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Durch den Schiffsbau der
Wikingerzeit hatte sich das Bauen aus Holz in Norwegen zu einer Kunst
entwickelt, die in den Stabkirchen ihren absoluten Höhepunkt erreichte. Sie
sind zweifellos der bedeutendste Beitrag Norwegens zur internationalen
Architektur und Baukunst. Auch andere Länder Europas besaßen im Mittelalter
Holzkichen, doch keine von ihnen ist erhalten geblieben. Darum versucht man
hierzulande mit allen Mitteln, diese einzigartigen Zeugen der Vergangenheit zu
bewahren und zu schützen. Die Stabkirchen des größten und
aufwendigsten Typs (Säulen-Stabkirche, siehe weiter unten) erinnern mit ihrern gestaffelten
Dächern und den Drachenköpfen an Wikingerschiffe mit geblähten Segeln. Dies
ist sicher kein Zufall, denn erstens hatten sich die Norweger ihre ganzen
Kenntnisse über den Bau mit Holz über Jahrhunderte durch den Bau von Schiffen
erworben und mit den Wikingerschiffen perfektioniert, und zweitens wurden Schiffe damals als religiöse
Symbole verehrt. Obwohl der gewaltige Bauboom auf einen bei der Bevölkerung
bereits stark gefestigten Glauben schließen läßt, vermischen sich bei den
Stabkirchen heidnische Elemente aus der nordischen Mythologie auf einzigartige
Weise mit dem Christentum. Die Kirchen wurden immer etwas außerhalb des
Ortskerns und gern erhöht, teilweise an alten Kultstätten, errichtet. Die einsame Lage verstärkte
die Ehrfurcht der Gläubigen und verlieh den Kirchen etwas mystisches. Der Eingang
wurde klein gehalten, damit keine bösen Geister eindringen konnten, und
zusätzlich mit einer Geisterschwelle versehen. Man traute dem neuen Gott noch
nicht so richtig und wollte sichergehen, daß der Kirche und der Gemeinde nichts Böses
widerfahren konnte. Deshalb wurde das Dach mit Drachenköpfen geschmückt und
die Portale mit reichen, künstlerischen Schnitzereien verziert, die
normalerweise durch Ranken miteinander verflochtene Tiere, Schlangen und Drachen darstellen,
die im Kampf um Leben und Tod ineinander verschlungen sind. An einigen Kirchen
findet man auch Symbole der nordischen Mythologie wie Thors Hammer und
ähnliches. Schätzungsweise wurden zwischen 1150 und 1350 ca. 2000 Stabkirchen errichtet. Angesichts der dünnen Besiedlung Norwegens ist das eine Riesenleistung, denn es bedeutet daß pro Jahr ca. 10 Kirchen gebaut wurden (heute benötigt man für eine einzige Reproduktion mehrere Jahre)! Als Baumaterial wurde nur bearbeitetes Holz von erlesener Qualität verwendet. Die Bäume für die Stäbe wurden sorgfältig ausgewählt und dann aller Äste und der Rinde beraubt. So "geschält" stand der Stamm dann mehrere Jahre und reifte, bevor man ihn fällte. Man benutzte keinen einzigen Nagel oder Bolzen aus Metall - alles war aus massivem Kiefernholz. Es gibt verschiedene Typen von
Stabkirchen. Die gewöhnlichen Stabkirchen sind einfache und verhältnismäßig
kleine Bauten mit einem Schiff und schmalerem Chor (Beispiel: Eidsborg).
Noch einfacher sind die Langkirchen, bei denen Schiff und Chor meist ein gleich
breites Bauwerk unter einem Dach bilden (Beispiel:
Reinli). In einzelnen Fällen
war der Chor etwas schmaler (Bsp. Hedalen).
In diesen Kirchen war der Chor durch eine durchbrochene Wand vom Schiff
abgesetzt. Später entstand ein Kirchentyp mit einem Mittelschiff zwischen zwei
Säulenreihen und Seitenschiffen außerhalb der Säulen. Dieser größte,
dreischiffige Typ (sog. Basilika-Typ oder Säulen-Stabkirche) hat außer dem
erhöhten Schiff und dem schmaleren Chor auch noch eine runde Apsis. Beispiele
hierfür sind die Kirchen von Borgund, Lom,
Heddal, Gol,
Kaupanger
und Hopperstad. Von diesem
Typ sind insgesamt 15 Kirchen erhalten geblieben. Heute sind einige von ihnen so
verändert, daß man nicht mehr auf den ersten Blick erkennt, daß es
ursprünglich Basilika-Kirchen sind (Beispiel Øye,
Lomen, Flesberg). Zwei Skizzen *) sollen am Beispiel der Stabkirche von Borgund die typische, elementare Konstruktion veranschaulichen: Gegen 1800 gab es in Norwegen noch ca. 180
Stabkirchen. Leider fehlte jedes Verständnis für ihren historischen
Wert, so daß sie abgerissen und durch neuere, größere Kirchen ersetzt wurden
(Beispiele abgerissener Kirchen, von denen Aufzeichnungen und/oder
Konstruktionspläne existieren: Nes und Ål im Hallingdal, Hafslo und Årdal in Sogn, Grinaker in
Hadeland und die größte aller jemals gebauten Stabkirchen, die Kirche von
Stedje).
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