GALDHØPIGGEN - 2469 METER
Der Galdhøpiggen ist mit seinen 2469 m Jotunheimens und Norwegens
höchster Berg. Er ist gleichzeitig der meistbesuchte Berggipfel Norwegens (vielleicht zusammen mit dem
Gaustatoppen), wenn man von kleineren Bergen in
mehr urbanen Gegenden absieht. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: die verlockende
Tatsache, daß dies der höchste Punkt Festlandsnorwegens ist und daß er
relativ leicht zu besteigen ist. Aufstieg: Von der Juvasshytta: Andere Alternativen: Tourbericht 3 - Auf den Galdhøpiggen bei Sonne und Nebel mit 150 Anderen (03.08.03, von Morten - Fotos siehe hier) Mit großen Erwartungen fahren wir, das sind Julia, Julias Mutter und ich, die RV55 talaufwärts im Bøverdalen, ein Tal, daß sich tief in die höchsten Berge hierzulande, ja Nordeuropas, eingeschnitten hat. In Galdesand zweigt die Mautstraße zur Juvasshytta ab. Es ist früh am Sonntag morgen, und das Wetter sieht höchst unstabil aus, bei vielen, teils dunklen Wolken, aber auch blauen Flecken mit Sonne dazwischen. Vor uns gibt es mehrere Autos, und alle biegen links ab. Wir sind schon auf schlechteren Fjellstraßen gefahren, und so geht es zügig bergan, durch den Nadelwald, später durch den Fjellbirkenwald, bis wir bei Raudbergstulen das offene Fjell erreichen. Hier kommt auch die Aussicht: vor allem zur gegenübergelegenen Talseite mit den Hestbrepiggane, aber auch zur Trollhøin, Trollsteineggi und dem Glittertind rechter Hand von uns. Unser Ziel, den Galdhøpiggen, werden wir erst an der Juvasshytta sehen können. Die Mautstation bei Raudbergstulen verursacht eine lange Schlange. Ein einsamer Bediensteter nimmt das Geld entgegen, füttert den Münzautomat und wechselt für die, die es nicht passend haben. Nirgendwo sonst in Norwegen kann man so hoch mit dem Auto fahren wie auf dieser Straße, und man hat teilweise fast das Gefühl, sie führe in den Himmel hinauf. "Sind wir nicht bald oben?", fragen wir uns, doch die Straße schlängelt sich weiter und weiter am Berghang empor. Jemand mit großer Höhenangst kann sich hier etwas unwohl fühlen, aber für die meisten ist es sicher spannend. Es ist beinahe, als würde man mit dem Auto einen Berg besteigen. Endlich sind wir oben! Die Straße führt noch einen Kilometer fjelleinwärts zum Sommerskizentrum, doch wir biegen zur Juvasshytta ab, denn von hier aus startet die Wanderung zum Dach Norwegens. Wir sind eine Stunde zu früh da, kaufen das Ticket
(das allerdings, wie sich später zeigt, nicht
kontrolliert wurde) und etwas Warmes zum Trinken und setzen
uns ans Fenster mit der Aussicht zum Galdhøpiggen, oder genauer gesagt,
in die Richtung, wo sich der Gipfel befindet. Momentan ist der Berg
nämlich in dicken Nebelwolken eingehüllt, und wir drücken die Daumen,
daß sich diese auflösen werden, bis wir auf dem Gipfel sind. Um zehn Uhr startet die Tour. Aus allen Richtungen strömen die Teilnehmer um die mit ihren Eispickeln und Seilen leicht identifizierbaren Gletscherführer. Es sind vier Führer, drei Männer und eine Frau. Einer der Männer ist besonders interessant. Er kommt aus Nepal, ist Sherpa und war ganze fünf mal auf dem höchsten Berg der Welt, dem 8850 m hohen Everest. Daß er diesen Sommer hier für die Juvasshytta als Gletscherführer arbeitet, hat natürlich Aufsicht erweckt, und mehrere Zeitungen haben Artikel darüber gebracht. Er führt den ausländischen Teil der Truppe auf Englisch. Die Führer informieren uns über das erwartete Wetter, was wir in der Umgebung an Bergen sehen und wie die Tour verlaufen wird. Zum Schluß werden die Seile zum Tragen an ein paar kräftige Männer verteilt, und dann geht es endlich los. Für mich, der es gewöhnt ist, allein auf Fjelltour zu sein, ist es ein wenig amüsant, die anderen Leute zu beobachten. Hier gibt es eine große Spannweite, Jacken und Menschen in allen Farben des Regenbogens, von Kindern um die 7 bis zu den Großeltern. Einige gehen mit Joggingschuhen (anm. d. R.: sollte man NICHT nachmachen), andere mit soliden Bergschuhen (so gehört es sich), und einige Führer mit Spezial-Gletscherschuhen (vielleicht nicht unbedingt von Nöten). Besonders staunen wir über die kleinen Kinder, die munter und erwartungsvoll Schritt halten. Ein Großvater erzählt seinem Enkel, wie man in den unwegsamen Steinfeldern die Füße setzt, während eine Familie eine Flagge am Rucksack befestigt hat. Hier soll die Besteigung von Norwegens höchstem Punkt offensichtlich gefeiert werden. Auf einer solchen Tour geht mehr Zeit mit dem Beobachten der anderen Leute drauf als mit dem der Natur um einen herum, jedenfalls an einem Tag wie diesem, wo sich die höchsten Berge ohnehin alle in den Wolken verstecken. Schon nach wenigen Schritten taucht die erste Schwierigkeit auf, ein ca. 3-4 m breites Feld mit Eiswasser, ca. 20 cm tief. Diejenigen mit schlechtem Schuhwerk versuchen natürlich, mit kreativer Schrittführung und Hopsern so trockenen Fußes wie möglich außenherum bzw. hindurch zu kommen und vergessen, daß sie jetzt im Seil eingebunden sind und nicht mehr gehen und springen können wie sie wollen. Es ruckt und zieht ordentlich am Seil, und einige sind nahe davor, hineinzufallen, aber es geht geradeso gut. Mit so vielen Menschen ohne Erfahrung im Seil zu gehen, sind ungünstige Strammungen ganz unvermeidlich. Unsere Platzierung mitten im Seil bringt es mit sich, daß wir fast ununterbrochen regelrecht auseinandergerissen werden, weil vorn jemand zu schnell und hinten jemand zu langsam geht. Dies ist nicht sehr angenehm und läßt nicht den geringsten Spielraum für eigene Tempoanpassungen. Vom Galdhøpiggen erstreckt sich ein steiler Bergrücken hinunter zum Styggebreen. Links desselben reicht der Piggbreen bis fast zum Gipfel hinauf. Hier gibt es viele und vor allem große, breite Spalten, nur wenige Meter von der markierten Route entfernt. Bei Nebel sollte man hier deshalb sehr vorsichtig sein, und es hat auch schon mehrere Unfälle mit teils fatalem Ausgang gegeben. Auf dem festen Fels angelangt, können wir uns endlich aus dem Seil binden und uns wieder wie freie Menschen fühlen. Julia und Michaela beäugen spektisch den steilen Rücken, auf dem die anderen allen Alters nach und nach im Nebel verschwinden. Wir folgen nach, doch sind schnell außer Atem, wofür wie die Schuld der dünnen Luft zuschreiben. Der Rücken wird schmaler und der Abstand rechts hinunter zum Gletscher immer weiter. Eine Dame, deren physische Ausdehnung allein das Sich-Bewegen in diesem Gelände schon bewundernswert erscheinen läßt, ängstigt sich um ihren unerschrockenen Sohn, der voller Faszination für den senkrechten Abgrund ist und dicht an diesem entlanggeht. "Geh nicht so nah an die Kante, Anders!", "Komm zurück, du kannst dort runterfallen, Anders", "Geh lieber dort, wo die andern gehen". So geht das in einem fort bis fast zum Gipfel, aber sowohl die beleibte Mutter als auch Anders kommen genau so heil wieder unten an. An Stellen, wo man normalerweise auf Schnee gehen
kann, muß man jetzt über Felsen kraxeln. Dort, wo man hinaus auf den
Schnee kommt, ist dieser hart und vereist. Wir schauen bereits eine
kleine Weile ungeduldig in den Nebel vor uns, ob denn der Gipfel nicht
bald auftaucht, als endlich die Silhouette der Hütte auf dem Gipfel aus
dem monotonen Grau, welches uns zu allen Seiten umgibt. Hat man nicht im
Nebel oft das Gefühl, weiter gegangen zu sein als man ist? Der Rückweg geht viel leichter und als der Aufstieg: Ehe wir es uns versehen, sind wir schon wieder heil auf der anderen Seite des Gletschers angekommen. Und nun wird es auch etwas sonniger, und wir bekommen zumindest einen schönen Blick gletscherabwärts und in Richtung Glittertind. Als wir endlich an der Juvasshytta ankommen, drehen wir uns um und sehen den "Piggen" wolkenfrei über die Umgebung thronen. Pech gehabt! Während wir uns umziehen und die Rückfahrt antreten haben die Führer noch ein gutes Stück Arbeit vor sich, die Seile zu kontrollieren und ordentlich zusammenzupacken, bevor auch sie Feierabend machen können. Tourbericht 2: Sonnenuntergang auf dem Gipfel (04.08.2002 - Fotos siehe hier) Nach der weniger gelungenen Nachttour, über die Sie weiter unten lesen können, und einer wunderbaren Sonnenaufgangstour auf den Glittertind Anfang Juli letzten Jahres hatten wir schon lange Lust, das Ganze unter besseren Verhältnissen auf dem Galdhøpiggen nochmals zu versuchen. Wir hatten deshalb eine Nacht-Skitour im Juni von der Juvasshytta geplant, doch das Wetter wollte es anders, so dass wir den Galdhøpiggen eigentlich schon wieder aufgegeben hatten. Die hellen Nächte in Südnorwegen dauern nur bis ca. Anfang-Mitte Juli, und für eine Nachttour (Aufstieg nachts, Sonnenaufgang auf dem Gipfel) kommt deshalb nur ein ziemlich begrenzter Zeitraum in Frage. Doch als an einem Sonntag im August die Wettervorhersage stimmte und wir nichts anderes vorhatten, entschieden wir uns spontan, zu fahren. Statt einer Sonnenaufgangstour würde es dann eine Sonnenuntergangstour werden, und der Ausgangspunkt würde Spiterstulen statt die Juvasshytta sein, da wir so spät im Sommer und dazu im Dunklen nicht ohne Führer über den Styggebreen wollten. Wir hatten beide am Montag frei, und so machte es auch nichts, daß es spät werden würde. Nach einem ruhigen Vormittag mit Preiselbeer- und Blaubeerpflücken fuhren wir gegen halb zwei los. Unterwegs wurden Badepausen in Skammestein und am Lemonsjøen eingelegt, und eien Eispause in Lom. Halb sechs kamen wir in Spiterstulen an. Und mittlerweile sah es so aus, als würde sich die Geschichte von der letzten Galdhøpiggentour wiederholen. Damals fuhren wir von Fagernes mit einer schönen Wettervorhersage los und standen um vier Uhr nachts bei Regen und Nebel auf dem Gipfel. Auch heute hatte sich der Himmel unterwegs zugezogen, und mehrere Gipfel Jotunheimens lagen in den Wolken. Dies ist kein gutes Zeichen, wenn man zum Dach Norwegens unterwegs ist! Vereinzelte blaue Löcher liessen die Hoffnung jedoch noch nicht ganz schwinden, und waren wir schon so weit gefahren, so würden wir nun ohnehin aufsteigen - wenn nötig wieder im Regen und Nebel. Wir befanden uns nicht in bester Kondition und nahmen die Steigung in moderatem Tempo. Offensichtlich gab es niemanden anders mit der gleichen Absicht, denn obwohl uns am laufenden Band Leute entegenkamen (zuletzt unterhalb der Svellnosi gegen acht Uhr), waren wir die Einzigen bergan. Ein Wolkenloch lag permanent über dem Glittertind und
ließ diesen in der Abendsonne leuchten. Im Norden stand ein Regenbogen. Keine Gipfel mehr in den Wolken. Vielleicht hatten wir doch Glück mit dem Wetter? Es sah so aus... Auf der Svellnosi stiegen wir endlich aus der Schattenseite des Galdhøpiggen (das ist der Nachteil mit Sonnenuntergangs- statt Sonnenaufgangstouren über Ostrouten) heraus und kamen in die Sonne. Hier legten wir eine kurze Kekspause ein und genossen die Aussicht auf den spaltenreichen Styggebreen und der Juvasshytta mit der Galdhøe dahinter, bevor wir (wegen der schweisstreibenden Aufstiegs leichtgekleidet) zu frieren begannen und zusahen, dass wir weiterkamen. Jetzt war die Stimmung so, wie wir gehofft hatten, dass sie werden würde: das weiche Abendlicht der Sonne lag über fast gesamt Jotunheimen, und bildeten zusammen mit den dunklen Wolken, die noch immer am Horizont lagen, eine trollsche Stimmung. Es war windstill und die Nacht entwickelte sich magisch. Besonders die Hellstugutindane mit ihren schlanken, spitzen Formationen sahen schön aus. Wir hielten uns am Rand des Svellnosbreen auf den Steinen (glücklichweise ging dies aufgrund des Schneemangels), denn wir hatten keine Steigeisen mit, und der Schnee auf dem Gletscher war zu hart und glatt, um ihn betreten zu können. So viel Firn und Eis habe ich auf dem Galdhøpiggen noch nie zuvor erlebt! Das letzte Stück hinauf zum Galdhøpiggen zieht sich länger als man denkt, denn man muss von fast 2300 mH auf der Svellnosi noch zweimal wieder hoch und runter, bevor man endlich auf dem Norwegens höchstem Punkt steht. Und man hat ja auch schon 1200 Hm in den Beinen, bevor man die Svellnosi erreicht... Wir hatten uns ausgerechnet, dass wir viel Zeit hatten, doch auf dem letzten Anstieg hinter dem Keilhaus topp zum Galdhøpiggen sank die Sonne erschreckend schnell, und die Landschaft um uns herum lag schon in den Farben gebadet, die wir vom Gipfel aus erleben und fotografieren wollten. Ich legte deshalb einen extra Gang ein (den ich eigentlich nicht mehr hatte), und stürmte zum Gipfel. Als Julia ankam, hatte ich das Stativ aufgebaut und schon einen halben Film verschossen. Sobald die Sonne weg war, beeilten wir uns mit dem Abstieg. Wir gingen so schnell wir nur konnten, denn wir wollten so weit wie möglich kommen, so lange man noch halbwegs etwas sehen konnte. Der Abstieg wurde uns lang, und er war anstrengend. Besonders die letzte halbe Stunde war eine Härteprobe. Auf kaputten, zitternden Beinen im Stockdunklen den Hang hinunter, über glatte Steine und rutschige Erde. Doch trotz einiger kleinerer Fälle und einer Reihe blauer Flecke kamen wir heiler Haut unten an, und nach der langen Fahrt zurück nach Fagernes konnten wir am Montag Morgen um halb vier endlich ins Bett steigen. Tourbericht 1: Nachtbesteigung bei Nebel und Regen (Juli 2000) Nach zwei früheren Besteigungen durch Morten bei schönem Wetter zusammen mit
unzähligen anderen Wanderern, wollten wir beim dritten Mal den Sonnenaufgang
oben erleben, und zwar am liebsten ganz alleine (es war
Julias erste Tour zum Dach Norwegens). Wir brachen gegen 18.00 Uhr an
einem normalen Wochentag in Fagernes auf und fuhren nach Spiterstulen. Gegen
23.00 Uhr begannen wir mit dem Aufstieg. Die Wettervorhersage war recht
vielversprechend, doch der Himmel über uns sah eher drohend als
vielversprechend aus. Aber da wir so weit gefahren waren, wollten wir auf keinen
Fall umkehren, ohne es wenigstens versucht zu haben, und so starteten wir
optimistisch. Obwohl es Anfang Juli war, wo die Nächte auch in Südnorwegen
hell sind, war es durch die schweren Wolken am Himmel ganz schön dunkel. Die
eine oder andere blaue Lücke im Grau ließ uns jedoch darauf hoffen, daß es
weiter aufreißen würde.
KEILHAUS TOPP - 2355 METERDer Keilhaus Topp ist ein Sekundärgipfel ca. einen Kilometer östlich vom Galdhøpiggen, den man auf dem Weg von Spiterstulen zum Galdhøpiggen passiert. Der Keilhaus topp hat einen Primärfaktor von 20 Höhenmetern.
SVELLNOSI - 2272 METERDie Svellnosi ist ein Sekundärgipfel einen halben Kilometer östlich vom Keilhaus topp, über den man muß, wenn man von Spiterstulen auf den Galdhøpiggen geht. Die Svellnosi hat einen Primärfaktor von ungefähr 20 Höhenmetern.
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