Praktische Tips zum Wandern

Auf dieser Seite haben wir ein paar generelle Regeln und Tips zum Thema Wandern und Aufenthalt in der freien Natur gesammelt.

Für Informationen oder Tips, die direkt mit Ausrüstung zusammenhängen, siehe unsere Ausrüstungs-Seiten

 

Themen:

Überqueren von Flüssen
Die 9 Regeln für das Wandern im Fjell
Lagerfeuer machen
Wetter und Wetterzeichen
Minimum Impact Code
Jedermannsrecht

 

Überqueren von Flüssen:

Flüsse zu überqueren birgt oft ein Risiko. Es hat auch in Norwegen schon Todesunfälle in Verbindung mit Flüssen gegeben, entweder beim Versuch, sie zu überqueren oder daß man schlicht unfreiwillig hineingefallen ist. An vielen Stellen haben der DNT und andere Brücken gebaut und Bretterkontruktionen ausgelegt, die das Überqueren zu einer leichten Übung machen, selbst wenn viele finden, daß es spannend genug ist, 10 m über den schäumenden Wassermassen über eine schwankende Hängebrücke zu gehen. Wenn man dagegen außerhalb markierter Wege unterwegs ist, passiert es oft, daß plötzlich ein Fluß im Weg ist. Gibt es keinen anderen Ausweg, als ihn zu überqueren, muß man in jedem Fall dafür sorgen, daß es sicher geschieht. Am stärksten sind die Wassermassen während der Schneeschmelze. Dies variiert natürlich von Ort zu Ort, aber im Gebirge und in den Wasserläufen, die viel Schmelzwasser aus dem Gebirge führen, sind Mai, Juni und Anfang Juli normalerweise die Monate mit der höchsten Wasserführung. Später im Sommer ist in der Regel weniger Wasser in den Flüssen.  

Seien Sie vorbereitet:
Nehmen Sie ein extra paar dicke Wollsocken für Flußüberquerungen mit, und besorgen Sie sich am besten einen Wanderstab, auf den Sie sich beim Überqueren stützen können. Außerdem sollte man ein Seil dabeihaben, wenn man weiß, daß man evtl. schnellfließende Flüsse überqueren muß. Normalerweise hat man auf einer Wanderung keinen Helm mit, aber ein Helm kann Sie retten, wenn Sie ausrutschen und mit dem Kopf auf einen Stein schlagen sollten. Eine dicke Wollmütze o.ä. kann ebenfalls bei einem Fall den Schlag gegen den Kopf reduzieren. Lesen Sie im voraus die Karte und studieren Sie, wo Sie Flußüberquerungen umgehen können und wo man unumgängliche Flüsse wahrscheinlich am besten überqueren kann. 

Das Überqueren an sich:
Viele kleine Flüsse und Bäche kann man trockenen Fußes überqueren, indem man von Stein zu Stein geht / springt. Denken Sie daran, daß nasse Steine sehr glatt sein können (besonders in Gletscherflüssen), und daß man leicht ausrutschen und fallen kann. Ein Fall kann ernste Folgen haben: Beinbruch, Schlag an den Kopf - und im schlimmsten Fall dadurch Bewußtlosigkeit und Ertrinken - etc. 
Wenn man den Fluß dort, wo man sich befindet, nicht sicher auf Steinen überquert werden kann, kann man flußaufwärts nach besseren Stellen suchen (normalerweise wird es einfacher, Flüsse weiter aufwärts zu überqueren). Studieren Sie die Karte: gibt es Stellen, wo sich der Fluß z.B. in mehrere kleinere Läufe aufteilt? An solchen Stellen kann es leichter sein, hinüberzukommen. Man kann auch auf der Karte sehen, wo der Fluß wahrscheinlich ruhiger fließt. 
Wenn es ganz eindeutig ist, daß man nicht auf Steinen über den Fluß hinüberkommt, muß man ihn durchwaten. Generell durchwatet man Flüsse dort, wo sie am breitesten und flachsten sind, weil dort die Strömung am geringsten ist. Gehen Sie immer schräg gegen die Strömung, dann haben Sie bessere Kontrolle. Bei einigen Flüssen kann man die Schuhe ausziehen, aber man sollte nie barfuß gehen, da man so am schnellsten ausrutschen und sich verletzen kann, zusätzlich daß alles naß wird. Behalten Sie ein paar dicke Wollsocken an, diese geben eine gute Haftung auf den Steinen (evtl. hat man auch ein paar Teva-Sandalen im Gepäck) und schützen gleichzeitig etwas gegen das oft eiskalte Wasser. Bei schwierigeren Flüssen sollte man unbedingt die Wanderschuhe anbehalten, da sie eine viel bessere Stabilität auf den oft losen und kippligen Steinen bieten. Ein Wanderstab kann von unschätzbarem Wert sein, wenn die Wassermassen gegen einen strömen und einen umzuwerfen drohen. Bei wirklich gefährlichen Flußüberquerungen sollte man mit einem Seil gesichert sein. Überqueren Sie nie einen schwierigen Fluß allein! Wenn man nicht durch ein Seil gesichert ist und fühlt, daß die Wassermassen dabei sind, einen mitzureißen, muß man versuchen, so schnell wie möglich zurück in flacheres Wasser zu kommen. 
Flüsse zu durchwaten ist oft eine eiskalte Erfahrung, aber man bekommt beim Weitergehen in der Regel die Wärme recht schnell zurück.  

 

Die 9 Regeln für das Wandern im Fjell ("Fjellvettreglene"):

In Norwegen wird jedes Ostern, wenn unzählige Norweger mit ihren Skiern gen Gebirge aufbrechen, im Fernsehen auf diese Regeln hingwiesen. Die meisten, die öfter draußen in der Natur sind, sehen den Sinn in diesen Regeln und befolgen sie beinahe unbewußt. Wenn man wenig Erfahrung mit Bergtouren und ähnlichen Aktivitäten hat, ist man gut beraten, wenn man die Regeln unterwegs immer im Hinterkopf hat. Im äußersten Fall kann das Leben retten. Aber selbst wenn es gut ist, diese Regeln "mit zu haben", gibt es keinen Zweifel darüber, daß das allerwichtigste eine gesunde Vernunft ist, kombiniert mit dem Wissen um Gefahrenmomente.  

  1. Gehen Sie nicht auf eine lange Tour ohne Training
    Die Wahl des Terrains, der Länge und Schwierigkeit der Tour sollte der Erfahrung und der physischen Form, die man hat, entsprechen. Trainieren Sie evtl. vor der Tour. Gehen Sie vor einer Skitour im Gebirge oft auf Skiern. Gewöhnen Sie sich daran, in allem möglichen Wetter draußen zu sein und üben Sie das Essenzubereiten draußen oder das Zeltaufschlagen, wenn Sie fühlen, dafür Bedarf zu haben.

  2. Melden Sie jemandem, wohin Sie gehen
    In Norwegen ist es Volksbrauch, jemandem Bescheid zu sagen, wohin man geht und wie lange man etwa unterwegs sein wird. Dies ist außerdem ein Sicherheitsfaktor für den Fall, daß etwas passiert. 
    Denken Sie dabei aber daran, daß leicht Mißverständnisse entstehen können, die u.U. zu teuren, völlig unnotwenigen Suchaktionen führen. Rechnen Sie eine Sicherheitsspanne mit in die Zeit ein, so daß keine Suchaktion ausgelöst wird, nur weil Sie etwas verspätet waren oder unterwegs Ihre Pläne geändert haben, und geben Sie in den Hütten immer alle vollständigen Namen Ihrer Truppe an. 

  3. Zeigen Sie Respekt vor dem Wetter und der Wettervorhersage
    Hier ist es ein unbedingter Vorteil, viel Erfahrung vom Gebirge zu haben, denn dort trifft die Wettervorhersage oft nicht zu. An Tagen, wo Superwetter vorhergesagt ist, wird es mittelmäßig, und Tage, die als schlecht vorhergesagt waren, entwickeln sich ganz brauchbar. Wenn allerdings Sturm und Unwetter vorhergesagt sind, sollte man darauf Rücksicht nehmen. 
    Niederschlag und Wind sind viel gefährlicher um die 0°C oder direkt darüber als bei niedrigeren Temperaturen, und man sollte immer auf Unwetter vorbereitet sein, auch an Tagen, wo das Wetter äußerst vielversprechend aussieht. Lesen Sie hierüber auch unter Wetter und Wetterzeichen.

  4. Hören Sie auf erfahrene Bergwanderer
    Dies ist eine gute Regel, aber wer hat Erfahrung? Die Wirte der Berghütten haben in der Regel viel Erfahrung oder kennen Leute, die sie haben. Es können Dinge wie lawinengefährliche Stellen, besonders gefährliche Gletscherpartien oder Gipfelrouten sein, wo es nützlich ist, vorher jemanden darüber zu befragen, bevor man losgeht. 

  5. Seien Sie selbst auf kurzen Touren gegen Unwetter und Kälte gerüstet. Nehmen Sie immer einen Rucksack und entsprechende Ausrüstung für eine Wintertour im Gebirge mit. Längere Wintertouren (oder solche abseits frequentierter Loipen): niemals ohne Schneespaten + Schlafsack!  
    Man sollte immer mental darauf vorbereitet sein, daß das Unerwartete passiert, z.B. daß man sich eine Nacht im Schnee eingraben oder unter einem Felsvorsprung übernachten muß. (Siehe auch Notbiwak und Schneehöhle). Siehe auch die Ausrüstungslisten für längere Sommer- und Wintertouren.

  6. Denken Sie an Karte und Kompaß
    Je mehr man sich im Gebrauch mit Karte und Kompaß übt, desto besser ist es. (Siehe auch die Orientierungsseiten). Halten Sie den Kompaß sie immer bereit und folgen Sie auf der Karte mit, wo Sie sich zu jedem Zeitpunkt befinden, auch bei gutem Wetter - das übt gut, und so weiß man auch immer, wo man ist, falls der Nebel plötzlich über einen kommen sollte. Karte und Kompaß sollten immer irgendwie am Körper befestigt sein, falls Wind aufkommt (z.B. in einer Kartentasche, die man um den Hals hängen hat). Wenn eins von beiden weggeweht wird, ist man ziemlich hilflos. Studieren Sie am Abend vorher oder morgens vor dem Aufbruch die Route nochmals sehr genau.

  7. Gehen Sie nicht allein
    Dies ist eine Regel, mit der viele nicht ganz einig sind. Wenn man unerfahren ist ja, aber ansonsten kann man sehr gut allein gehen, wenn man jemandem Bescheid sgat, wo man gehen will und wie lange man wegbleibt. Soll man zu Hause bleiben, nur weil man niemanden hat, der mit einem mitgehen möchte? Oder was ist mit der Freiheit, der Ruhe oder dem besonderen Gefühl des Nahkontaktes zu der Natur, welches man bekommen kann, wenn man allein unterwegs ist? Wenn man vorsichtig ist und mitdenkt, ist es recht unwahrscheinlich, daß etwas passiert. Und wenn man Bescheid gesagt hat, wo man sich in etwa befindet, wird nach einem gesucht werden. Es ist viel gefährlicher, sich hinters Steuer eines Autos zu setzen, als mit ausreichend Erfahrung allein auf Bergtour zu gehen. Und die meisten setzen sich ohne Bedenken hinters Steuer, oder?

  8. Kehren Sie rechtzeitig um. Umzukehren ist keine Schande!
    Es sollte die Tour an sich sein, das Draußen-in-der-Natur-sein, das das Ziel an sich ist, und nicht der Gipfel oder von A nach B zu kommen. Man muß jederzeit im Hinterkopf haben, wie weit es zurück ist und die Wetterentwicklung abschätzen. 
    Wenn man z.B. ein Drittel einer geplanten Skitour im Gebirge hinter sich hat und eine Verschlechterung des Wetters es bereits schwierig macht, vorwärts zu kommen, sollte man überlegen, ob das Wetter nicht vielleicht noch schlechter werden kann und ob es nicht sicherer ist, ein Drittel des Weges zurückzugehen, als zwei Drittel zum Ziel erzwingen zu wollen. 
    Ein anderes Beispiel: Will man einen Gipfel besteigen, aber die Verhältnisse sind widrig (durch Eis oder Nässe glattes, schlüpfriges Gestein, Nebel auf einer schwierigen Route etc.) und machen das Unternehmen riskant oder vielleicht sogar lebensgefährlich, ist es besser, umzukehren. Der Gipfel läuft einem nicht weg, und man kann in besserem Wetter wiederkommen!

  9. Sparen Sie Kräfte und graben Sie sich im Winter im Schnee ein, wenn notwendig.
    Starker Wind, schlechte Schneeverhältnisse zum Skilaufen und Kälte zehren an den Kräften. Versuchen Sie, gleichmäßig zu gehen und die Kräfte einzuteilen. Man sollte regelmäßig trinken, selbst wenn man dazu bei dem Wetter keine Lust hat. Vergessen Sie auch das Essen nicht; auf einer Tagestour müssen Sie mindestens eine Essenpause einlegen. Energiebomben wie Nüsse und Schokolade spart man auf bis man sie wirklich nötig hat, und ißt sie nicht schon zu Beginn der Tour. Machen Sie keine Touren, die Ihnen unter guten Wetterverhältnissen alles abverlangen würden; Sie brauchen immer Kräfte für unverhergesehene Verschlechterungen der Verhältnisse, besonders im Winter.

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