Die Hanse in Norwegen

Die Hanse war eine Art Handelsverbindung und -organisation der deutschen Küstenstädte (nach und nach wurden auch einige weiter im Hinterland gelegene Städte Mitglied). Es war sicherer und erfolgreicher, gemeinsam im Verbund zu fahren und organisiert zu handeln, als alles allein zu machen.

Die norwegische Stadt Bergen war ebenfalls eine Hansestadt und ihr Wahrzeichen ist bis heute die "tyske Bryggen", der deutsche Kai, die ehemalige Handelshochburg mit ihren langgestreckten, hölzernen Lagerhäusern, in denen im Mittelalter der Stockfisch, der von den Lofoten erhandelt wurde, zu Tausenden gestapelt wurde. Über diese Kontore lief ab ca. 1250 fast der gesamte Handel Norwegens. Ein Handel, der zunächst auf Grund von Sondervereinbarungen fast ausschließlich in den Händen deutscher Kaufleute lag, die von hier aus nicht nur den gesamten Raum bis Nordnorwegen (Stockfisch), Island und Grönland, sondern auch den Warenaustausch nach England, Dänemark und zu den norddeutschen Handelskontoren kontrollierten.

Zur Zeit der Hanse lebten sehr viele Deutsche in der Stadt, so daß Bryggen bald eine kleine Satadt in der Stadt wurde. Die Deutschen hatten Bergener Stadtrechte, d.h. sie durften Wohnhäuser mieten, mußten aber auch Steuern zahlen und im Kriegsfall Waffendienst leisten.

Die Bergener Kontore galten als harte Schule, und wer in Deutschland als Kaufmann Karriere machen wollte, mußte sich sein Lehrgeld in Bergen verdient haben. Die Kaufmannsgesellen durften nicht heiraten und ihr Alltag spielte sich in einer rauhen Männergesellschaft ab, in der strenge Aufnahmeregeln herrschten.

Ab dem 16. Jh. deutete sich der Niedergang des Kontors an. Die Handelshäuser wurden von Norwegern aufgekauft und das Kontor allmählich in das Wirtschaftsleben der Stadt integriert. Die Gemeinde übernahm den Kai Brygge. Im Januar 1868 wurde die Brücke eine öffentliche Straße. Trotzdem ist Bergen noch heute die wichtigste Handelsstadt an der Westküste.

1702 wütete in Bergen ein schlimmer Brand, und die Lagerhaus- und Kontorreihe der Brygge brannten vollständig ab. Sie wurden im Original wieder errichtet und stehen z.T. heute noch, 300 Jahre alt. Die Häuser in Richtung Torget aber wurden größer und aus Stein im Stil der Lübecker Hansehäuser wiederaufgebaut.