GALDHØPIGGEN - 2469 METER

KARTE GALDHØPIGGEN BLATT 1518 II
KARTENREFERENZ MP635 339
ERSTBESTEIGUNG 1850 (SULHEIM / FLOTTEN / ARNESEN)
SCHWIERIGKEITSGRAD LEICHT
LANDKREIS LOM

Der Galdhøpiggen ist  mit seinen 2469 m Jotunheimens und Norwegens höchster Berg. Er ist gleichzeitig der meistbesuchte Berggipfel Norwegens (vielleicht zusammen mit dem Gaustatoppen), wenn man von kleineren Bergen in mehr urbanen Gegenden absieht. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: die verlockende Tatsache, daß dies der höchste Punkt Festlandsnorwegens ist und daß er relativ leicht zu besteigen ist. 
Lange rivalisierten Galdhøpiggen und Glittertind darum, Norwegens höchster Berg zu sein, denn wegen einer dicken Eiskappe auf dem Gipfel des Glittertinds war dieser höher. Diese ist jedoch mit der Zeit teilweise abgeschmolzen und der Galdhøpiggen ist nun unumstritten der höchste, mit oder ohne Eiskappe des Glittertinds (der Glittertind hat eine Felshöhe von 2452 m, wobei die Höhe mit Eis heute mit 2464 m (ehemals 2472 m) angegeben wird). Obwohl der Piggen, wie er abkürzend auch genannt wird, der höchste Berg des Landes ist, ist er mitnichten der majestätischste oder hochaufragendste Berg, welchen wir haben. Mit anderen Worten ist er ziemlich unscheinbar, und es ist nicht zufällig, daß vor der modernen Wissenschaft mit akkuraten Höhenmessungen andere Gipfel wie die Snøhetta und der Store Knutsholstind als höher galten. 
Heute steht eine solide Steinhütte auf dem Gipfel des Galdhøppigen. Es ist die dritte, nachdem die beiden ersten von Stürmen mitgenommen wurden. 
Die herrliche Aussicht vom Gipfel ist neben der Errungenschaft, auf dem höchsten Berg Norwegens gewesen zu sein, ein zweiter guter Grund, um dem Galdhøpiggen einen Besuch abzustatten. An einem klaren Tag hat man vom Gipfel eine Aussicht über ein Areal von ca. 35 000 km² mit Gebirge, Gletschern, Tälern, Wäldern und Seen. Zum Vergleich: vom  Gaustatoppen (1883 m) in der Nordtelemark, welcher wegen seiner Einzellage die weiteste Sicht aller norwegischen Berge hat, kann man ca. 50.000 km² überblicken. Die beiden leichtesten Routen zum Gipfel des Galdhøpiggen beginnen in Spiterstulen (1100 m) und Juvasshytta (1834 m).

Aufstieg:
Von Spiterstulen:
Von Spiterstulen benötigt man ca. 6 Stunden (4 Stunden hoch und 2 Stunden runter) zum Gipfel und zurück. Der Aufstieg ist ordentlich steil, und der Höhenunterschied beträgt gute 1400 Meter (wenn man den Svellnosi und den Keilhaus topp mitnimmt, an welchen man sowieso fast auf Gipfelhöhe vorbeikommt), aber die Belohnung, und für manch einen auch der Antrieb, ist eine sich stetig mit der Höhe weitende Aussicht (wenn man klare Sicht hat).  
Der Weg führt ab Spiterstulen über die Brücke über die Visa und windet sich steil die Bergwand hinauf. Er ist sehr gut markiert, aber trotzdem entstehen ständig neue Pfade parallel zum Hauptweg. Um weitere häßliche Erosionsschäden auf diesem stark begangenen Weg zu vermeiden, ist es deshalb sehr wichtig, auf dem gekennzeichneten Weg zu bleiben. Man passiert bald eine Wegkreuzung, wo der Weg zur Juvasshütte rechts abzweigt, während der zum Gipfel sich weiter steil bergauf windet. Ab ca. 1750 m wird das Gelände etwas weniger steil und man erreicht die Schneegrenze (abhängig von der Stärke der Schneeschmelze und wann man unterwegs ist). Kurz nachdem man die 2000 m passiert, führt der Pfad hart entlang der Kante zum Styggebreen, wo die Felswand fast vertikal zum Gletscher hinunter abbricht. Der Weg führt dann  rechts an der Svellnosi (2272 m) vorbei und hinauf zum Keilhaus topp (2355 m). Von dort geht es zuerst ein kleines Stück bergab, und dann beginnt der letzte, ca. 150 m hohe Anstieg durch ein Schneefeld hinauf zum Gipfel. Nach einigen tödlichen Unfällen auf dem Pigg-Gletscher vor dem Gipfel hat man nun sehr deutliche Stangen bzw. rote Fähnchen in den Schnee gesteckt, welche den Weg den letzten Anstieg hoch weisen, und man sollte sich zur eigenen Sicherheit dicht an sie halten. Wir haben selbst teilweise schneebedeckte Spalten nur einige Meter vom gekennzeichneten Weg gesehen.  
Auf der Hütte kann man Schokolade und Erfrischungen kaufen, welche natürlich ein gutes Stück teurer als im "Flachland" sind. Außerdem gibt es Souviniers wie Poststempel und T-Shirts. 

Von der Juvasshytta:
Die Tour von der Juvasshytta zum Gipfel des Galdhøpiggen ist ungefähr gleich weit wie die von Spiterstulen, wobei man jedoch nur ungefähr halb so viele Höhenmeter hinter sich bringen muß (ca. 635 m). Die normale Dauer ist 5 Stunden (3 Stunden hoch und 2 Stunden runter), und die Route führt direkt über den Styggebreen und verlangt entsprechend Gletschererfahrung und genügend Teilnehmer, um eine Seilschaft zu bilden. Die Spuren sind in der Regel den ganzen Weg entlang zum Gipfel sehr deutlich, aber es wird immer unheimlich auf einem Gletscher, wenn der Nebel kommt, also denken Sie an Karte und Kompaß! Steigeisen und Pickel sind im Sommer tagsüber normalerweise nicht nötig, sollten aber sicherhaltshalber immer im Gepäck sein.
PS: Die Juvasshytta bietet mehrmals täglich geführte Touren auf den Gipfel über den Gletscher an (Dauer ca. 6 Stunden).
Tip: Spät im Sommer kann der Gletscher Oberwasser haben, und der Schnee ist nass und schwer. Sie sollten unbedingt gute Bergschuhe und Gamaschen tragen, auch wenn Sie mit Führer gehen (d.h. nicht unbedingt sowieso steigeisenfeste Schuhe anhaben). Gummistiefel sind tabu!

Andere Alternativen:
Eine spannende Variante der Galdhøpiggenbesteigung ist, dem Weg zum Svellnosbreen zu folgen und auf dem wunderschönen Gletscher hinauf zur Svellnosi und ab dort den normalen Weg, welcher von Spiterstulen kommt,  weiter zum Gipfel zu gehen. Diese Route beansprucht ca. 9 Stunden, und wenn man selbst nicht die nötige Gletschererfahrung hat, kann man ab Spiterstulen mit Führer gehen.


Tourbericht 3 - Auf den Galdhøpiggen bei Sonne und Nebel mit 150 Anderen (03.08.03, von Morten - Fotos siehe hier)

Mit großen Erwartungen fahren wir, das sind Julia, Julias Mutter und ich, die RV55 talaufwärts im Bøverdalen, ein Tal, daß sich tief in die höchsten Berge hierzulande, ja Nordeuropas, eingeschnitten hat. In Galdesand zweigt die Mautstraße zur Juvasshytta ab. Es ist früh am Sonntag morgen, und das Wetter sieht höchst unstabil aus, bei vielen, teils dunklen Wolken, aber auch blauen Flecken mit Sonne dazwischen. Vor uns gibt es mehrere Autos, und alle biegen links ab. Wir sind schon auf schlechteren Fjellstraßen gefahren, und so geht es zügig bergan, durch den Nadelwald, später durch den Fjellbirkenwald, bis wir bei Raudbergstulen das offene Fjell erreichen. Hier kommt auch die Aussicht: vor allem zur gegenübergelegenen Talseite mit den Hestbrepiggane, aber auch zur Trollhøin, Trollsteineggi und dem Glittertind rechter Hand von uns. Unser Ziel, den Galdhøpiggen, werden wir erst an der Juvasshytta sehen können. Die Mautstation bei Raudbergstulen verursacht eine lange Schlange. Ein einsamer Bediensteter nimmt das Geld entgegen, füttert den Münzautomat und wechselt für die, die es nicht passend haben. Nirgendwo sonst in Norwegen kann man so hoch mit dem Auto fahren wie auf dieser Straße, und man hat teilweise fast das Gefühl, sie führe in den Himmel hinauf. "Sind wir nicht bald oben?", fragen wir uns, doch die Straße schlängelt sich weiter und weiter am Berghang empor. Jemand mit großer Höhenangst kann sich hier etwas unwohl fühlen, aber für die meisten ist es sicher spannend. Es ist beinahe, als würde man mit dem Auto einen Berg besteigen. Endlich sind wir oben! Die Straße führt noch einen Kilometer fjelleinwärts zum Sommerskizentrum, doch wir biegen zur Juvasshytta ab, denn von hier aus startet die Wanderung zum Dach Norwegens.

Wir sind eine Stunde zu früh da, kaufen das Ticket (das allerdings, wie sich später zeigt, nicht kontrolliert wurde) und etwas Warmes zum Trinken und setzen uns ans Fenster mit der Aussicht zum Galdhøpiggen, oder genauer gesagt, in die Richtung, wo sich der Gipfel befindet. Momentan ist der Berg nämlich in dicken Nebelwolken eingehüllt, und wir drücken die Daumen, daß sich diese auflösen werden, bis wir auf dem Gipfel sind.
Die Juvasshytta ist einer der ödesten Orte in Norwegen, wo die Zivilisation ihre Ausläufer hingeschickt hat. Ein etwas trauriges, rotbraunes Holzgebäude, umgeben von Steinwüste mit einigen Vegetationsflecken - Mose, Flechten und die ein oder andere tapfere Gebirgsblume (Steinbrechs, Hornkraut etc.). Auf der einen Seite liegt der dunkle, kalte Gletschersee Juvvatnet, der wohl nur bei den allereifrigsten Eisbadern die Badelust erweckt. Am anderen Seeufer liegt der "Kessel", eine gletschergefüllte Senke, von schwarzen, senkrechten Bergwänden umgeben. Wenn die Sonne scheint, ist es hier sicher etwas freundlicher, aber an diesem ziemlich grauen Tag fühlen wir uns wie auf einem antarktischen Vorposten.

Um zehn Uhr startet die Tour. Aus allen Richtungen strömen die Teilnehmer um die mit ihren Eispickeln und Seilen leicht identifizierbaren Gletscherführer. Es sind vier Führer, drei Männer und eine Frau. Einer der Männer ist besonders interessant. Er kommt aus Nepal, ist Sherpa und war ganze fünf mal auf dem höchsten Berg der Welt, dem 8850 m hohen Everest. Daß er diesen Sommer hier für die Juvasshytta als Gletscherführer arbeitet, hat natürlich Aufsicht erweckt, und mehrere Zeitungen haben Artikel darüber gebracht. Er führt den ausländischen Teil der Truppe auf Englisch. Die Führer informieren uns über das erwartete Wetter, was wir in der Umgebung an Bergen sehen und wie die Tour verlaufen wird. Zum Schluß werden die Seile zum Tragen an ein paar kräftige Männer verteilt, und dann geht es endlich los.

Für mich, der es gewöhnt ist, allein auf Fjelltour zu sein, ist es ein wenig amüsant, die anderen Leute zu beobachten. Hier gibt es eine große Spannweite, Jacken und Menschen in allen Farben des Regenbogens, von Kindern um die 7 bis zu den Großeltern. Einige gehen mit Joggingschuhen (anm. d. R.: sollte man NICHT nachmachen), andere mit soliden Bergschuhen (so gehört es sich), und einige Führer mit Spezial-Gletscherschuhen (vielleicht nicht unbedingt von Nöten).
Die erste Etappe führt über die Juvflye leicht bergan zur Kante des Styggebreen und dauert mit einer solchen Gruppe ca. 50 Minuten. Das Feld fällt schnell ziemlich auseinander. Wir halten uns am Ende und gehen das Ganze sehr ruhig an. Rechter Hand liegt das Sommerskigebiet auf dem Vesljuvbreen. Eine überraschend große Anzahl Alpinenthusiasten tummeln sich auf einer Mischung von Sulz, Eis und dreckigem, nassem Schnee. Das sieht nicht sehr verlockend aus. Aber nun sind die Schneeverhältnisse auf den Gletschern dieses Jahr wegen des extrem warmen Sommers auch besonders schlecht. 
Nicht nur Norweger haben Lust auf eine Tour zum Dach Norwegens. Um uns herum werden verschiedene Sprachen gesprochen, darunter Englisch, Deutsch und Niederländisch. 

Besonders staunen wir über die kleinen Kinder, die munter und erwartungsvoll Schritt halten. Ein Großvater erzählt seinem Enkel, wie man in den unwegsamen Steinfeldern die Füße setzt, während eine Familie eine Flagge am Rucksack befestigt hat. Hier soll die Besteigung von Norwegens höchstem Punkt offensichtlich gefeiert werden. Auf einer solchen Tour geht mehr Zeit mit dem Beobachten der anderen Leute drauf als mit dem der Natur um einen herum, jedenfalls an einem Tag wie diesem, wo sich die höchsten Berge ohnehin alle in den Wolken verstecken. 
An der Gletscherkante gibt es eine lange Pause. Die Führer knoten die Seile zusammen und bereiten fertige Brustschlingen für jeden einzelnen der 150 Teilnehmer vor, die heute für die Führung über den Gletscher bezahlt haben. Zum Glück schenkt uns die Sonne ein paar wärmende Strahlen, während wir warten. Als alle Seile fertig sind, stellen sich alle daneben auf. Familien mit Kindern dürfen zuerst vortreten, um sich ihren Platz zu suchen. Eine kurze Weile geht es etwas chaotisch zu, und es sieht so aus, als ob nicht alle, die gern zusammen gehen möchten, einen Platz nebeneinander ergattern können, doch alles ordnet sich. Das Seil, in dem wir gehen, wird von der Führerin geleitet, Grete Nilsen aus Lom unten im Tal. Sie geht von Einem zum Anderen, um zu überprüfen, daß auch alle ordentlich eingebunden sind und den Knoten ausreichend festgestrammt haben. Und dann sind wir endlich klar zum Abmarsch. Die Seilschaften, die wie ineinandergeschlungene Schlangen gestanden haben, strecken sich und werden zu langen, geraden Perlenschnüren mit kleinen Menschenperlen. 

Schon nach wenigen Schritten taucht die erste Schwierigkeit auf, ein ca. 3-4 m breites Feld mit Eiswasser, ca. 20 cm tief. Diejenigen mit schlechtem Schuhwerk versuchen natürlich, mit kreativer Schrittführung und Hopsern so trockenen Fußes wie möglich außenherum bzw. hindurch zu kommen und vergessen, daß sie jetzt im Seil eingebunden sind und nicht mehr gehen und springen können wie sie wollen. Es ruckt und zieht ordentlich am Seil, und einige sind nahe davor, hineinzufallen, aber es geht geradeso gut. Mit so vielen Menschen ohne Erfahrung im Seil zu gehen, sind ungünstige Strammungen ganz unvermeidlich. Unsere Platzierung mitten im Seil bringt es mit sich, daß wir fast ununterbrochen regelrecht auseinandergerissen werden, weil vorn jemand zu schnell und hinten jemand zu langsam geht. Dies ist nicht sehr angenehm und läßt nicht den geringsten Spielraum für eigene Tempoanpassungen.
Doch die Gletscherpassage ist glücklicherweise nicht so lang. Kurz bevor wir auf der anderen Seite "an Land" gehen, müssen wir einige kleinere Spalten überqueren. Der flache Hauptteil des Gletschers, über den wir gekommen sind, hat erstaunlich wenige Spalten.

Vom Galdhøpiggen erstreckt sich ein steiler Bergrücken hinunter zum Styggebreen. Links desselben reicht der Piggbreen bis fast zum Gipfel hinauf. Hier gibt es viele und vor allem große, breite Spalten, nur wenige Meter von der markierten Route entfernt. Bei Nebel sollte man hier deshalb sehr vorsichtig sein, und es hat auch schon mehrere Unfälle mit teils fatalem Ausgang gegeben. Auf dem festen Fels angelangt, können wir uns endlich aus dem Seil binden und uns wieder wie freie Menschen fühlen.

Julia und Michaela beäugen spektisch den steilen Rücken, auf dem die anderen allen Alters nach und nach im Nebel verschwinden. Wir folgen nach, doch sind schnell außer Atem, wofür wie die Schuld der dünnen Luft zuschreiben. Der Rücken wird schmaler und der Abstand rechts hinunter zum Gletscher immer weiter. Eine Dame, deren physische Ausdehnung allein das Sich-Bewegen in diesem Gelände schon bewundernswert erscheinen läßt, ängstigt sich um ihren unerschrockenen Sohn, der voller Faszination für den senkrechten Abgrund ist und dicht an diesem entlanggeht. "Geh nicht so nah an die Kante, Anders!", "Komm zurück, du kannst dort runterfallen, Anders", "Geh lieber dort, wo die andern gehen". So geht das in einem fort bis fast zum Gipfel, aber sowohl die beleibte Mutter als auch Anders kommen genau so heil wieder unten an.

An Stellen, wo man normalerweise auf Schnee gehen kann, muß man jetzt über Felsen kraxeln. Dort, wo man hinaus auf den Schnee kommt, ist dieser hart und vereist. Wir schauen bereits eine kleine Weile ungeduldig in den Nebel vor uns, ob denn der Gipfel nicht bald auftaucht, als endlich die Silhouette der Hütte auf dem Gipfel aus dem monotonen Grau, welches uns zu allen Seiten umgibt. Hat man nicht im Nebel oft das Gefühl, weiter gegangen zu sein als man ist?
Und endlich können wir uns in die Schlange stellen, um an der Gipfelwarte zu stehen. Die Menschendichte ist hier ungefähr so wie auf dem Osloer Hauptbahnhof. Es ist fast surreal, hier mitten in Jotunheimen, umgeben von menschenleeren Gipfeln im Nebel um uns herum zwischen so vielen anderen Leuten auf einem kleinen Fleck zu stehen. Wir sind spät hier oben angekommen und haben nicht mehr als eine Viertelstunde Zeit, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen müssen, um rechtzeitig zum Abmarsch der Seilschaften unten am Gletscher zu sein, doch das macht gar nichts, denn es ist empfindlich kalt und ungemütlich hier oben, und Aussicht ist auch keine da. Doch die Leute um uns herum sind trotzdem guter Laune und wirken sehr mit sich zufrieden, das Dach Nordeuropas erobert zu haben.

Der Rückweg geht viel leichter und als der Aufstieg: Ehe wir es uns versehen, sind wir schon wieder heil auf der anderen Seite des Gletschers angekommen. Und nun wird es auch etwas sonniger, und wir bekommen zumindest einen schönen Blick gletscherabwärts und in Richtung Glittertind. Als wir endlich an der Juvasshytta ankommen, drehen wir uns um und sehen den "Piggen" wolkenfrei über die Umgebung thronen. Pech gehabt! Während wir uns umziehen und die Rückfahrt antreten haben die Führer noch ein gutes Stück Arbeit vor sich, die Seile zu kontrollieren und ordentlich zusammenzupacken, bevor auch sie Feierabend machen können.


Tourbericht 2: Sonnenuntergang auf dem Gipfel (04.08.2002 - Fotos siehe hier)

Nach der weniger gelungenen Nachttour, über die Sie weiter unten lesen können, und einer wunderbaren Sonnenaufgangstour auf den Glittertind Anfang Juli letzten Jahres hatten wir schon lange Lust, das Ganze unter besseren Verhältnissen auf dem Galdhøpiggen nochmals zu versuchen. Wir hatten deshalb eine Nacht-Skitour im Juni von der Juvasshytta geplant, doch das Wetter wollte es anders, so dass wir den Galdhøpiggen eigentlich schon wieder aufgegeben hatten. Die hellen Nächte in Südnorwegen dauern nur bis ca. Anfang-Mitte Juli, und für eine Nachttour (Aufstieg nachts, Sonnenaufgang auf dem Gipfel) kommt deshalb nur ein ziemlich begrenzter Zeitraum in Frage. Doch als an einem Sonntag im August die Wettervorhersage stimmte und wir nichts anderes vorhatten, entschieden wir uns spontan, zu fahren. Statt einer Sonnenaufgangstour würde es dann eine Sonnenuntergangstour werden, und der Ausgangspunkt würde Spiterstulen statt die Juvasshytta sein, da wir so spät im Sommer und dazu im Dunklen nicht ohne Führer über den Styggebreen wollten. Wir hatten beide am Montag frei, und so machte es auch nichts, daß es spät werden würde.

Nach einem ruhigen Vormittag mit Preiselbeer- und Blaubeerpflücken fuhren wir gegen halb zwei los. Unterwegs wurden Badepausen in Skammestein und am Lemonsjøen eingelegt, und eien Eispause in Lom. Halb sechs kamen wir in Spiterstulen an. Und mittlerweile sah es so aus, als würde sich die Geschichte von der letzten Galdhøpiggentour wiederholen. Damals fuhren wir von Fagernes mit einer schönen Wettervorhersage los und standen um vier Uhr nachts bei Regen und Nebel auf dem Gipfel. Auch heute hatte sich der Himmel unterwegs zugezogen, und mehrere Gipfel Jotunheimens lagen in den Wolken. Dies ist kein gutes Zeichen, wenn man zum Dach Norwegens unterwegs ist! Vereinzelte blaue Löcher liessen die Hoffnung jedoch noch nicht ganz schwinden, und waren wir schon so weit gefahren, so würden wir nun ohnehin aufsteigen - wenn nötig wieder im Regen und Nebel.

Wir befanden uns nicht in bester Kondition und nahmen die Steigung in moderatem Tempo. Offensichtlich gab es niemanden anders mit der gleichen Absicht, denn obwohl uns am laufenden Band Leute entegenkamen (zuletzt unterhalb der Svellnosi gegen acht Uhr), waren wir die Einzigen bergan.
Der Weg, der mittlerweile so ausgetreten ist, dass es zeitweise fünf bis sechs Wege sind, schlingt sich den recht steilen Hang von Spiterstulen aufwärts. Eine andere Sache, an der man hier nicht vorbeikommt, ist der Müll. Auf einer so vielbegangenen Route wie dieser ist der Abfall merkbar, wenn nicht auffallend. Wir nahmen Silberpapier, Plastik und andere Verpackungen (u.a. eine leere Bierdose) mit, doch mußten aus Platzgründen ein größeres Stück Plasikfolie liegenlassen. 

Ein Wolkenloch lag permanent über dem Glittertind und ließ diesen in der Abendsonne leuchten. Im Norden stand ein Regenbogen. Keine Gipfel mehr in den Wolken. Vielleicht hatten wir doch Glück mit dem Wetter? Es sah so aus... 
Obwohl es erst Anfang August war, hatte der warme Sommer dem Schnee und den Gletschern hart zugesetzt. Auf den Gletschern lagen Eis, Stein und Geröll frei, was einem Gletscherfreund wie mir in der Seele wehtat, denn es werden wohl nicht mehr allzuviele Jahre vergehen, bis einige von Jotunheimens Gletschern ganz verschwunden sind.
Auch unterwegs zum Galdhøpiggen gab es ungewohnt wenig Schnee, und wir mußten über grosse Steinfelder, die normalerweise Schneefelder waren (schade für den Abstieg, denn auf Schnee geht es viel schneller, schonender und lustiger), und dort, wo noch Schnee lag, war er hartgefroren, so dass es lebensgefährlich war, ihn zu betreten (geneigte Schlittschuhbahnen).
Und noch immer wurde das Wetter ständig besser, und das gab uns Hoffnung auf eine schöne Fotoausbeute.

Auf der Svellnosi stiegen wir endlich aus der Schattenseite des Galdhøpiggen (das ist der Nachteil mit Sonnenuntergangs- statt Sonnenaufgangstouren über Ostrouten) heraus und kamen in die Sonne. Hier legten wir eine kurze Kekspause ein und genossen die Aussicht auf den spaltenreichen Styggebreen und der Juvasshytta mit der Galdhøe dahinter, bevor wir (wegen der schweisstreibenden Aufstiegs leichtgekleidet) zu frieren begannen und zusahen, dass wir weiterkamen. Jetzt war die Stimmung so, wie wir gehofft hatten, dass sie werden würde: das weiche Abendlicht der Sonne lag über fast gesamt Jotunheimen, und bildeten zusammen mit den dunklen Wolken, die noch immer am Horizont lagen, eine trollsche Stimmung. Es war windstill und die Nacht entwickelte sich magisch. Besonders die Hellstugutindane mit ihren schlanken, spitzen Formationen sahen schön aus.

Wir hielten uns am Rand des Svellnosbreen auf den Steinen (glücklichweise ging dies aufgrund des Schneemangels), denn wir hatten keine Steigeisen mit, und der Schnee auf dem Gletscher war zu hart und glatt, um ihn betreten zu können. So viel Firn und Eis habe ich auf dem Galdhøpiggen noch nie zuvor erlebt!

Das letzte Stück hinauf zum Galdhøpiggen zieht sich länger als man denkt, denn man muss von fast 2300 mH auf der Svellnosi noch zweimal wieder hoch und runter, bevor man endlich auf dem Norwegens höchstem Punkt steht. Und man hat ja auch schon 1200 Hm in den Beinen, bevor man die Svellnosi erreicht... 

Wir hatten uns ausgerechnet, dass wir viel Zeit hatten, doch auf dem letzten Anstieg hinter dem Keilhaus topp zum Galdhøpiggen sank die Sonne erschreckend schnell, und die Landschaft um uns herum lag schon in den Farben gebadet, die wir vom Gipfel aus erleben und fotografieren wollten. Ich legte deshalb einen extra Gang ein (den ich eigentlich nicht mehr hatte), und stürmte zum Gipfel. Als Julia ankam, hatte ich das Stativ aufgebaut und schon einen halben Film verschossen. 
Die knappe halbe Stunde, die uns verblieb, bevor die Sonne hinter dem Jostedalsbreen versank, war magisch. Warmer Tee aus der Thermoskanne, Kekse und Fotografieren. Wir waren nicht ganz allein, denn zwei Männer waren schon oben gewesen, als wir ankamen und wollten in der Hütte übernachten. Sie saßen am Panoramafenster und sahen aus, als hätten sie es ebenfalls sehr gut. Wir waren etwas neidisch auf sie, daß sie hier oben bleiben konnten, während uns ein Abstieg im Dunklen erwartete.

Sobald die Sonne weg war, beeilten wir uns mit dem Abstieg. Wir gingen so schnell wir nur konnten, denn wir wollten so weit wie möglich kommen, so lange man noch halbwegs etwas sehen konnte. Der Abstieg wurde uns lang, und er war anstrengend. Besonders die letzte halbe Stunde war eine Härteprobe. Auf kaputten, zitternden Beinen im Stockdunklen den Hang hinunter, über glatte Steine und rutschige Erde. Doch trotz einiger kleinerer Fälle und einer Reihe blauer Flecke kamen wir heiler Haut unten an, und nach der langen Fahrt zurück nach Fagernes konnten wir am Montag Morgen um halb vier endlich ins Bett steigen. 


Tourbericht 1: Nachtbesteigung bei Nebel und Regen (Juli 2000) 

Nach zwei früheren Besteigungen durch Morten bei schönem Wetter zusammen mit unzähligen anderen Wanderern, wollten wir beim dritten Mal den Sonnenaufgang oben erleben, und zwar am liebsten ganz alleine (es war Julias erste Tour zum Dach Norwegens). Wir brachen gegen 18.00 Uhr an einem normalen Wochentag in Fagernes auf und fuhren nach Spiterstulen. Gegen 23.00 Uhr begannen wir mit dem Aufstieg. Die Wettervorhersage war recht vielversprechend, doch der Himmel über uns sah eher drohend als vielversprechend aus. Aber da wir so weit gefahren waren, wollten wir auf keinen Fall umkehren, ohne es wenigstens versucht zu haben, und so starteten wir optimistisch. Obwohl es Anfang Juli war, wo die Nächte auch in Südnorwegen hell sind, war es durch die schweren Wolken am Himmel ganz schön dunkel. Die eine oder andere blaue Lücke im Grau ließ uns jedoch darauf hoffen, daß es weiter aufreißen würde.Galdhøpiggen
Gegen 01.00 Uhr begann es leicht zu regnen, und halb zwei trafen wir zu unserer Überraschung direkt unter der Svellnosi zwei leicht gekleidete Wanderer auf dem Weg hinunter. Das Wetter besserte sich keineswegs, ganz im Gegenteil, von nun an trieb uns nur noch der Wille an, die Lust war verflogen. Einige Nebelwolken legten sich um den Gipfel und gaben uns ein recht muffiges Gefühl im Magen. Alles ist nachts etwas unheimlicher als bei Tageslicht. Kurz vor drei Uhr nachts erreichten wir den Gipfel. Wir schossen ein paar Beweisfotos auf dem Gipfel (siehe Bild) und bekamen einige kurze nebelfreie Momente mit ein bißchen Aussicht. Da vom Sonnenaufgang nicht viel zu sehen sein würde, brachen wir ziemlich schnell wieder auf und begannen mit dem Abstieg. Als wir unten in Spiterstulen ankamen, begannen die ersten Vögel mit ihrem Morgenlied. 
Es folgten eine lange Fahrt nach Hause, ein schwerer und müder Tag auf der Arbeit, aber auch das schöne Gefühl, ein bißchen was Ungewöhnliches gemacht zu haben. 

 

 

 

KEILHAUS TOPP - 2355 METER

Der Keilhaus Topp ist ein Sekundärgipfel ca. einen Kilometer östlich vom Galdhøpiggen, den man auf dem Weg von Spiterstulen zum Galdhøpiggen passiert. Der Keilhaus topp hat einen Primärfaktor von 20 Höhenmetern.

 

 

 

SVELLNOSI - 2272 METER

Die Svellnosi ist ein Sekundärgipfel einen halben Kilometer östlich vom Keilhaus topp, über den man muß, wenn man von Spiterstulen auf den Galdhøpiggen geht. Die Svellnosi hat einen Primärfaktor von ungefähr 20 Höhenmetern.