Flora und Fauna der Küste - Seite 1

 

Einleitung:


Die norwegische Küste ist lang und sehr variiert. Sie reicht von den Schärengärten nahe der schwedischen Grenze und entlang der Südküste über das Fjordland mit seinen hohen, steil aus dem Wasser aufragenden Felswänden, bis hinauf nach Nordnorwegen und an die russische Grenze an der Barentsee. Die gesamte Festlandsküstenlinie ist rund 21.000 km lang - das ist einmal vom Nord- zum Südpol. Demzufolge ist die Küste ein prägendes Element der norwegischen Landschaft. 

Die norwegische Küste bietet Lebensraum für eine reiche Tierwelt, wo vor allem die Vögel eine herausragende Rolle einnehmen. Aber auch ein paar faszinierende Meeressäuger sind hier zu Hause.  

 

Vogelfelsen:


Wir widmen uns zuerst den Vögeln. Norwegen bietet hervorragende Vogelbeobachtungsplätze, darunter u.a. die  Vogelfelsen der Insel Runde südöstlich von Ålesund und die äußeren Lofoteninseln Røst und Værøy. Auch die Hauptinseln der Lofoten sind wichtige Brutplätze für seltene Arten.

Ein Vogelfelsen kann in verschiedene Stockwerke eingeteilt werden, von denen jede Vogelart ihre bestimmte "Etage" bewohnt.

Die untersten Etage, die Klippen im und am Meer, bewohnen die Krähenscharben (Phalacrocorax aristotelis) und die Gryllteiste (Cepphus grylle). Krähenscharben sind mit den Kormoranen verwandt und haben wie diese kein öliges Gefieder. Dies verbessert zwar die Taucheigenschaften, aber dafür müssen die Vögel nach jedem Tauchgang ihr Gefieder wieder trocknen, um ihre Flugfähigkeit zurückzuerlangen. Man kann sie oft auf den vorgelagerten, runden Klippen im Meer sitzen sehen, wo sie ihre Flügel wie Fächer ausgebreitet trocknen.
Die Gryllteise ist ein unverwechselbarer Vogel der norwegischen Küste, etwas kleiner als eine Trottellumme, mit schwarzem Gefieder, schwarzem Schnabel, leuchtend weißen Flügelflecken und knallroten Füßen. Er gehört zu den Alkenvögeln *). Über ihnen, ganz unten in den Steilwänden kleben die Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla, Bild links) ihre Nester dicht an die Felswand. Dies ist eine hübsche, kleine Möwe, die man an ihrem reingelben Schnabel und den schwarzen Füßen erkennen kann. Ihre obere Nachbarn sind wiederum die Trottellummen (Uria aalge), Dickschnabellummen (Uria lomvia) und Tordalken (Alca torda), drei weitere Vertreter der Alken, welche ihre Eier auf wenige Zentimeter schmalen Felssimsen ablegen. Damit die Eier nicht herunterfallen, sind sie birnenförmig. 
Die gänsegroßen Baßtölpel (Sula bassana) brüten auch in dieser Etage, benötigen jedoch etwas größere  Vorsprünge als die Trottellummen. Sie sind elegante Flieger und im  leicht am hellen Körper mit den schwarzen Flügelenden zu erkennen. Sie schießen kopfüber wie Pfeile ins Wasser, um Fische zu fangen. 
Die obere Etage, wo der Felsen von Erde bedeckt und mit Gras überwachsen sind, wird von den Papageientauchern (Fratercula arctica, Bild rechts), ebenfalls ein Vertreter der Alken, bewohnt. Hier graben sie ihre Bruthöhlen. Die Papageientaucher sind zweifellos die Hauptattraktion der Vogelfelsen, unverwechselbar mit ihrem schwarz-weißen Gefieder, den leuchtend dunkelorangen Füßen und dem großen, bunten Schnabel. Sie sind, wie der lateinische Name "arktisches Brüderchen", sagt, im Nordatlantik zu Hause. Sie leben die meiste Zeit des Jahres auf dem offenen Meer und kommen nur in der Brutzeit von Ende Mai bis ca. Ende Juli an Land.

*) Die Familie Alcidae, die Alkenvögel, denen außer Gryllteiste und Trottellummen auch die Tordalken, Papageientaucher und Krabbentaucher (siehe Seite 2) angehören, vertritt in der nördlichen Hemisphäre die Pinguine. Alken haben einen schwarzen Kopf und Rücken und eine weiße Vorderseite (Ausnahme: Bei der Gryllteiste sind nur die Flügelflecken weiß, und die Papageientaucher haben ein weißliches Gesicht mit schwarzem Oberkopf). Die Beine sitzen weit hinten am Körper, so daß sie an Land recht tolpatschig wirken und eine aufrechte Haltung haben. Die Flügel sind schmal und kurz, und der Flug ist schwirrend mit schnellem Flügelschlag. Beim Tauchen fliegen sie mit ihnen durch das Wasser und jagen den Fischen hinterher. Alken erreichen spät die Geschlechtsreife, können aber erstaunlich alt werden. Weltweit gibt es 22 Alkenarten, und alle brüten auf der nördlichen Halbkugel. Außer der Gryllteiste leben alle Alken die meiste Zeit des Jahres auf dem offenen Meer und kommen nur zum Brüten ans Land.