SURTNINGSSUI - 2368 METER

Nach dem Galdhøpiggen (2469 m)
und dem Glittertind (2464 m)
gehört die Surtninggsui zu den meist besuchten Gipfeln in Jotunheimen. Dies
hängt sicher damit zusammen, daß es einen markierten Weg bis zum Gipfel hoch
gibt und die Besteigung nicht sehr anspruchsvoll ist. Es ist für die
Popularität sicher auch nicht von Nachteil, daß die Aussicht vom Gipfel als die
allerbeste ganz Jotunheimens gilt. Hierin
sind wir nicht unbedingt ganz einig, aber daß die Aussicht großartig
ist, steht unzweifelhaft fest. Der bekannte Bergsteiger Emanuel Mohn schrieb in DNTs Jahrbuch
von 1878 über die Aussicht von der Surtningssui:
".. Ich weiß nicht, ob es bloß die klare Luft war, die diese Aussicht so
prachtvoll machte, oder ob es auch die Gruppierung der Gipfel war ...".
Etwas westlich unter dem Gipfel steht eine kleine Steinhütte, welche von der
Familie Sveine von Memurubu 1889 errichtet wurde. Diese hat im Laufe der Zeit
so manches Mal als Unterschlupf für Wanderer, die oben von schlechtem Wetter
überrascht wurden, fungiert.
Die Tour zum Gipfel und zurück dauert ab Memurubu,
was der normale und am häufigsten benutzte Ausgangspunkt für die Besteigung ist, rund
7-8 Stunden.
Aufstieg:
Alternative 1:
Die Route, welche die meisten Wanderer zum Gipfelen nehmen, folgt dem
markierten Weg von Memurubu aus am Nordufer des Flusses Muru westwärts. 7-8 km
geht man so gleichmäßig im Memurudalen bergan, während Tal und Weg nach und
nach nordwärts biegen. Direkt östlich des Reinstinden, wo der Bach Surtninssubekken
von Nordosten in die Muru mündet, biegt man leicht nach rechts und folgt nun
dem Surtningssubekken ein Stück auf seiner Ostseite. Ca. 1 km nach dem man die
Muru verlassen hat, auf ca. 1600 m Höhe, biegt der Weg ostwärts und verläßt
den Bach. Auf dem Westrücken hoch ist es recht steil und flacht den letzten
Kilometer zum Gipfel hin etwas ab. Einen halben Kilometer vor dem Gipfel
passiert man eine Steinhütte von 1889, die mit ihrer Lage auf 2330 m
wahrscheinlich die zweithöchstgelegene in Norwegen ist (die Hütte auf dem
Galdhøpiggen ist natürlich die höchstgelegene).
Vom Gipfel hat man wie gesagt eine fantastische
Aussicht, die zu den allerbesten in Jotunheimen gehört. Es dauert zu lange,
alles aufzuzählen, was man von oben sehen kann, aber wir möchten vor allem den Blick
nach Osten zu der steilen Westwand der Besshø (2258
m) erwähnen. Es gibt wohl keinen anderen Gipfel, der eine so
schöne Aussicht zur Besshø hat als gerade die Surtningsui. Auch der Blick nach
Süden in die gletschergefüllten Abgründe und zu den steilen Nordwänden der
Gipfel der Gjendealpen, wie Tjørnholstind
(2330 m) und Store Knutsholstind
(2341 m) verdient es unbedingt, eine Qualitätsaussicht genannt zu
werden. Westwärts hat man einen ebenfalls tadellosen Blick zu den Memurugletschern
und u.a. den spitzen Gipfeln der Hellstugutindene.
Alternative 2 (nicht markiert):
Auch diese Route beginnt in Memurubu, aber anstatt dem Memurudalen aufwärts
zu folgen, folgt man dem Weg, der nördlich der Hütte steil die Bergwand
emporklettert (und u.a. später nach Glitterheim und Gjendesheim über den Besseggen
führt) einige hundert Meter, verläßt dann den Hauptweg und biegt nach links
ab. Man überquert den Bach Hestbekken und folgt dem Bergrücken nordwestwärts
auf die Höhe (1542 m) südlich des Sees Hesttjønne. Es geht weiter auf dem
Rücken in norwestlicher Richtung, und man hat unterwegs eine tolle Aussicht. Am
Raudhamran (1893 m) geht man westlich vorbei und erreicht westlich des Gipfels
den markierten Weg aus Memurubu, dem man das letzte Stück zum Gipfel
folgt.
Eine schöne Kombination ist, einen Weg hoch und den anderen
runterzugehen, um etwas Abwechlung zu haben.
Es sollte möglich sein, mit der entsprechenden
Ausrüstung den Gipfel der Surtningssui auch aus
Nordosten über die Surtningssuoksle zu erreichen, aber da muß man
Gletscherpartien überqueren. Direkt südöstlich des Gipfels gibt es eine
imponierende Schnee- und Eiswand, die über einem schwarzen Abgrund thront.
Diese Formation ist vom Norden aus deutlich zu sehen und bietet ein schönes
Fotomotiv, wenn man nah genug herankommt.
Zwischen Surtningssui Ø 2 (2251
m) und Surtningssui Ø 3 (2033 m)
gibt einen großartigen Eisfall, der bläulich leuchtet, wenn man zum
Surtningssumassivet hinüberschaut. Eine Tour hier hinauf muß für
Gletscherfans das Non plus Ultra sein.
Eigene Erlebnisse:
Wegen viel Arbeit und wenig Urlaub gab es diesen Sommer (2000) nicht so viele Bergtouren für Julia und mich, doch ein Juli-Wochenende hatten wir fürs Gebirge eingeplant.
Wir gingen am Freitag Abend von Gjendesheim entlang des Gjende (JS01), und schlugen unser Zelt auf einem grasigen Absatz mit herrlicher Aussicht ca. 1 km oberhalb Memurubu auf. Am Samstag erwachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf und dachten, dies würde ein knallschöner Tag werden. Auf dem Weg bergan zum Raudhamaren gingen wir in kurzer Hose und die Laune war spitze, doch dies war vorübergehend. Von Südosten her zogen große Wolken auf, und es dauerte nicht viel mehr als eine halbe Stunde, bevor sie alle Gipfel in der Umgebung eingehüllt hatten.
Oben am Raudhamaren (1893 m) verloren wir den markierten Weg, fanden ihn aber etwas weiter unten auf der anderen Seite wieder. Westlich des Gipfels, direkt unter einem steilen Absatz, stieß der Weg aus dem Memurudalen dazu. Die rote Markierung auf einem Stein war alles, was hier von einer Weggabelung zeugte. Bei schönem Wetter, wenn man weiß, wo man hinwill, ist dies sicher kein Problem, aber im Nebel sollte man ein wenig aufmerksam sein.
Die nächsten gut hundert Höhenmeter sind die steilsten der gesamten Tour, doch der Weg ist gut un schlängelt sich sichter durchs Geröll nach oben. Wenn man sich Zeit für die nötigen Atempausen nimmt, kommen die allermeisten hier gut hoch.
Der Nebel verdichtete sich, und wir sahen gar nichts mehr um uns herum, registrierten ab er nach einer Weile, daß das Terrain etwas flacher wurde. Wir gingen wechselweise auf Stein und Neuschnee, der vor ein paar Tagen hier gefallen war. Diese Etappe wirkte extra lang - vielleicht weil wir nichts sehen konnten? Doch wir kamen endlich auch zur Surtningsbui, der kleinen Steinhütte auf 2230 m Höhe, welche Norwegens zweithöchste Steinhütte ist (dir höchste steht auf dem Galdhøpiggen auf 2469 m). Die Hütte war völlig aufgefüllt von einer riesigen Schneewehe, und man konnt evergessen, hier drinnen eine Rast einzulegen. So machten wir draußen eine kurze Pause, und währenddessen passierten uns mehrere Wandergruppen, die auf dem Abstieg waren, darunter eine Menge Tschechen. Wir waren also weit von allein, doch dank ihres Rufes, ein erstklassiger Aussichtsgipfel zu sein, gehört die Surtningsiu auch zu den 5-6 meistbestiegenen Bergen Jotunheimens. Die Aussicht konnten wir alle an jenem Tag allerdings lange suchen. Wir gingen auch noch die letzten Meter hoch zur Gipfelwarte, die uns zeigte, daß wir unser Ziel erreicht hatten. Auf der anderen Seite gähnte ein "bodenloser" Abgrund. Der dichte Nebel und die Temperaturen, die um die 0 Grad lagen, vereitelten unsere Pläne, weiter zum Südgipfel (2302 m) zu gehen. Wir müssen also noch mal wiederkommen.
Auf dem Rückweg entschlossen wir uns, einen anderen Weg, nämlich durch das Hestdalen zu gehen. Auf der Karte sah es kürzer aus, und außerdem konnten wir hier einige Höhenmeter ohne Anstrengung (und Knieschmerzen) hinter uns bringen, indem wir auf einer großen Schneewehe runterschlitterten. Außerdem ist es immer schön, einen anderen Weg zurückzugehen als den, auf dem man gekommen ist. (Durch das Memurudalen zu gehen, kam für uns nicht in Frage, denn wir hatten unser Zelt ja ziemlich weit über Memurubu und wollten zum Schluß nicht wieder bergauf.) Im großen und ganzen war es völlig ok durchs Hestdalen, doch stellenweise gab es grobes Geröll, welches in dem feuchten Wetter glatt und rutschig war, doch ansonsten eine schöne Tour, die als alternative Route aktuell sein kann.
SURTNINGSSUI
Ø-1 - 2302 METER
Surtningssui Ø 1 oder der Südgipfel, wie er auf der Karte
heißt, liegt ca. 1 km südöstlich des Hauptgipfels der Surtningssui.
Diesen Gipfel kann man leicht als Abstecher vom Hauptgipfel aus erreichen (eine
gute halbe Stunde extra). Der Grat weiter in südlicher Richtung zum Nebengipfel Surtningssui S
ist dagegen deutlich schmaler und exponierter. Der Primärfaktor
ist ca. 30 Meter.
Arne Wold
schreibt in einem Kommentar: Der schmalste und steilste Teil des Grates
südwärts zum Südgipfel besteht aus sehr losen Felsblöcken mit
schlechten Sicherungsmöglichkeiten. Es ist leichtes Klettern, aber
exponiert und lose. Es empfiehlt sich, etwa 50 Meter hinunter in die südliche
Bergseite Richtung Südersten zu gehen und in einer der Rinnen zum Gipfelpunkt
aufzusteigen (keine Sicherung notwendig). Man kann vom Südgipfel aus hinunter
ins Hestdalen gelangen.
SURTNINGSSUI
Ø-2 - 2251 METER
Surtningssui Ø 2 oder Mittelgipfel, wie er auf der Karte
heißt, liegt einen guten Kilometer südöstlich des Hauptgipfels der Surtningssui,
und einige hundert Meter östlich vom Nebengipfel Ø 1.
Der Grat von Ø 1 nach Ø 2 ist allerdings schaml und exponiert.
Der wahrscheinlich leichteste Weg hier hinauf geht vom
Hesttjønne aus nordwärts in den Kessel südlich des Gipfels Ø 1 und schräg
in der steilen Wand Richtung Südostrücken hinauf zum Gipfel. Der Primärfaktor
ist ca. 20 Meter.
Arne Wold
schreibt in einem Kommentar: Es ist leicht, vom Gletscher östlich des Gipfels
zum Berg zu gelangen, doch geht man auf dem Gletscher zu weit hoch / nördlich,
gibt es eine tiefe Spalte zwischen Gletscher und Fels. Der Rücken weiter hoch
zum Gipfel hat ein paar exponierte / ausgesetzte Stellen. Das letzte Stück
hinauf zum Gipfel Ø-1 ist Klettern vom Schwierigkeitsgrad
3-4. Halten Sie sich bis zum Gipfelpunkt auf dem Grat.
SURTNINGSSUI S -
2133 METER
Die Søre Surtningssui (Südgipfel)
liegt knappe 2 Kilometer ziemlich genau
südlich des Hauptgipfels der Surtningssui.
Der Aufstieg vom Norden aus via Surtningssui Ø 1
ist stellenweise schmal und exponiert. Der Primärfaktoren
ist ca. 25 Meter.
Arne Wold
schreibt in einem Kommentar: Der schmalste und steilste Teil des Grates
südwärts zum Südgipfel besteht aus sehr losen Felsblöcken mit
schlechten Sicherungsmöglichkeiten. Es ist leichtes Klettern, aber
exponiert und lose. Es empfiehlt sich, etwa 50 Meter hinunter in die südliche
Bergseite Richtung Südersten zu gehen und in einer der Rinnen zum Gipfelpunkt
aufzusteigen (keine Sicherung notwendig). Man kann vom Südgipfel aus hinunter
ins Hestdalen gelangen.
SURTNINGSSUI NØ
- 2078 METER
Surtningssui NØ oder Austre Surtningssui, wie dieser Gipfel auf
der Karte heißt, liegt knapp 3 km östlich des Hauptgipfels der Surtningssui.
Aufstieg: Von Memurubu aus auf dem Weg in Richtung Glitterheim (JS05)
zu dem Delta, wo die Glopåe in den Russvatnet mündet. Ab hier nordwestlich
steil die Bergwand hinauf. Der Primärfaktor
ist ca. 25 Meter.
SURTNINGSSUI Ø
3 - 2033 METER
Surtningssui Ø 3 oder Nestaustre Surtningssue, wie er auf der
Karte heißt, liegt knapp 2 km östlich bis südöstlich des Hauptgipfels der Surtningssui.
Man besteigt ihn über die sehr steile Bergwand südöstlich des Gipfels oder
über den Gletscher von Westen. Der Primärfaktoren
ist ca. 15 Meter.
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