Zum Gletscherwandern benötigt außer der normalen
Wanderausrüstung einen Teil Spezialsachen, wie z.B. ein
Seil, um die Teilnehmer zu sichern (eine Seilschaft auf
Gletschertour sollte immer aus mindestens 4 Teilnehmern bestehen!), Eispickel, Steigeisen und
Gurt.
Weiterhin braucht man ein paar Schlingen, Karabiner und Sicherungsmittel für
Eis und Schnee, wie Eisschrauben und Schneeanker.
Fürs Eisklettern benötigt man
außerdem einen zweiten Eispickel (bzw. zwei
Spezialpickel) und einen Helm. Zusätzlich können einige mechanische Hilfsmittel aus der "Kletterbranche" wie Achter, Rücklaufbremse,
Seilrolle etc. nützlich sein. Für anspruchsvolle Gletscherwanderer oder
die, die es häufig tun, lohnt es sich u.U., in spezielle Gletscherstiefel zu
investieren. In jedem Fall enötigt man einen stabilen Bergstiefel mit
Befestigungsmöglichkeit für Steigeisen (für normales
Wandern auf dem Gletscher genügt Riemenbindung, für Eisklettern oder extremere
Touren sollte man Schuhe und Steigeisen für Kipphebelbindung haben). Mehr über praktische Aspekte beim
Gletscherwandern oder über Gletscher generell können Sie auf unseren Gletscherseiten
erfahren.
Seil:
Das Seil kann die lebensrettende Nabelschnur sein, wenn man
unvorhergesehenerweise doch mal in eine
Spalte fallen sollte (in Falle eines Sturzes muß der
Fallende dies den anderen unmittelbar durch einen lauten Zuruf zu verstehen
geben, damit diese nicht überrascht und mitgerissen werden, sondern sich sofort
gegenstämmen können). Ein durchschnittliches Gletscherseil ist ca. 50 m lang und aus Nylon oder
Perlon. Traditionelles Seil "aus alten Tagen" benutzt man heute wegen
der schlechten Elastizität und Strapazierfähigkeit nicht mehr zum Klettern
oder Gletscherwandern. Die Seiltypen, die für Gletscherwanderer am besten
geeignet sind, sind gekordelte Seile und Kernmantelseile.
gekordelte Seile:
Kordelseile werden hergestellt, indem man aus einzelnen Fasern, z.B. aus
Nylon, Garn spinnt. Dieses wird zu Kordeln gedreht und die Kordeln wiederum zu
Seil. Am gewöhnlichsten sind 3fach gekordelte Seile. Für gute Stabilität und Gleichmäßigkeit sind die Fasern,
das Garn und die Kordeln in jeweils entgegengesetzte Richtung gedreht.
Gekordelte Seile zum Gletscherwandern haben normalerweise eine Dicke von 10-12
mm. Der Hauptvorteil von gekordeltem Seil ist der wesentlich günstigere Preis.
Auch können eventuelle Schäden am Seil leichter entdeckt werden, und
gekordelte Seile nehmen nicht so viel Wasser auf wie unimprägnierte
Kermantelseile. Das Seil sollte aus Nylon oder Perlon sein. Solche Seile benutzt
man normalerweise nur zum Gletscherwandern und nicht zum Eisklettern (oder
Klettern), da sie lange nicht so elastisch wie Kernmantelseile sind, und beim
Eisklettern oder Klettern die Gefahr für einen heftigen Absturz recht groß
ist.
Kernmantelseile:
Heutzutage
verwendet man zum Klettern ausschließlich Kernmantelseile, und diese eignen sich auch
hervorragend zum Gletscherwandern. Kernmantelseile bestehen aus einem Kern von
mehreren tausend dünnen Fasern, die von einem beschützenden Mantel umgeben
sind. Der Kern ist das tragende Element des Seils. Kernmantelseile bekommt man
in Stärken zwischen 2 und 12 mm, wobei die dünnsten nur für Schlingen usw.
verwendet werden. Zum Gletscherwandern benutzt man Seil mit einem Durchmesser
zwischen 9 und 12 mm. Kernmantelseil ist ziemlich teuer, gleichzeitig aber die
einzige gute Alternative, wenn das Seil auch zum (Eis-)Klettern benutzt werden
soll. Man muß allerdings sehr aufpassen und das Seil sorgfältig auf
Steigeisenschäden überprüfen, denn man kann sehr leicht mit dem Steigeisen
auf das Seil treten und den Kern verletzen, ohne daß diese Schäden deutlich
sichtbare Spuren am Mantel hinterlassen. Ein imprägniertes Kernmantelseil saugt
weniger Wasser auf und hat eine höhere Elastizität als ein gekordeltes
Seil.
Generelles:
Wenn man das Seil nur braucht, um einander bei normalem Gletscherwandern zu
sichern, reicht ein gekordeltes Seil lange. Möchte man dagegen ein Seil zu
variierterem Gebrauch haben, z.B. zum Abseilen oder Eisklettern, braucht man
unbedingt ein Kernmantelseil.
Ein Gletscherseil sollte Belastungen von mindestens 23 400 N
(2400 Kp) aushalten. Kriterien, nach denen man ein Gletscherseil auswählen
kann, sind: Strapazierfähigkeit / Anzahl UIAA-Stürze (Stürze des
"Ersten", also Vorkletterers, die immer die längsten und entsprechend
seilbelastend sind), Elastizität, Knotbarkeit und
Wasserabsorbierungsfähigkeit.
Das Seil sollte regelmäßig auf evtl. Schäden untersucht und von Schmutz
befreit werden.
Seile können mit einem Schonwaschmittel bei bis zu
40°C gewaschen werden (selbstverständlich nicht in der
Maschine).
Markierungen am Seil sollten mit Tape oder Garn, und nicht mit Farbe oder
Chemikalien vorgenommen (diese können das Material beschädigen) und das Seil
trocken und dunkel gelagert
werden.
Seil sollte regelmäßig ausgetauscht werden: ein vielbenutztes mindestens 1x jährlich, ein wenig oder gar nicht
benutztes in Abständen von ca. bis zu 5 Jahren, wenn kein Zeichen von
Beeinträchtigung oder Materialermüdung (kann auch entstehen, wenn das Seil
völlig unbenutzt liegt) vorliegt. Überprüfen Sie das Produktionsdatum, wenn
Sie ein Kernmantelseil kaufen! Für Seil, welches lange auf Lager gelegen hat,
sollten Sie Rabatt bekommen oder es gar am besten gar nicht kaufen.
Eispickel:
Der
Eispickel ist einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände beim Gletscherwandern und ist zu einem
Symbol des Bergsteigens geworden.
Er wird als Spazierstock, zum stabileren Halt bekommen, zum Tritte hacken, als
Sicherungsmittel usw. benutzt. Der Schaft moderner Eispickel ist aus
Leichtmetall oder Stahl, während man früher Holz benutzte. Der Kopf ist in der Regel aus starkem Stahl und hat
vorn ein schwach gebogenes, breites Blatt und hinten eine lange Spitze mit Zacken
an der Unterseite.
Die Vorderseite benutzt man zum Tritte hacken oder um
Schneeanker einzuschlagen etc., während man mit der Hinterseite Halt
im Eis bekommt (dafür die Zacken).
Für normales Gletscherwandern, wo der
Eispickel in der Regel als Wanderstock oder zum Testen der Haltbarkeit von
Schneebrücken benutzt wird, sind lange Eispickel
(70-90 cm) am praktischsten. Braucht man ihn dagegen zum Eisklettern oder zum Passieren steiler
Gletscherfälle, ist das Hacken mit einem kürzeren Eispickel (45-70 cm) einfacher. Zum Eisklettern bekommt man
Spezialeisäxte (ziemlich teuer),
die leichter vom Eis wieder loszukriegen sind (das
verringert den Krafteinsatz und verbessert das Gleichgewicht und den Halt an der
Eiswand) als normale Eispickel.
Eine gute Eisaxt sollte auch einen am Schaft befestigten Handriemen und Löcher
zum Befestigen von Karabinern haben (so daß man sie zur Sicherung benutzen
kann).
Gurte:
Zum
Gletscherwandern benutzt man oft einen Komplettgurt, der etwas einfacher und
weniger aufwenig als ein Klettergurt verarbeitet ist, weil er in erster Linie sicherheitshalber gedacht
ist und unter normalen Umständen so gut wie nie gebraucht wird. Man kann
natürlich auch einen komfortablen Sitzgurt benutzen, evtl. in Kombination mit
einem Brustgurt.
Bei einfacheren Touren, wo die Wahrscheinlichkeit, in eine
Gletscherspalte zu fallen, äußerst gering ist, kann man abwägen, ob ein
Brustgurt ausreicht. Dieser ist zwar viel unbequemer, wenn man doch in ihn zu hängen
kommen sollte, tut's aber in der Regel auch. Das Seil um den Bauch zu binden, ist
gefährlich (innere Verletzungs- und
Abschnürungsgefahr beim Fall); das sollte man auf keinen Fall tun!
Steigeisen:
Für einfache, flache Gletscherpassagen kann mit einem Paar Grödel
(Steighilfen) auskommen. Ansonsten sollte man auf Gletschertouren generell Steigeisen haben. Die meisten haben 10 oder 12 Zacken, wobei die 12-zackigen
am universellsten einsetzbar sind. Der Unterschied ist oft, daß bei
10-zackigen Steigeisen alle Zacken nach unten zeigen, während 12-zackige zwei
oder vier sog. Frontzacken haben, die schräg nach vorne zeigen. In steilem Eis gibt dies
einen besseren Halt und ist demnach auf
Gletschertouren, auf denen auch Wände bezwungen werden müssen, ein großer
Vorteil (beim Eisklettern ein Muß).
Ansonsten besteht ein Steigeisen aus einem verstellbaren Metallrahmen (an verschiedene Schuhgrößen
anpaßbar), sowie Riemen und/oder Kipphebel (Schnellverschluß), um die Steigeisen am Schuh zu befestigen.
Schlingen:
Schlingen benutzt man in erster Linie zwischen dem Sicherungsmittel und
dem Hauptseil. Sie werden aus Stoffband, welches speziell zu diesem Zweck
hergestellt ist, oder aus statischem Spezialseil von 6-8 mm Stärke gefertigt.
Bandschlingen kann man fertiggenäht in verschiedenen Längen kaufen.
Seilschlingen können außerdem als Seilbremse eingesetzt werden.
Karabiner:
Karabiner
sind Metallringe mit einem gefederten Verschlußarm / Schnapper, durch welchen
man ihn auf einer Seite öffnen kann. Sie sind ausnahmslos aus
Leichtmetall, weil Stahl zu schwer ist.
Karabiner unterscheiden sich untereinander an drei Punkten: Bruchstärke, Form
und Schließmechanismus. Karabiner mit größerer
Bruchstärke sind besser als solche mit geringerer, aber alle, die UIAAs Festigkeitswert-Norm erfüllen, sind
unter normalen Umständen mehr als ausreichend.
Die gebräuchlichsten Karabinerformen sind oval und
D-förmig. Letztere sind oft etwas billiger und zum Gletscherwandern völlig
ausreichend.
Zur Verbindung zwischen Seil und Gurt und an anderen kritischen Punkten sollte man
immer Karabiner mit Schaubverschluß benutzen. Einfachere Karabiner haben keinen
Sicherheitsverschluß und können theoretisch von allein aufgehen. Dieses Risiko
wird mit einem Schraubkarabiner vermieden.
Sicherungsmittel:
Es
gibt drei Typen Sicherungsmittel, die für das Gletscherwandern in Frage kommen:
Eisschrauben, Schneeanker und Eis-/Schneebolzen, wobei die letzteren nicht
mehr besonders gebräuchlich sind.
Auf dem Eis benutzt man Eisschrauben: eine röhrenförmige Schraube von 13-30 cm
Länge, die man in das Eis hineinschraubt, und die eine sichere
Befestigung bietet. Gute Eisschrauben sind teuer, aber es gibt auch billigere
Varianten, die zum Abseilen o.ä. ausreichen (im
Allgemeinen lassen sich
teure Eisschrauben besser einschrauben als billigere).
Schneeanker benutzt man zur Lawinenrettung und zum Sichern in Schneefeldern. Sie
können hervorragenden Halt geben, sind aber sehr abhängig von der richtigen
Schneequalität (schwerer, nasser und kompakter Schnee verleiht den besten
Halt).
Eisbolzen können eine Alternative bzw. Ergänzung zu Eisschrauben sein, während
Schneebolzen Schneeanker ersetzen bzw. ergänzen können, wenn
der Firn/das Eis zu weich für eine Eisschraube ist.
Helm:
Bewegt man sich an Stellen, wo die Gefahr besteht, daß Eisformationen
über einem herunterbrechen können oder wo man im Eis ein bißchen klettert, sollte man
immer einen Helm tragen. Ein Kletterhelm ist das beste, aber ein Fahrradhelm
tut's auch.
Spezialschuhe für den Gletscher- und extremen Bergeinsatz:
Gletscherstiefel sind schwerer und solider als normale Bergstiefel. Sie haben
eine fixierte Sohle, mit der man sich auf Zehenspitzen abstützen kann, ohne daß
sich der Zehenbereich biegt (bei Bergstiefeln der Fall,
was die Gefahr, in der Eiswand und beim Gehen die Steigeisen zu verlieren,
erhöht), und sind aus dickem Leder oder Plastik (letzreres
setzt sich mehr und mehr durch). Plastikstiefel haben zudem den Vorteil, daß sie wasserdicht
sind (für den Einsatz auf dem Gletscher sehr wichtig),
und demzufolge natürlich auch den Nachteil, daß sie nicht atmen. Sie sind
selbstverständlich
steigeisenfest (Kipphebelbindung) und haben eine sehr rutschfeste
Sohle für den Anmarsch über felsiges Terrain. Ein zusätzløicher Vorteil ist
die bessere Isolation gegenüber Lederstiefeln, was vor allem beim Einsatz in
großen Höhen Erfrierungen vermeiden kann.