwarte hinsetzen und die Aussicht genießen. Mit 8 Leuten war es hier oben recht bevölkert, doch es hätten noch mehr Platz gehabt. Die anderen filmten eine kurze Sequenz am Gipfel, wo das ungeborene Baby feierlich seinen ersten 2000er dokumentiert bekam (ein guter Start für einen zukünftigen Sammler?).

Es hingen immer noch Wolken über Hurrungane fest, doch sonst hatten wir freie Aussicht: der Sjogholstind und der Raudalseggi sind die nächsten Nachbarn im Süden und Osten, daneben der Sagi, der Mjølkedalspiggan und der Uranostind - letzterer mit dem steilen Südgrat im Profil. 
Mehr als 700 Meter unter uns schwammen noch immer Eisschollen auf dem Mjølkedalstjørna, und etwas weiter westlich konnten wir unter dem Sagi das blanke Gletschereis sehen. 
Die Gletscherhanenfüße, die entlang des Grats bis kurz unter dem Gipfel wuchsen, waren kein ungewohnter Anblick, da war ein großer Tuff Rosenwurz schon überraschender. 
Bevor wir uns auf den Rückweg begaben, wurden die obligatorischen Fotos gemacht. Runterzu ist es immer etwas schwieriger, und wir ließen uns auf dem Gipfelgrad ausreichend Zeit. Der Übergang zum Schneefeld war wieder etwas schwierig, doch von dort aus ging es in einem Rutsch schlitternd, springend und halb rennend das ganze Schneefeld bis fast zum Talgrund des Rauddalens hinunter. Die anderen gingen zurück nach Olavsbu, während wir die Rauddøla weiter unten auf Steinen überquerten. 
Julia hatte nach der Aktion Mjølkedalstind genug Gipfelerlebnisse für diesen Tag gesammelt, während ich (Morten) noch große Lust auf den Skarddalstind hatte, der da einladend "direkt neben" dem Weg lag. 
Wir trennten uns dort, wo der Wanderweg zum Rauddalsbandet den Fluß überquert. Julia flgte dem Wanderweg langsam weiter in Richtung Leirvassbu, während ich direkten Kurs zum Südwestrücken einschlug. Wir wollten uns an der Weggabelung am Langevatnet wieder treffen.

Skarddalstind
Ich gab ganz schön Gas, doch kam bald ganz schön außer Atem und wurde zu einem etwas gemütlicherem Tempo gezwungen. Das Gelände zum Fuß des pyramidenförmigen Gipfels war leicht begehbar. Stellenweise war der Fels wirklich rostrot, und das Verständnis für all die mit "Raud-" (Rot-") beginnenden Namen der Umgebung wuchs. Vom Band zum Skarddalen (nahe der Höhe 1764 m) aus bis zum Gipfel führte der Weg durch zusammenhängende Blockfelder. So spät am Tag wurde das mich, der ich nicht in der besten Form bin, zu einer recht langwierigen Affäre. Mehrere Male erwartete ich,die Gipfelwarte endlich hinter dem nächsten Stein auftauchen zu sehen, bevor sie es zum Schluß endlich tat. Der ganze Aufstieg hierher war sehr leicht. Bei einigen goßen Steinblöcken mußte man die Hände etwas zu Hilfe nehmen, doch steil war es nie.
Die Gipfel bot eine herrliche Aussicht, wobei für mich der Blick hinunter in den spaltigen Gletscher unter mir und hinüber zum Skarddalseggi den spannendsten Teil darstellten. Hinunter bis zum Band am Beginn des Grates mochte es gehen, doch weiter hinauf zum Skarddalseggi sah es heftig schwierig aus (es ist oft schwierig, so etwas richtig einzuschätzen, wenn man es von vorn und nicht im Profil sieht, doch dies hier sah steil aus!). Es kam jetzt sowieso nicht in Frage, in dieser Richtung weiterzugehen.  
Nach ein paar Minuten auf dem Gipfel machte ich mich an den Abstieg. Weil diese Besteigung nicht geplant gewesen war und ich die Karte vorher nicht genau genug studiert hatte, wußte ich nicht, wie gut der Nordrücken zu gehen war und ging erst ein Stück auf dem Westrücken abwärts, woher ich gekommen war.

Es war ein herrliches Gefühl, hier mutterseelenallein mit der Abendsonne im Gesicht zu gehen. Hurrungane war wie gewöhnlich ein eindrucksvoller Blickfang. Imponierend waren auch die zwei westlichsten Rauddalstindane, die den Einschnitt zwischen dem Østre Rauddalstinden und dem Høgvaglen ausfüllen.
Ein Stück unterhalb des Gipfels bog ich vom Rücken ab und betrat ein steiles Schneefeld. Hier trat ich eine recht ansehnliche Schneematschlawine los, die jedoch so langsam war, daß ich sie auf dem Weg nach einholte. Der alte Schnee war weich und gab den Füßen guten Halt, so daß ich völlig problemlos den kleinen Gletscher in der nordwestlichen Einsenkung erreichte. Da weder Eis noch Spalten zu sehen waren, wählte ich den kürzesten Weg hinunter zum Weg. Da ich bis fast ganz hinunter dem Schnee folgen konnte, nahm dieser Abstieg nicht viel Zeit in Anspruch.

Julia hatte mich bereits kommen sehen und wartete ein Stück vor der verabredeten Stelle auf mich. Die letzten Kilometer nach Leirvassbu waren anstrengend, doch wir versuchten trotzdem, ein gutes Tempo zu halten. In trockenen Sachen und Schuhen und mit einer eiskalten Cola in Leirvassbu waren bald alle Strapazen vergessen. Den Abschluß eines Tages, der über alle Erwartungen gelungen war, bildete ein ausgesuchtes Abendessen, das wir auf dem Sturmkocher zubereiteten, und ein spektakulärer Sonnennuntergang.

 

 

 

OLAVSBUNUT - 1970 METER

Ein kleinerer Gipfel mit einem Abgrund an der Ostseite bei der Berghütte Olavsbu. Die Olavsbunut liegt ca. 1 km östlich bis nordöstlich des Mjølkedalstind (2137 m) und kann einfach vom Sattel westlich des Gipfels aus bestiegen werden. Olavsbu ist der beste Ausgangspunkt, aber auch von Eidsbugarden/Fondsbu und Leirvassbu, die mit dem Auto zugänglich sind, ist die Besteigung als Tagestour möglich. 
Der Primärfaktor ist ca. 160 Meter.