SURTNINGSSUI - 2368 METER

KARTE GLITTERTINDEN BLATT 1618 III
KARTENREFERENZ MP773 224
ERSTBESTEIGUNG Ca. 1840 (SVERDRUP)
SCHWIERIGKEITSGRAD LEICHT - MITTELSCHWER
LANDKREIS LOM / VÅGÅ

Nach dem Galdhøpiggen (2469 m) und dem Glittertind (2464 m) gehört die Surtninggsui zu den meist besuchten Gipfeln in Jotunheimen. Dies hängt sicher damit zusammen, daß es einen markierten Weg bis zum Gipfel hoch gibt und die Besteigung nicht sehr anspruchsvoll ist. Es ist für die Popularität sicher auch nicht von Nachteil, daß die Aussicht vom Gipfel als die allerbeste ganz Jotunheimens gilt. Hierin sind wir nicht unbedingt ganz einig, aber daß die Aussicht großartig ist, steht unzweifelhaft fest. Der bekannte Bergsteiger Emanuel Mohn schrieb in DNTs Jahrbuch von 1878 über die Aussicht von der Surtningssui: ".. Ich weiß nicht, ob es bloß die klare Luft war, die diese Aussicht so prachtvoll machte, oder ob es auch die Gruppierung der Gipfel war ...". Etwas westlich unter dem Gipfel steht eine kleine Steinhütte, welche von der Familie Sveine von Memurubu 1889 errichtet wurde. Diese hat im Laufe der Zeit so manches Mal als Unterschlupf für Wanderer, die oben von schlechtem Wetter überrascht wurden, fungiert. 
Die Tour zum Gipfel und zurück dauert ab Memurubu, was der normale und am häufigsten benutzte Ausgangspunkt für die Besteigung ist,  rund 7-8 Stunden.

Aufstieg:
Alternative 1:

Die Route, welche die meisten Wanderer zum Gipfelen nehmen, folgt dem markierten Weg von Memurubu aus am Nordufer des Flusses Muru westwärts. 7-8 km geht man so gleichmäßig im Memurudalen bergan, während Tal und Weg nach und nach nordwärts biegen. Direkt östlich des Reinstinden, wo der Bach Surtninssubekken von Nordosten in die Muru mündet, biegt man leicht nach rechts und folgt nun dem Surtningssubekken ein Stück auf seiner Ostseite. Ca. 1 km nach dem man die Muru verlassen hat, auf ca. 1600 m Höhe, biegt der Weg ostwärts und verläßt den Bach. Auf dem Westrücken hoch ist es recht steil und flacht den letzten Kilometer zum Gipfel hin etwas ab. Einen halben Kilometer vor dem Gipfel passiert man eine Steinhütte von 1889, die mit ihrer Lage auf 2330 m wahrscheinlich die zweithöchstgelegene in Norwegen ist (die Hütte auf dem Galdhøpiggen ist natürlich die höchstgelegene). 

Vom Gipfel hat man wie gesagt eine fantastische Aussicht, die zu den allerbesten in Jotunheimen gehört. Es dauert zu lange, alles aufzuzählen, was man von oben sehen kann, aber wir möchten vor allem den Blick nach Osten zu der steilen Westwand der Besshø (2258 m) erwähnen. Es gibt wohl keinen anderen Gipfel, der eine so schöne Aussicht zur Besshø hat als gerade die Surtningsui. Auch der Blick nach Süden in die gletschergefüllten Abgründe und zu den steilen Nordwänden der Gipfel der Gjendealpen, wie Tjørnholstind (2330 m) und Store Knutsholstind (2341 m) verdient es unbedingt, eine Qualitätsaussicht genannt zu werden. Westwärts hat man einen ebenfalls tadellosen Blick zu den Memurugletschern und u.a. den spitzen Gipfeln der Hellstugutindene.

Alternative 2 (nicht markiert):
Auch diese Route beginnt in Memurubu, aber anstatt dem Memurudalen aufwärts zu folgen, folgt man dem Weg, der nördlich der Hütte steil die Bergwand emporklettert (und u.a. später nach Glitterheim und Gjendesheim über den Besseggen führt) einige hundert Meter, verläßt dann den Hauptweg und biegt nach links ab. Man überquert den Bach Hestbekken und folgt dem Bergrücken nordwestwärts auf die Höhe (1542 m) südlich des Sees Hesttjønne. Es geht weiter auf dem Rücken in norwestlicher Richtung, und man hat unterwegs eine tolle Aussicht. Am Raudhamran (1893 m) geht man westlich vorbei und erreicht westlich des Gipfels den markierten Weg aus Memurubu, dem man das letzte Stück zum Gipfel folgt. 

Eine schöne Kombination ist, einen Weg hoch und den anderen runterzugehen, um etwas Abwechlung zu haben. 

Es sollte möglich sein, mit der entsprechenden Ausrüstung den Gipfel der Surtningssui auch aus Nordosten über die Surtningssuoksle zu erreichen, aber da muß man Gletscherpartien überqueren. Direkt südöstlich des Gipfels gibt es eine imponierende Schnee- und Eiswand, die über einem schwarzen Abgrund thront. Diese Formation ist vom Norden aus deutlich zu sehen und bietet ein schönes Fotomotiv, wenn man nah genug herankommt. 

Zwischen Surtningssui Ø 2 (2251 m) und Surtningssui Ø 3 (2033 m) gibt einen großartigen Eisfall, der bläulich leuchtet, wenn man zum Surtningssumassivet hinüberschaut. Eine Tour hier hinauf muß für Gletscherfans das Non plus Ultra sein. 

Eigene Erlebnisse: 
Wegen viel Arbeit und wenig Urlaub gab es diesen Sommer (2000) nicht so viele Bergtouren für Julia und mich, doch ein Juli-Wochenende hatten wir fürs Gebirge eingeplant. 
Wir gingen am Freitag Abend von Gjendesheim entlang des Gjende (JS01), und schlugen unser Zelt auf einem grasigen Absatz mit herrlicher Aussicht ca. 1 km oberhalb Memurubu auf. Am Samstag erwachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf und dachten, dies würde ein knallschöner Tag werden. Auf dem Weg bergan zum Raudhamaren gingen wir in kurzer Hose und die Laune war spitze, doch dies war vorübergehend. Von Südosten her zogen große Wolken auf, und es dauerte nicht viel mehr als eine halbe Stunde, bevor sie alle Gipfel in der Umgebung eingehüllt hatten. 
Oben am Raudhamaren (1893 m) verloren wir den markierten Weg, fanden ihn aber etwas weiter unten auf der anderen Seite wieder. Westlich des Gipfels, direkt unter einem steilen Absatz, stieß der Weg aus dem Memurudalen dazu. Die rote Markierung auf einem Stein war alles, was hier von einer Weggabelung zeugte. Bei schönem Wetter, wenn man weiß, wo man hinwill, ist dies sicher kein Problem, aber im Nebel sollte man ein wenig aufmerksam sein. 
Die nächsten gut hundert Höhenmeter sind die steilsten der gesamten Tour, doch der Weg ist gut un schlängelt sich sichter durchs Geröll nach oben. Wenn man sich Zeit für die nötigen Atempausen nimmt, kommen die allermeisten hier gut hoch. 
Der Nebel verdichtete sich, und wir sahen gar nichts mehr um uns herum, registrierten ab er nach einer Weile, daß das Terrain etwas flacher wurde. Wir gingen wechselweise auf Stein und Neuschnee, der vor ein paar Tagen hier gefallen war. Diese Etappe wirkte extra lang - vielleicht weil wir nichts sehen konnten? Doch wir kamen endlich auch zur Surtningsbui, der kleinen Steinhütte auf 2230 m Höhe, welche Norwegens zweithöchste Steinhütte ist (dir höchste steht auf dem Galdhøpiggen auf 2469 m). Die Hütte war völlig aufgefüllt von einer riesigen Schneewehe, und man konnt evergessen, hier drinnen eine Rast einzulegen. So machten wir draußen eine kurze Pause, und währenddessen passierten uns mehrere Wandergruppen, die auf dem Abstieg waren, darunter eine Menge Tschechen. Wir waren also weit von allein, doch dank ihres Rufes, ein erstklassiger Aussichtsgipfel zu sein, gehört die Surtningsiu auch zu den 5-6 meistbestiegenen Bergen Jotunheimens. Die Aussicht konnten wir alle an jenem Tag allerdings lange suchen. Wir gingen auch noch die letzten Meter hoch zur Gipfelwarte, die uns zeigte, daß wir unser Ziel erreicht hatten. Auf der anderen Seite gähnte ein "bodenloser" Abgrund. Der dichte Nebel und die Temperaturen, die um die 0 Grad lagen, vereitelten unsere Pläne, weiter zum Südgipfel (2302 m) zu gehen. Wir müssen also noch mal wiederkommen.
Auf dem Rückweg entschlossen wir uns, einen anderen Weg, nämlich durch das Hestdalen zu gehen. Auf der Karte sah es kürzer aus, und außerdem konnten wir hier einige Höhenmeter ohne Anstrengung (und Knieschmerzen) hinter uns bringen, indem wir auf einer großen Schneewehe runterschlitterten. Außerdem ist es immer schön, einen anderen Weg zurückzugehen als den, auf dem man gekommen ist. (Durch das Memurudalen zu gehen, kam für uns nicht in Frage, denn wir hatten unser Zelt ja ziemlich weit über Memurubu und wollten zum Schluß nicht wieder bergauf.) Im großen und ganzen war es völlig ok durchs Hestdalen, doch stellenweise gab es grobes Geröll, welches in dem feuchten Wetter glatt und rutschig war, doch ansonsten eine schöne Tour, die als alternative Route aktuell sein kann. 

 

 

 

SURTNINGSSUI Ø-1 - 2302 METER

Surtningssui Ø 1 oder der Südgipfel, wie er auf der Karte heißt, liegt ca. 1 km südöstlich des Hauptgipfels der Surtningssui. Diesen Gipfel kann man leicht als Abstecher vom Hauptgipfel aus erreichen (eine gute halbe Stunde extra). Der Grat weiter in südlicher Richtung zum Nebengipfel Surtningssui S ist dagegen deutlich schmaler und exponierter. Der Primärfaktor ist ca. 30 Meter.

Arne Wold schreibt in einem Kommentar: Der schmalste und steilste Teil des Grates südwärts zum Südgipfel besteht aus sehr losen Felsblöcken mit schlechten Sicherungsmöglichkeiten.  Es ist leichtes Klettern, aber exponiert und lose. Es empfiehlt sich, etwa 50 Meter hinunter in die südliche Bergseite Richtung Südersten zu gehen und in einer der Rinnen zum Gipfelpunkt aufzusteigen (keine Sicherung notwendig). Man kann vom Südgipfel aus hinunter ins Hestdalen gelangen.

 

 

 

SURTNINGSSUI Ø-2 - 2251 METER

Surtningssui Ø 2 oder Mittelgipfel, wie er auf der Karte heißt, liegt einen guten Kilometer südöstlich des Hauptgipfels der Surtningssui, und einige hundert Meter östlich vom Nebengipfel Ø 1. Der Grat von Ø 1 nach Ø 2 ist allerdings schaml und exponiert.  
Der wahrscheinlich leichteste Weg hier hinauf geht vom Hesttjønne aus nordwärts in den Kessel südlich des Gipfels Ø 1 und schräg in der steilen Wand Richtung Südostrücken hinauf zum Gipfel. Der Primärfaktor ist ca. 20 Meter.

Arne Wold schreibt in einem Kommentar: Es ist leicht, vom Gletscher östlich des Gipfels zum Berg zu gelangen, doch geht man auf dem Gletscher zu weit hoch / nördlich, gibt es eine tiefe Spalte zwischen Gletscher und Fels. Der Rücken weiter hoch zum Gipfel hat ein paar exponierte / ausgesetzte Stellen. Das letzte Stück hinauf zum Gipfel Ø-1 ist Klettern vom Schwierigkeitsgrad 3-4. Halten Sie sich bis zum Gipfelpunkt auf dem Grat.

 

 

 

SURTNINGSSUI S - 2133 METER

Die Søre Surtningssui (Südgipfel) liegt knappe 2 Kilometer ziemlich genau südlich des Hauptgipfels der Surtningssui. Der Aufstieg vom Norden aus via Surtningssui Ø 1 ist stellenweise schmal und exponiert. Der Primärfaktoren ist ca. 25 Meter.

Arne Wold schreibt in einem Kommentar: Der schmalste und steilste Teil des Grates südwärts zum Südgipfel besteht aus sehr losen Felsblöcken mit schlechten Sicherungsmöglichkeiten.  Es ist leichtes Klettern, aber exponiert und lose. Es empfiehlt sich, etwa 50 Meter hinunter in die südliche Bergseite Richtung Südersten zu gehen und in einer der Rinnen zum Gipfelpunkt aufzusteigen (keine Sicherung notwendig). Man kann vom Südgipfel aus hinunter ins Hestdalen gelangen.

 

 

 

SURTNINGSSUI NØ - 2078 METER

Surtningssui NØ oder Austre Surtningssui, wie dieser Gipfel auf der Karte heißt, liegt knapp 3 km östlich des Hauptgipfels der Surtningssui. Aufstieg: Von Memurubu aus auf dem Weg in Richtung Glitterheim (JS05) zu dem Delta, wo die Glopåe in den Russvatnet mündet. Ab hier nordwestlich steil die Bergwand hinauf. Der Primärfaktor ist ca. 25 Meter.

 

 

 

SURTNINGSSUI Ø 3 - 2033 METER

Surtningssui Ø 3 oder Nestaustre Surtningssue, wie er auf der Karte heißt, liegt knapp 2 km östlich bis südöstlich des Hauptgipfels der Surtningssui. Man besteigt ihn über die sehr steile Bergwand südöstlich des Gipfels oder über den Gletscher von Westen. Der Primärfaktoren ist ca. 15 Meter.