Die Wikinger

Die Wikinger herrschten in Europa zwischen ca. 800 bis 1050 n.Chr. Ihre große Zeit begann mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne an der englischen Ostküste im Jahre 793.

Gleichzeitig gibt es erste Meldungen von Angriffen fremder nordischer Männer von See auf andere europäische Orte. Größere oder kleinere Gruppen mit Schiffen griffen in den folgenden 200 Jahren überall in Europa Küsten an, segelten in Frankreich und Spanien die Flüsse hinauf, eroberten fast ganz Irland und große Teile Englands und setzten sich entlang der Ostseeküste und der Flüsse Rußlands fest.

Es gibt Berichte von Plünderungszügen im Mittelmeerraum und weiter östlich bis zum Kaspischen Meer. Diejenigen Wikinger, sie sich in Rußland niedergelassen hatten, versuchten sogar einen Angriff auf Konstantinopel, welches zu der Zeit Hauptstadt des oströmischen Reiches war.

Städtenamen zeugen von einer großen Wikingerbevölkerung in Nordengland mit dem Zentrum York.

Gegen 1000 fand der letzte Vorstoß statt: gen Nordamerika. Hier landeten einige Wikinger irgendwo zwischen Labrador und Manhattan, doch sie konnten ihre Siedlung nicht dauerhaft halten.

Die Wikinger sind als grausame Räuber und Banditen bekannt, aber sie hatten auch andere Eigenschaften: sie waren ausgezeichnete Schiffsbauer und Seeleute und ihre Führer tüchtige Organisatoren. Sie waren auch geometrisch und kartenzeichnerisch begabt. Ihre Burgen waren kreisrund und hatten 4 Quadranten, wobei sich die Häuser jeweils in der inneren Ecke jedes Quadranten befanden.

Die Wikinger kamen aus Norwegen, Schweden und Dänemark. Ihre Taktik waren Überaschungsangriffe. Sie kamen mit leichten Booten von See und zogen sich schnell wieder zurück, um erneut Stärke zu sammeln.

Die schwedischen Wikinger hielten sich östlich und kontrollierten die Wasserwege in der Ostsee und in Richtung Rußland. Die dänischen zogen weiter südlich, nach Friesland, Frankreich ( z.B. Normandie) und Südengland, während sich die Norweger gen Nordwesten hielten und Nordengland, Schottland, Irland und die meisten Atlantikinseln (Island, Grönland) eroberten.

Ihre Schiffe brauchten sie nicht nur für ihre Eroberungszüge und Handelsfahrten, sondern sie bildeten auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kolonisation, wenn ganze Familien mit ihrem ganzen Hab und Gut einschließlich Haustieren an Bord Kurs nahmen, um neues Land zu erobern.

Man hat viel über die Wikinger durch Grabfunde erfahren. Fast alle Mannesgräber beinhalteten Waffen wie Schwert, Schild, Speer und Pfeil und Bogen mit Köchern mit bis zu 24 Pfeilen. Das war die normale Waffenausstattung eines Kriegers. Die berühmten Helme mit Hörnern dagegen wurden nie unter echten Sachen aus der Wikingerzeit gefunden.

In Oslo kann man drei Schiffe im Wikingerschiff-Museum bewundern, die nach ihren Fundorten am Oslofjord benannt sind. Das Osebergschiff (siehe Bild links) wurde zu Beginn der Wikingerzeit, ca. 815-820 n. Chr., gebaut. Es war ein Grabschiff, und das Begräbnis war im Jahre 834. Das Schiff ist reich verziert und eher zierlich im Bau und war nur sehr eingeschränkt seetüchtig, sondern eher für Binnenfahrten zu gebrauchen. Das Gokstadschiff dagegen ist das robusteste und seetüchtigste der drei und war auch für Atlantikfahrten tauglich. Das Tuneschiff ist nur in Bruchstücken geborgen worden, und dieses Grab war geplündert, als man es fand. Die beiden letztgenannten Schiffe wurden um 890 gebaut und nach 900 begraben.

Die Schiffe, die für die Eroberungszüge der Wikinger gabut wurden, waren das Ergebnis von mehr als 1000 Jahren Entwicklung in den nordischen Gebieten. Die Schiffsbauer legten besonderen Wert darauf, immer leichte und elastische Schiffe zu bauen, die mit den Elementen Wind und Wasser zusammenarbeiteten, statt sie zu bekämpfen. In der späteren Wikingerzeit gab es reine Kriegsschiffe, gebaut für große Mannschaften und weite Fahrten, und reine Handelsschiffe, die einen großen Bauch besaßen, um mehr Lasten aufnehmen zu können. Die Manövrierfähigkeit spielte hier eine weniger große Rolle.

Gegen 1000 n. Chr. ebbten die Wikingerzüge ab. Die Wikinger wurden Christen und die Lehre tat sicherlich das ihre, um die Plünderungszüge zu bremsen. Die Handelsbeziehungen blieben bestehen, aber der Norden war nun ein Teil des christlichen Europas.

 

Auszüge zur Wikingerzeit aus unseren Nachrichten

27. April 2000 - Norwegisches Königspaar in den USA zum Gedenken der Entdeckung Amerikas durch die Wikinger vor 1000 Jahren
Zusammen mit den Vertretern anderer skandinavischer Länder, u.a. Island und Finland, ist das norwegische Königspaar Harald und Sonja in die USA gereist, um an den Arrangements zum Gedenken an die Eroberung Amerikas durch die Wikinger vor 1000 Jahren teilzunehmen. 

Freitag, 28.April: Am Freitag, den 28.04. war das norwegische Königspaar anläßlich der 1000-Jahrs-Feier der Landung der Wikinger in Amerika zu Gast im Weißen Haus. In Washington wurde im Smithsonian die Ausstellung "Wikinger: Die Sage des Nordatlantiks" eröffnet. Dabei waren u.a. auch Deligierte Schwedens, Dänemarks, Finlands und Islands anwesend. Die Ausstellung zeigt die Tatsache, daß die Norweger lange vor Columbus die amerikanische Küste erreichten. Clinton äußerte, daß die Überfahrten der Wikinger über die Meere heldenhaft gewesen seien: "Über den Atlantik nach Vinland (New Foundland) zu segeln war eine genauso erdbewegende und weitreichende Errungenschaft wie heute der Abschuß eines Spaceshuttles."

02. Mai 2000 - Gedenkfeiern für die Wikinger  auch in Kanada
Vom 20. Juli bis zum 4. August werden 14 Wikingerschiffe aus 7 verschiedenen Ländern aus dem kleinen Fischerdorf L'Anse aux Meadows auf Neufundland vor der Ostküste Kanadas segeln. Eins der Boote wird Mjøsen Lange aus Lillehammer sein, das einzige norwegische Teilnehmerschiff der Gedenkfeiern. Das Arrangement geschieht zu Ehren des 1000jähreigen Jubiläums der Landung Leiv Eirikssons in Kanada und der kurzen Konialisierung des neuen Landes durch die Wikinger, welches sie "Vinland" nannten.
L'Anse aux Meadows:
Dieses Fischerdorf liegt im Norden Neufundlands (der Name besagt: neu gefundenes Land) und hat nicht mehr als rund 50 Fischer. 1960 fand Helge Ingstad (ein norwegischer Abenteurer und Forscher) und seine Expedition hier Reste von Wikingerdörfern, und  1978 wurde L'Anse aux Meadows in die UNESCO-Liste der historisch wichtigen Stätten der Welt aufgenommen. Heute gibt es ein Museum in Verbindung mit Ingstads Funden und 2500 Touristen besuchen jährlich die Stätte.
Leiv Eiriksson:
Der wahrscheinlich erste Europäer, der vor ca. 1000 Jahren den amerikanischen Kontinent betrat. Die Norweger sprechen von Leiv gerne als Norweger, was die Isländer verärgert. Leiv war der Sohn Eiriks des Roten (Erik den Raude), des Entdeckers Grönlands. Erik machte sich in Norwegen unerwünscht und fuhr westwärts nach Island. Leiv wuchs also in Island auf, hat aber (wie die meisten Isländer damals) norwegische Vorfahren.  

02. Mai 2000 - Die Wikinger in der Times
In Verbindung mit den Gedenkfeiern für die Wikinger, an denen mehrere hervorragende Personen Skandinaviens (darunter das norwegische Königspaar)  teilnehmen, hat das Times Magazine einen längeren Artikel veröffentlicht, der die Wikinger aus einem neuen Blickwinkel betrachtet.  
"They earned their brutal reputation - but the Norse were also craftesmen, exploreres and democracy" - Sie verdienten ihren grausamen Ruf - aber sie waren auch geschickte Handwerker, Entdecker und Demokraten, schrieb die Times u.a. Über die Wikingerausstellung in Washington (siehe Zusatz zu den Nachrichten vom 27.04.) wird in der Zeitung, welche viel Platz in den Ausgaben der Woche dafür hergibt, um ein genaueres Bild der Wikinger zu zeichnen als die meisten Amerikaner haben, sehr detailiert berichtet.
Am Freidag (28.04) schlossen das norwegische Königspaar und die anderen skandinavischen Repräsentanten den Besuch in Washington mit einem Mittagessen im Weißen Haus ab, wobei Bill in sehr guter Laune waren und Späße machten. 
Clinton versicherte, daß die Skandinavier auch im Jahr 3000 in Amerika genauso willkommen wären wie sie es jetzt, 1000 Jahre nachdem Leiv Eriksson und seine Männer zur Küste Neufundland kamen, sind.