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"Josten" nennen die Norweger kurz ihren
Jostedalsbreen, das eisgepanzerte Hochplateu zwischen dem
Nordfjord und Jotunheimen, dessen Gesamtareal ca. 490 km² beträgt. An seinen Seiten wälzen sich
etwa 50 Arme
zu Tal, und rund um ihn herum gibt es noch eine Menge anderer kleinerer bis
mittelgroßer Gletscher, zusammen die dichteste
Gletscherkonzentration des Landes. Deshalb hat diese
Region auch den Namen "Breheimen" - das Heim der
Gletscher - bekommen.
Der Jostedalsbreen ist mit Abstand Norwegens größter Gletscher -
und nicht nur das, er ist auch der größte des europäischen
Festlandes. Man muß bis Island oder Svalbard reisen, um größere
Eisflächen zu finden.
Der Jostedalsbreen hat in den letzten Jahrhunderten seine
Ausdehnung und Form dramatisch verändert und ist heute
ein in ca. 2000 mH liegendes, ziemlich ebenes Plateau, von
dem an den Seiten die steilen Arme herunterfließen, von
denen einige zu Norwegens allerberühmtesten
Touristenattraktionen zählen.
Nur an wenigen Stellen
ragen Felsgipfel aus dem Eis heraus, wie z.B. die
Lodalskåpa, die Brenibba und die Havald-Trede-Kette. All
diese Berge habens eins gemeinsam - sie sind so hoch, daß
die auch während der großen Eiszeiten (von denen es
im Laufe letzten rund 2,5 Millionen Jahre rund
40 gab) nie vom Eis bedeckt waren und damit das Urgestein
noch unangerührt auf ihren Gipfeln zu finden ist.
"Nunataker" werden solche Felseninseln im Eis
genannt.
Die Ursache dafür, daß hier, so weit westlich zum
Fjordland hin, ein so großer Gletscher liegt, liegt in erster Linie
am Klima. Der Jostedalsbreen ist ein Küstengletscher - er liegt am
Übergang vom Fjordland zum Gebirge, und die großen
Niederschlagsmengen (Steigungsregen und
-schnee) der Atlantiktiefsdruckgebiete fallen eben hier. Es
gibt noch andere Ursachen, die seit Jahrtausenden dazu beitragen,
diesen Gletscher (und all die anderen in
Breheimen) zu formen.
Eben, weil er ein Küstengletscher ist, wird er nicht von kalten
Temperaturen (wie Gletscher in polaren
Gebieten) oder großer Höhen (wie
z.B. der Gipfelgletscher des Kilimanjaro am Äquator),
sondern den großen Winterniederschlagsmengen genährt. Die
Schneemengen, die oben auf dem Gletscherplateau niedergehen, sind
enorm: im Laufe eines Winters können bis zu 10 m Schnee fallen.
Die Abschmelzung unten an den Gletscherzungen im Sommer ist
entsprechend hoch. Das verhältnismäßig milde Klima, das unten an
den Gletscherzungen herrscht, ist dafür verantwortlich, daß das Eis
schneller "fließt". Dazu kommt, daß viele der
Gletscherarme des Jostedalsbreen sehr steil sind. Steilheit und hohe
Fließgeschwindigkeit lassen Änderungen der Niederschlagsmengen auf
dem Plateau schon nach wenigen Jahren unten an den Gletscherzungen
sichtbar werden.
Rund um den Gletscher wird die Landschaft von tiefen,
steilen und fruchtbaren Tälern, Fjorden und kleinen
Landwirtschaftsparzellen geprägt. Diese grüne Idylle bildet einen
starken Kontrast zum Großgletscher, der nur wenige km entfernt liegt.
Doch auch der Jostedalsbreen selbst ist voller Kontraste: auf dem
Plateau endlos weite, weiße Flächen, die Assoziationen mit
arktischen Verhältnissen aufkommen lassen, und an den Kanten zu den
Tälern hinunter wilde, aufgesprungene und blauschimmernde Eisströme,
die den vielen Tausend Touristen jährlich verlockend ihre Zungen
entgegenstrecken.
Ausbreitung und Dicke:
Der Jostedalsbreen erstreckt sich auf ca. 60 km Länge in
südwestlich-nordöstlicher Richtung. Mit Ausnahme der beiden Nunatake
Lodalskåpa
(2083 m) und Brenibba
(2018 m) gibt es auf dem Gletscher keine höheren Punkte
als den Gletscher selbst. Etwa in der Mitte des Gletschers findet man
den Høgste
Breakulen, eine Gletscherkuppel, die sich bis 1960 mH
erhebt.
Man würde vielleicht vermuten, daß der Gletscher hier seine größte
Dicke habe, doch gerade unter den höchsten
Gletscher"buckeln" ist das Eis normalerweise nicht über 50
m dick. Sie entstehen dort, wo sich unter dem Eis Berggipfel
befinden. Radarmessungen haben nämlich erwiesen, daß das Terrain
unter dem Jostedalsbreen alles andere als flach und eben ist. Es
entspricht ungefähr dem Gelände um den Gletscher herum: mit
Bergrücken und tiefen Tälern, Seen und Flüssen. Die größten
Dicken des Eises hat man in der Region nordöstlich der Kjenndalskruna
(innerhalb des Krunebreen) und in den
oberen Teilen des Fåbergstølsbreen gemessen. An erstgenannter Stelle
ist das Eis bis zu 600 Meter dick! Im Durchschnitt rechnet man auf dem
Jostedalsbreen mit einer Eisdicke von 150-250 Metern.

Die Geschichte des Jostedalsbreen:
Eine Reihe Pollenfunde (Pollendiagramme, die
den Querschnitt der Pollenablagerungen im Laufe der Jahrtausende und
damit die Vegetationsgeschichte zeigen) in den Mooren in
den Gletschertälern rund um den Jostedalsbreen haben dazu geführt,
daß die Forscher heute mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die
Region, wo heute der Jostedalsbreen liegt, während einer
Wärmeperiode nach der letzten Eiszeit (vor
ca. 6000-7000 Jahren) eisfrei oder doch zumindest so gut
wie eisfrei war. Der Gletscher ist also nach dieser Zeit erneut
entstanden. Erst seit dem 17. Jhd. existieren detailierte
Aufzeichungen und Kenntnisse über den Jostedalsbreen. Wir wissen,
daß sich ab Mitte des 17. Jhds. für etwa 100 Jahre lang das Klima
verschlechterte, was ein enormes Wachsttum der Gletscher nach sich
zog. Diese Periode wurde später "die kleine Eiszeit"
genannt. Damals erreichte der Jostedalsbreen eine doppelt so große
Ausdehnung als heute und verursachte viele Unglücke und Katastrophen
für die unter dem Gletscher ansässigen Bauern. (Siehe
auch unseren Artikel über Naturkatastrophen
um den Jostedalsbreen).
Seit Ende der kleinen Eiszeit um 1750 bis heute, und da vielleicht
besonders während des 20. Jhds., hat sich der Gletscher
kontinuierlich zurückgezogen, nur von kleineren Zwischenvorstößen
unterbrochen. Die letzten 10 Jahre jedoch befinden sich die
Gletscherarme jedoch wieder auf dem Vormarsch (besonders an der
Westseite des Josten), und es stellt sich die Frage, ob dies nur ein
kurzzeitiger Vorstoß ist, der bald wieder von einem Rückzug
abgelöst wird, oder ob dieses Phänomen von längerer Dauer sein
wird.
Die meisten Experten sind der Meinung, daß der Gletscher als Folge
eines immer milderen Klimas immer weiter abschmelzen wird, und daß
das einzige, das diesen Prozeß aufhalten oder sogar umkehren kann,
die ebenfalls vorausgesagte Zunahme des Winterniederschlages
ist.
Gletscherarme:
Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Fläche des Gletschers
ausmachen, sind es die vielen Arme, die der Jostedalsbreen in die
Täler hinunterschickt, die die Touristen anziehen und uns das Eis in
tiefer Bewunderung betrachten lassen. Zusammen sind es rund 50 Zungen,
die die zum Teil abgrundsteilen Berghänge herunterkommen. Einige von
ihnen sind stumpf und kurz, andere lang und schmal, einige steil,
andere flach. Einige sind aufgesprungen, von unzähligen Spalten und
Eiswänden durchzogen und blauschimmernd, andere sichtlich schmutzig
und spaltenarm.
Ca. 20 dieser Gletscherzungen sind benannt, und eine Handvoll von
ihnen haben sich zu Touristenmagneten entwickelt. Von diesen sind der Briksdalsbreen
und der Nigardsbreen
die beiden größten Attraktionen.
Andere markante Gletscherarme des Jostedalsbreen sind an der Ostseite
der Bergsetbreen, Fåbergstølsbreen und Austdalsbreen, der Bøyabreen
und der Austerdalsbreen an der Südseite, und der Kjenndalsbreen, Bødalsbreen
und Erdalsbreen an der West- und Nordseite, um einige Beispiele zu
nennen.

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