Flora und Fauna im Fjell - Seite 2

Mittlere alpine Zone:


An die untere alpine Stufe schließt die alpine Tundra mit typischer Tundravegetation an. Diese Zone nennt man mittlere alpine Zone. Hier hört die Buschvegetation auf, und die Vegetation wird von alpinen Rasenmatten und kurzwüchsigen Zwergsträuchern wie Netz-Weide (Salix reticulata), Krautige Weide (Salix herbacea), Krähenbeere (und zwar Fjell-Krähenbeere Empetraceae nigrum hermaphroditum, eine Unterart der "normalen" Krähenbeere Empetraceae hermaphroditum), Bergheide (Phyllodoce caerulea), Alpen-Azalee (Loiseleuria procumbens), und Silberwurz (Dryas octopetala) dominiert. Die Humusschicht ist in diesem alpinen Gürtel auf Grund von Frostbewegungen weniger stabil, und Teile der Erdschicht "fließen" nach der Schneeschmelze und bei kräftigem Regen an den Berghängen abwärts (dieses Phänomen wird Solifluktion genannt). In dieser Höhenstufe kommen gelegentlich auch Steinblockfelder vor.
Die obere Grenze der mittleren alpinen Zone hin ist etwas fließend, doch wo die zusammenhängende Vegetation aufhört, bewegt man sich in die hochalpine Zone hinein. 
Die mittlere alpine Zone streckt sich im südlichen Norwegen von ca. 1.400 m bis ca. 1.800 m. In Nordnorwegen verläuft sie zwischen 500 bis 1.000 m, regional bis 1.500 m.

Die Vegetationsperiode dieser Höhenstufe ist extrem kurz. Charakteristische Pflanzen für die mittlere alpine Zone sind außer den oben genannten verschiedene Heiden (Ericaceen), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Braunspitziges Läusekraut (Pedicularis oederi), Moose und Flechten. Auch der Alpen-Ehrenpreis (Veronica alpina) wächst zwischen Steinen an windgeschützten Stellen. Für die moorigen und feuchten Gebiete dieser Höhenstufe ist vor allem das Scheuchzers Wollgras mit seinen großen, beinahe kugelrunden Blütenständen, welches in der mittleren alpinen Zone sehr häufig sein kann, zu nennen.
Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation lückiger. Hier findet man alpine Rasenmatten. Eine besonders schöne und lokal häufige Art, die hier vorkommt, ist die Frühlingskuhschelle (Pulsatilla vernalis; siehe Bild links), welche auf sonnigen Flecken bereits blüht, wenn der Schnee noch nicht ganz geschmolzen ist.

An Vögeln findet man hier vor allem Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria; siehe Bild ganz oben), Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) , Spornammer (Calcarius lapponicus) und Wiesenpieper (Anthus pratensis). Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus; siehe Bild unten) und Alpenschneehuhn (Lagopus mutus) trifft man ebenfalls an, auch wenn man beide auch in der hochalpinen Zone beobachten kann. 
An Raubvögeln sieht man hier am häufigsten den Rauhfußbussard (Buteo lagopus) hoch in der Luft nach Beute ausspähen. Diese besteht überwiegend aus Lemmingen und Fjellratten, aber auch aus Schneehühnküken. Ein typisch nordischer Vogel des Fjells von unterer bis mittlerer alpiner Zone ist die Falkenraubmöwe (Stercorarius longicaudus), deren sicherste Observationsregionen im zentralen Südnorwegen die Valdresflya und das Dovrefjell sind.
In wasserreichen und moorigen Regionen dieser Höhenlage gibt es oft einen erstaunlichen Reichtum an Watvögeln. Charakterarten sind Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Kampfläufer (Philomachus pugnax), Regenbrachvogel (Numenius phaeopus) und Großer Brachvogel (Numenius arquata). In kleinen Teichen kann das Odinshühnchen (Phalaropus lobatus)  zahlreich sein. 

 

An Nagetieren des Fjells sind Lemming (Lemmus lemmus) und Fjellratte (Microtus rattipes) oben bereits genannt worden. Eine andere typische Art ist der Schneehase (Lepus timidus). 

Die beiden gößten Tiere des Hochgebirges sind Rentier (Rangifer tarandus) und Moschusochse (Ovibus moschatus). Das Ren war eines der ersten Säugetiere, welches nach der Eiszeit zurück nach Norwegen wanderte, und durch Jahrtausende haben sich die Wildrenbestände auf der Hardangervidda und im Rondane gehalten. Der Moschusochse ist ein kleines, arktisches Wildrind, welches vor mehreren tausend Jahren in Norwegen heimisch war. Nach verschiedenen Wiedereinbürgerungsversuchen mit grönländischen Tieren hat sich nun ein kleiner, aber offenbar lebenstüchtiger Bestand im Dovrefjell etabliert.