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  Ormtjernkampen Nationalpark
 

Dunkel und schwer steht der Nadelwald an der Ostseite des Berges Ormtjernkampen. Er ist geschlossen und geheimnisvoll, ob die Wintersonne ihr schräges Licht zwischen die Bäume wirft oder der violette Waldstorchschnabel am Waldrand leuchtet. Hier stehen Baumriesen, die mehrere Jahrhunderte haben verstreichen sehen. Erst wenn einer von ihnen fällt, öffnet sich der Wald und es gibt Licht und Lebensmöglichkeiten für die kleinen Nadelbäumchen, die geduldig im Schatten der großen gewartet haben. Da der Wald im Urzustand belassen wird, findet man ein wechselndes Waldbild mit einem Gleichgewicht zwischen jungen und alten Bäumen.

Der Nationalpark hat eine dreiecksähnliche Form mit einem Berg in jeder Ecke, von denen der Ormtjernkampen (1127 m) mit seinen steilen Felswänden und Steinblöcken der höchste ist. Nach Südosten hin mündet das Gelände in einen langen Bergrücken, der zum Bach Ormtjernbekken hin abfällt. Letzterer begrenzt den Park im Südosten. Entlang dieses Bergrückens und bei den steilsten Partien hinunter zum See Dokkvatnet (nordöstliche Parkgrenze) steht der schönste Urwald.
Zwischen dem Ormtjernkampen und dem Dokkampen (1124 m), welcher die nördliche Ecke markiert, liegt eine breite Senke mit großen Mooren, Schwingrasen und kleinen Seen, vermischt mit lockerem Moorbirkenwald. Diese offene Landschaft reicht bis zur Westgrenze des Parks. Im westlichen Ende liegt der steile Snæreskampen (1088 m).

Die Region hat ein alpines Klima mit kühlen Sommern und kalten Wintern. Die mittleren Sommertemperaturen variieren zwischen ungefähr 9 und 12°C, während die mittleren Temperaturen im Januar und Februar bei ca. -8°C liegen. Daß es nicht kälter wird liegt daran, daß die kalte, schwere Luft in die Täler nach Süden absinkt.
Der Niederschlag liegt im Jahr bei rund 720 mm. Zusammen mit den kühlen Sommern, die wenig verdampfen lassen, gibt dies ein recht feuchtes Klima. Dies erklärt auch die Moorbildung und die kräftige Flechten- und Moosvegetation. 

Im Quartär, unter der letzten Eiszeit, war die gesamte Region von einem großen Gletscher bedeckt. Unter dem Eis wurde viel Sand und Geröll abgelagert. Festen Fels gibt es deshalb eigentlich nur an steilen Abhängen und entlang von Bächen, wo der Sand im Laufe der Zeit weggewaschen wurde.
Die höchsten Berge bestehen im wesentlichen aus Sandstein, der der Vegetation wenig Nahrung gibt. In der breiten Senke zwischen dem Ormtjernkampen und dem Snæreskampen ist das Gestein variierter. Hier gibt es Gabbro, Phyllit und Schiefer, die beim Verwittern viel Nahrung für Pflanzen freisetzen. Dies sieht man deutlich entlang der Bäche oberhalb der Almen Ormtjernsetrene, wo viel Bachsteinbrech wächst, eine anspruchsvolle Pflanze, die sonst im Park fehlt.
Auf beiden Seiten des Berges Ormtjernkampen (gut versteckt im Birkenwald) gibt es einige Rinnen im Fels. Diese entstanden während der letzten Eiszeit durch Flüsse auf dem Eis, die plötzlich zwischen dem Eis und einer anstoßenden Felswand einen Ablauf fanden. An diesen Stellen wurde das Moränematerial weggespült, und als das Eis verschwand, blieben kleine Täler oder Rinnen zurück.

Die Vegetation des Nationalparks kann grob in drei Zonen eingeteilt werden: Der Fichtenurwald zuunterst, eine Fjellbirkenzone darüber und zuoberst eine alpine Zone mit offenem Fjell. An den Übergängen findet man Hochstaudenfluren und Zwergsträucher.
Die Unterwegetation im dunklem Fichtenwald ist von lichtscheuen Pflanzen geprägt, vor allem Heidelbeere. An steilen Hängen und entlang der Bachläufe ist es heller, und hier findet man Glockenblumen, Goldruten (Solidago virgaurea) und Siebenstern. 
In den südgewendeten Hängen, wo es am wärmsten und trockensten ist, wachsen u.a. Walderdbeeren, Himbeeren, Maiglöckchen (Convallaria majalis), Quirlblättriges Salomonssiegel (Polygonatum verticillatum), Schattenblümchen (Maianthemum bifolium) und Traubenkirsche (Prunus padus).
Im Birkenwald stehen an feuchteren Stellen Nördlicher Eisenhut (Aconitum septentrionale), Alpen-Milchlattich (Cicerbita  alpina) und Rote Lichtnelken.
Die Moorvegetation ist durchgehen arm und besteht aus Torfmoosen, Wollgras und Seggen.
Eine echte Rarität und sozusagen Wahrzeichen des Parks ist die Bärtige Glockenblume (Campanula barbata), die in ganz Skandinavien nur hier und in der umliegenden Region (Dokka, Etna und Gausdal) vorkommt. Ihre Blüten sind am Rand und innen behaart, daher der Name. Die nächstgelegenen Vorkommen liegen in den Alpen, Karpaten und den östlichen Sudeten. Es ist den Botanikern ein Rätsel, wie sie hierher gelangt ist und weshalb sie sich nicht weiter über Ostnorwegen ausgebreitet hat. 

Die abwechslungsreiche Landschaft bietet Lebensraum für ein reiches Tierleben. Außer dem Elch leben Fuchs, Hase, Hermelin und Eichhorn das ganze Jahr rund im Park. An Reptilien gibt es Eidechsen und Kreuzottern. 
Die alten Bäume des Parks bieten Nahrung und Wohnraum für viele Vogelarten. Spechte, Meisen, Drosseln, Rotkehlchen, Goldhähnchen, Erlenzeisig und Dompfaff sind die häufigsten. Im Birkenwald leben Bergfinken, Rotschwänze und Hänflinge. Birk- und Moorschneehühner variieren stark in der Zahl. Im Moor und an kleinen Seen dominieren Watvögel wie Rotschenkel und Grünschenkel und Enten wie die Krickente. In der Hochgebirgszone dominieren Wiesenpieper und Steinschmätzer.

Einige Schlüsseldaten über den Nationalpark:

Eingerichtet: 1968
Fläche: 9 km² Nationalpark 
Höhe: höchster Punkt: Ormtjernkampen (1127 m)
niedrigster Punkt: am Süsostende des Dokkvatnet (ca. 780 m)
Karten:

Von der Kartenserie M711 im Maßstab 1:50 000 benötigt man folgendes Blatt: 

1717 II - Synnfjell

Verwaltung: Gudbrandsdal Waldverwaltung, Lillehammer
Lage: Der Nationalpark liegt in der Kommune Gausdal in der Fylke Oppland

 


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