An die untere alpine Stufe schließt die alpine Tundra mit typischer
Tundravegetation an. Diese Zone nennt man mittlere alpine Zone. Hier hört die
Buschvegetation auf, und die Vegetation wird von alpinen Rasenmatten und
kurzwüchsigen Zwergsträuchern wie Netz-Weide (Salix reticulata),
Krautige Weide (Salix
herbacea), Krähenbeere (und zwar
Fjell-Krähenbeere Empetraceae nigrum hermaphroditum,
eine Unterart der "normalen" Krähenbeere Empetraceae
hermaphroditum), Bergheide
(Phyllodoce caerulea), Alpen-Azalee
(Loiseleuria procumbens), und Silberwurz
(Dryas octopetala) dominiert. Die Humusschicht ist in diesem
alpinen Gürtel auf Grund von Frostbewegungen weniger stabil, und Teile
der Erdschicht "fließen" nach der Schneeschmelze und bei
kräftigem Regen an den Berghängen abwärts (dieses
Phänomen wird Solifluktion genannt). In dieser Höhenstufe
kommen gelegentlich auch Steinblockfelder vor.
Die obere Grenze der mittleren alpinen Zone hin ist etwas fließend,
doch wo die zusammenhängende Vegetation aufhört, bewegt man sich in
die hochalpine Zone hinein.
Die mittlere alpine Zone streckt sich im südlichen Norwegen von ca.
1.400 m bis ca. 1.800 m. In Nordnorwegen verläuft sie zwischen 500 bis
1.000 m, regional bis 1.500 m.
Die Vegetationsperiode dieser Höhenstufe
ist extrem kurz.
Charakteristische Pflanzen für die mittlere alpine Zone sind außer den oben
genannten verschiedene Heiden (Ericaceen), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum),
Braunspitziges
Läusekraut (Pedicularis oederi), Moose und
Flechten. Auch der Alpen-Ehrenpreis (Veronica alpina) wächst
zwischen Steinen an windgeschützten Stellen. Für die moorigen und feuchten
Gebiete dieser Höhenstufe ist vor allem das Scheuchzers Wollgras mit
seinen großen, beinahe kugelrunden Blütenständen, welches in
der mittleren alpinen Zone sehr häufig sein kann, zu nennen.
Mit zunehmender Höhe
wird die Vegetation lückiger. Hier findet man alpine Rasenmatten. Eine besonders
schöne und lokal häufige Art, die hier vorkommt, ist die Frühlingskuhschelle (Pulsatilla
vernalis; siehe Bild links), welche auf sonnigen Flecken bereits blüht,
wenn der Schnee noch nicht ganz geschmolzen ist.
An Vögeln findet man hier vor allem Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria;
siehe Bild ganz oben),
Steinschmätzer (Oenanthe
oenanthe) , Spornammer (Calcarius lapponicus) und Wiesenpieper (Anthus
pratensis). Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus; siehe
Bild unten) und
Alpenschneehuhn (Lagopus mutus)
trifft man ebenfalls
an, auch wenn man beide auch
in der hochalpinen Zone beobachten kann.
An Raubvögeln sieht man hier am
häufigsten den Rauhfußbussard (Buteo lagopus) hoch in der Luft nach
Beute ausspähen. Diese besteht überwiegend aus Lemmingen und Fjellratten, aber
auch aus Schneehühnküken. Ein typisch nordischer Vogel des Fjells von unterer
bis mittlerer alpiner Zone ist die Falkenraubmöwe (Stercorarius longicaudus),
deren sicherste Observationsregionen im zentralen Südnorwegen die Valdresflya
und das Dovrefjell sind.
In wasserreichen und
moorigen Regionen dieser Höhenlage gibt es oft einen erstaunlichen Reichtum an
Watvögeln.
Charakterarten sind Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Kampfläufer
(Philomachus
pugnax), Regenbrachvogel (Numenius phaeopus) und Großer Brachvogel (Numenius
arquata). In kleinen Teichen kann das Odinshühnchen (Phalaropus lobatus)
zahlreich sein.
An Nagetieren des Fjells
sind Lemming (Lemmus lemmus) und Fjellratte (Microtus rattipes)
oben bereits genannt worden. Eine andere typische Art ist der Schneehase (Lepus
timidus).
Die beiden gößten
Tiere des Hochgebirges sind Rentier (Rangifer tarandus) und
Moschusochse (Ovibus moschatus). Das Ren war eines der ersten
Säugetiere, welches nach der Eiszeit zurück nach Norwegen wanderte, und durch
Jahrtausende haben sich die Wildrenbestände auf der Hardangervidda und im
Rondane gehalten. Der Moschusochse ist ein kleines, arktisches Wildrind, welches
vor mehreren tausend Jahren in Norwegen heimisch war. Nach verschiedenen
Wiedereinbürgerungsversuchen mit grönländischen Tieren hat sich nun ein
kleiner, aber offenbar lebenstüchtiger Bestand im Dovrefjell etabliert.
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