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Moschusochsen
auf dem Dovrefjell
Der erste
Einbügerungsversuch in Norwegen fand 1927 auf der Insel Gurskøya in Sunnmøre
(die Gegend um Ålesund) statt und mißglückte. Auf dem Dovrefjell wurden
mehrmals Tiere ausgesetzt, und alle stammten aus Grönland. Die ersten zehn
Tiere wurden 1931 bei Hjerkinn ausgesetzt, 1938 folgten zwei weitere. Die Herde
formierte sich, verschwand jedoch während des Krieges.
Zwischen 1947 bis 53 wurden 27 Kälber aus Grönland auf dem Dovrefjell
ausgesetzt. 1953 waren nur noch zehn Tiere übrig, und diese sind der Ursprung
der jetzigen Dovre-Population sowie der "Filiale" in
Rogen-Femundsmarka.
In den nächsten 20 Jahren wurden auf dem Dovrefjell 154 Kälber geboren, und
1983 schätzte man die Population auf 36 Tiere. Nach dem Kalben im Jahre 1978
war die Zahl auf 51 Tiere angestiegen. Im Juli desselben Jahres jedoch wurden 12
Tiere von einem Blitz getötet, und die Zahl sank wieder auf 39 Tiere. Danach
nahm die Population wieder kräftig zu, und heute schätzt man sie auf 80-100
Tiere.
Die Population auf dem Dovrefjell ist sehr stationär und hält sich in einem
8x13 km großen Gebiet auf. Neben dem Blitzschlag 1978 und Auswanderungen halten
Unfälle die Zahl der Tiere gering. Einige wurden z.B. von der Dovrebahn
überfahren, andere starben nach einer Phosphorvergiftung in Verbindung mit dem
militärischen Übungsgelände bei Hjerkinn. Auch negative Effekte durch Inzucht
sind nicht auszuschließen. Generell ist der Nahrungszugang im Winter
entscheidend für die Größe der Population.
Die Tiere wurden
wahrscheinlich deshalb gerade auf dem Dovrefjell ausgesetzt, da die karge Natur
desselben derjenigen Ostgrönlands ähnelt und das das Gebiet dem Staat
gehörte. Die Weidegebiete der Tiere liegen innerhalb des Gebiets, das 1974 zum
Nationalpark erklärt wurde. Dieses teilen sich die Moschusochsen mit dem Wildrenstamm
des Dovrefjells.

Auswanderung
nach Rogen-Femundsmarka
1971 verließ eine
Gruppe von sechs Tieren (drei erwachsene Kühe, zwei Kälber und ein
zweijähriger Ochse) das Dovrefjell und wanderte ostwärts. Eine der Kühe ging
ihren eigenen Weg, und die fünf anderen ließen sich schließlich im nördlichen
Teil des Rogen-Gebietes nieder, dem schwedischen Anschluß an den Femundsmarka
Nationalpark. Hier wuchs die Population bis 1992 nach einigem auf und ab auf rund 20
Tiere an; der heutige Bestand ist uns nicht bekannt.
Das Gebiet
Rogen-Femundsmarka gehört zu der kargsten der skandinavischen
Fjellandschaften. Es besteht aus einigen höheren Bergrücken bis 1561 m Höhe,
deren Gestein schwer verwittert und eine nahrungsarme Grundlage bildet. Das
Bergplateau wird durch unzählige Seen und Moränerücken unterbrochen, mit dem
See Rogen als zentraler Punkt westlich des 70 km langen Femundsees.
Sind
Moschusochsen gefährlich?
Die Moschusochsen haben
zu Unrecht den Ruf erhalten, reizbar, aggressiv und angriffslustig zu sein. Das,
was die Moschusochsen von den anderen Tieren unterscheidet, denen wir
normalerweise in der Natur begegnen, ist, daß sie nicht immer flüchten,
sondern ihre Verteidigungsposition einnehmen. Wird die Herde provoziert, können
einzelne Tiere blitzschnell Ausfälle unternehmen und angreifen. Bislang sind
zwei Menschen in Norwegen von Moschusochsen getötet worden. Einzelne Tiere
suchen bei Gefahr Zuflucht im Terrain, bei Steinen, Büschen etc. Je offenener
das Terrain, desto leichter werden die Tiere unruhig. Die Tiere geben meistens
deutliche Warnzeichen, bevor sie einen eventuellen Angriff starten. Sie
schnauben und starten oft Scheinangriffe gegen Artgenossen. Zum Ritual gehört
auch, den Kopf mit nickenden Bewegungen gegen die Vorderbeine zu scheuern.
Der Respektabstand zu Moschusochsen beträgt 200 Meter. Sollte man
unbeabsichtigterweise näher gekommen sein, sollte man sich still und ruhig auf
sicheren Abstand zurückziehen. Da Moschusochsen ihre Kräfte nicht vergeuden,
warten sie lieber erst mal ab, statt anzugreifen. Hunde müssen im
Moschusochsengebiet an der Leine geführt werden, und wenn man mit Hunden
unterwegs ist, soll der Abstand zu den Tieren immer mindestens 500 m betragen, denn die Moschusochsen
reagieren auf sie besonders stark. In Schweden ist es verboten,
bewußt näher als 100 Meter an die Tiere heranzugehen.
Ab und zu werden Tiere
aus der Herde ausgestoßen oder sondern sich ab. Diese streifen oft weit über
das Stammgebiet hinaus und können dann unversehens in bewohnten Gegenden
auftauchen. Dort können gefährliche Situationen entstehen, wenn die Menschen
dem Tier zu viel Aufmerksamkeit schenken, die Vorsicht vergessen und evtl.
versuchen, das Tier zu verjagen. Werden die Tiere in Ruhe gelassen, verschwinden
sie dagegen meistens von selbst wieder.
Beobachtungstips
Die Moschusochsen des
Dovrefjells halten sich im
westlichen Teil des Nationalparks auf. Gegenüber der Kongsvoll Fjellstue an der
E6 starten zwei Wanderwege (einer unterhalb, einer oberhalb der Fjellstue) in
Richtung Reinheim-Hütte im Snøhetta-Gebiet. (Ein weiterer Wanderweg nach
Reinheim startet in Grønbakken, ca. 5 km südlich Fongsvoll, welcher südlich
der Kaldvella / Stropla entlangführt.) Man überquert die Driva, und bald
machen Hinweisschilder darauf aufmerksam, daß man das Reich der Moschusochsen
betritt und geben Verhaltensmaßregeln. Die wichtigste: Nie näher als 200 Meter
an die Tiere herangehen! Der Pfad steigt recht steil durch den Fjellbirkenwald
zum Hochplateau auf. Auf rund 1050 m Höhe betritt man das offene Fjell. Nach
rund 2-2,5 km (jenachdem welchen der beiden Wege man gewählt hat) treffen die
beiden Wege aufeinander, und nach weiteren rund zwei Kilometern tritt man
langsam in das Stroplsjødalen ein. Links unterhalb fließt nun die Kaldvella. Nun
sollte man öfter stehen bleiben und mit dem Fernglas systematisch die Hänge
nach Moschusochsen absuchen, denn man gelangt nun in das Gebiet um die
Hestgjeter-Hytta, in dessen grasigen Hängen die Tiere im Sommer oft weiden. Die
Chancen, sie rund um die Hütte (oberhalb am Hang oder unterhalb am Fluß) zu sehen, sind sehr groß.
Man denkt vielleicht: diese großen Tiere müssen ja in
der kargen Landschaft deutlich und von weitem zu sehen sein, doch sie gehen so
in der Landschaft unter, daß man u.U. nur durch Bewegungen oder Laute auf sie
aufmerksam wird. Deshalb: Aktiv und systematisch mit dem Fernglas Ausschau halten. So kann man auch eher unverhofften und unbeabsichtigten
"Nahkontakt" vermeiden.
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