Die Stabkirche von Lomen

Eine der sechs Stabkirchen im Valdres (neben Hedalen, Reinli, Hegge, Høre und Øye) und Schwesterkirche der benachbarten Stabkirche von Høre, der sie in Größe und Form ähnelt. Sie liegt auf einer Anhöhe in Vestre Slidre an der östlichen Straßenseite der E16 im Ort Lomen.
Diese kleine Stabkirche wurde nach neueren Erkenntnissen wahrscheinlich um 1250 erbaut (was die Therorie um die Bedeutung der Runen in der Schwesterkirche Høre widerlegen würde), obwohl sie früher auf 1170-1190 datiert wurde. 
Sie wird von vier Säulen getragen. Der mittlere Teil steht heute noch intakt, und man nimmt an, daß die Kirche sehr ähnlich der ursprünglichen Torpo-Kirche aus dem Hallingdal war, mit einem Svalgang rund um das Hauptportal im Westen und das kleinere Südportal. Die kleine Apsis und der Svalgang (beide fehlen heute) wurden vermutlich im 14. Jahrhundert angebaut. Nach der Reformation kam der kleine Dachreiter dazu, und gegen 1750 wurde die Kirche komplett umgebaut. Dabei wurden die Außenwände nach außen versetzt, dorthin, wo vorher der Svalgang war, und das Dach erhöht, wobei die Dachetagen auf eine reduziert wurden. Wahrscheinlich war es während dieser Bauarbeiten, als das Holzdach gegen das heutige schiefergedeckte Dach ausgetauscht wurde. Die Apsis wurde abgerissen, und der Chor auf die heutigen Maße erweitert. Dadurch wurden die Proportionen total verändert, und die Kirche wirkt heute recht kastenförmig. 1797 und 1842 wurden erneut zwei Restaurationen vorgenommen. 1960 bot ein reicher Osloer Bürger viel Geld, um die Kirche zu kaufen und nach Oslo zu bringen. Glücklicherweise lehnte der damalige Kirchenrat dieses Angebot höflich ab. 1970 wurde sie zuletzt schonend restauriert.

Die Portale, der Chorbogen und die Säulenkapitelle sind reich mit Holzschnitzereien verziert, das Hauptportal zeigt die typischen kämpfenden Drachen, die mit Ranken verflochten sind. 
Zum Interieur gehört eine alte Truhenbank, ähnlich der Truhen aus dem Oseberg-Schiff von rund 850 (siehe Wikinger-Artikel) und einer Truhe, die gegen 900 auf Gotland gefunden wurde, weshalb man annimmt, daß sie etwa aus der gleichen Zeit stammt. Der kostbarste Gegenstand jedoch ist der Kopf einer Madonnenfigur, deren Körper zerstört wurde, sicher während der Reformation. 

Briefe und andere Dokumente zeigen, daß die Kirche die dunklen Jahrhunderte während der Pest über ständig in Gebrauch war. Sie wurde nur seltener erwähnt. 

Bekannt wurde die Kirche in Norwegen, als man den Wert ihrer alten Altardecke (wahrscheinlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert) erkannte, die zu einer Ausstellung in Oslo gegeben worden war. Sie wurde einbehalten, und eine kleine örtliche Webstube erhielt den Auftrag, die Decke für die Kirche nachzuarbeiten. Dadurch entwickelte sich ein Betrieb, der heute für große Teile Norwegens Kirchenwäsche webt. Er liegt ca. 1,5 km südlich der Stabkirche an der E16 und heißt Anny Marits Vevstogo. Hier werden wie in der Kirche im Sommer Führungen sowie eine Valdersche Kuchenspezialität und Handarbeiten zum Verkauf angeboten.