Gebietsinformation Dovrefjell Seite 1
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| Inhalt: |
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| Einleitung: |
Das Dovrefjell hat einen speziellen Platz in der norwegischen Kultur und Natur. Eins der bekanntesten Musikstücke des norwegischen Komponisten Edward Grieg heißt "I Dovregubbens hall" ("In der Halle des Bergkönigs", Peer-Gynt-Suite 1; der Dovregubben ist der mächtigste der norwegischen Trolle und lebt auf dem Dovrefjell), und die Männer zu Eidsvoll sagten nach der verfassungsgebenden Versammlung im Jahre 1814 (siehe auch Geschichte) die berühmten Worte "Enige og tro til Dovre faller" ("Einigkeit und Glauben bis Dovre fällt"). Geografisch hat das Dovrefjell eine besondere und sehr zentrale Position in Norwegen. Es liegt an der Wasserscheide zwischen Ost und West und bildet im Grunde auch einen Grenzposten zwischen Süd und Nord. Auf dem Dovrefjell steht der höchste Berg Norwegens außerhalb Jotunheimens, die Snøhetta mit ihren 2286 m, die lange für den höchsten Berg des Landes gehalten wurde. Hier auf dem Dovrefjell findet man eine sehr reiche Flora mit mehreren seltenen und teils uniken Arten. Auch das Tierleben Dovres ist etwas besonderes - zusammen mit dem angrenzenden Gebiet Skrymtheimen ist es das einzige mehr oder weniger intakte Hochgebirgsökosystem Europas, wo Wildren, Vielfraß und Polarfuchs eine zentrale Rolle der Nahrungskette einnehmen. Man findet jedoch nit nur Idylle auf dem Dovrefjell. Das Militär hat
große Areale beschlagtnahmt, wo regelmäßige Schieß-, Granaten- und
Flugübungen stattfinden. Bei Hjerkinn liegen Bergwerke und die
vielbefahrene Verkehrsader zwischen Süden und Norden, die E6, und die
Eisenbahn führen mitten durch das Gebiet.
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| Geologie: |
Der Gesteinsgrund des Dovrefjell verteilt sich hauptsächlich auf zwei verschiedene Gesteinskomplexe. Die ältesten Gesteine, die aus dem Präkambrium stammen und mehr als 600 Millionen Jahre alt sind, findet man in den westlichen Gebieten, während das Gestein im Osten jünger ist und hauptsächlich aus Sedimentgesteinen besteht, die in den Erdzeitaltern Kambrium, Ordovicium und Silur (vor 400-600 Millionen Jahren) abgelagert wurden. Dieses Gebiet nennt man übrigens Trondheimsfeld. Diese Sedimentgesteine im östlichen Teil des Dovrefjells wurden unter der kaledonischen Gebirgsauffaltung vor ca. 400 Millionen aufgefaltet und übereinandergeschoben. Das häufigste Gestyein im westlichen Teil ist Gneis, während im östlichen Teil (dem Trondheimsfeld) Phyllit vorherrscht. Doch man findet hier auch eine Reihe anderer Gesteine: u.a. Sand- und Kalkstein, Gabbro und umgeformte vulkanische Gesteine wie z.B. der charakteristische GRØNNSTEIN. Die großen Züge der skandinavischen Landschaft wurden im Laufe des Tertiär (vor 65 Millionen Jahren bis vor 3-4 Millionen Jahren) geschaffen. Früh in diesem Erdzeitalter teilte sich Grönland von Skandinavien ab, und später hob sich die Landmasse, auf der heute Norwegen liegt. Die Landhebung war im Westen am stärksten, und deshlab finden wir heute die höchsten Berge Skandinaviens im Westen, während die Landschaft nach Osten abfällt. Dem Tertiär folgte das Quartär, welches vor 3-4 Millionen Jahren begann und bis heute andauert. In dieser Periode fand die "Feinausformung" der Landschaft statt, so wie wir sie heute kennen. Auf dem Dovrefjell wie im Rest Skandinaviens war diese Periode von einer langen Reihe (vielleicht so viele wie 30-40) Eiszeiten von bis zu 100.000 Jahren gekennzeichnet, die von kürzeren Wärmeperioden von rund 10.000 Jahren abgelöst wurden. Und es ist das Eis, welches am stärksten zur Formung der Landschaft, die wir sie heute kennen, beigetragen hat. In mehrere hundert, ja mehrere tausend Meter dicken Eisschichten liegen enorme Kräfte. Wenn diese Eismassen in Bewegung geraten, hat selbst das härteste Gestein dem nicht viel entgegenzusetzen. Das Eis hat dort die meiste Kraft, wo es am dicksten ist und sich am schnellsten bewegt. Deshalb hat das Eis dort, wo es schon früher Senken und Talformen im Terrain gab, stets am kräftigsten gegraben, denn dort war es am dicksten. Und weil die Landschaft gen Westen am steilsten abfiel, waren die Eisbewegungen in diese Richtung am stärksten, und die Täler hier wurden entsprechend tiefer und steiler ausgegraben. Dies sieht man heute auf dem Dovrefjell deutlich: Die Täler im Westen sind generell tiefer und steiler als die im Osten. Ein interessantes geologisches Phänomen, das auf dem Dovrefjell beobachtet werden kann, sind sogenannte AGNORDALER. Dies sind Flußläufe, die in eine Richtung laufen, z.B. ostwärts, um dann komplett umzuwenden und in die gegengesetzte Richtung zum Meer zu fließen, also in dem Fall nach Westen. Dies kommt daher, weil mehrere Flußläufe auf dem Dovrefjell früher in die großen Flüsse des Ostlandes liefen. Als die tiefen, steilen Täler des Westlandes nach und nach ausgegraben wurden, arbeiteten diese sich mit der Zeit ostwärts vor und sammelten nach und nach Flüsse auf, die vorher in östliche Wasserläufe mündeten. Ein Beispiel für solche "Flußdiebstähle" ist der Svanåi, der früher in den Folldalswasserlauf (Süden) mündete, doch nach und nach vom Drivdalen und der Driva "eingefangen" wurde, die nordwärts fließt.
Überall auf dem Dovrefjell findet man heute den
sichtbaren Beweis der früheren Anwesenheit und Arbeit des Eises. Heute
ist das Eis bis auf wenige kleine Gletscher um die höchsten Gipfel vom
Dovrefjell fast verschwunden, und es sind in erster Linie die Flüsse,
die die Landschaft weiter formen. Langsam aber sicher graben sie tiefere
V-Einschnitte in die u-förmigen Gletschertäler.
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| Geschichte: |
An das Dovrefjell knüpft sich eine reiche Geschichte. Schon kurze Zeit nachdem sich vor 9.000 Jahren das Eis zurückgezogen hatte, folgten ihm die ersten Menschen hier hinauf, wahrscheinlich hinter den Rentieren her, die sich im Sommer an die Gletscherkante zurückzogen. Man hat Holzkohlefunde gemacht, die sich über 8.800 Jahre zurückdatieren lassen. Im Gegensatz zu anderen Fjellgebieten wie z.B. der Hardangervidda / Skarvheimen wurden wenige Reste von Steinalterwohnstätten gefunden. Einige der wenigen Fundstellen liegen u.a. entlang des Wasserlaufs der Jora im südwestlichen Dovre und an den Seen Avsjøen und Vålåsjøen (an der E6). Von den ersten Jahrhunderten n.Chr. Zeitrechnung (der Eisenzeit) hat man auf den Oppdalsfjellene im nördlichen Dovre eine Reihe Pfeilspitzen und mehrere Grabstätten gefunden. Bei der Almensiedlung Dølia im Folldal wurde um 600 n.Chr. ein Rentierfänger begraben, und als Grabbeilagen fand man u.a. zwei Schwerter, eine Speerspitze, zwei Messer, ein Reibeisen, eine Feile, einen Meißel und 8 Pfeilspitzen. Bei Kongsvoll hat man einen anderen Grabfund von ca. 900 n.Chr. genamcht. Außerdem hat man eine Reihe Fanggruben und andere Fanganlagen gefunden. All dies zeugt von dem Wirken der Menschen auf dem Dovrefjell (wie auch in den meisten anderen Fjellregionen in Norgwegen) über mehrere tausend Jahre. Im Laufe des zweiten Jahrtausend entwickelte sich auch ein ständig zunehmender Reiseverkehr über das Dovrefjell. Wallfahrer aus ganz Europa pilgerten nach Nidaros (dem heutigen Trondheim), wo die Reliquien des Heilogen Olavs aufbewahrt wurden (siehe auch unseren Artikel über die norwegische Geschichte). Erstmals wurden staatliche Fjellpensionen ("Statens fjeldstuer") errichtet, zuerst um Hjerkinn und später bei Kongsvoll und Fokstua. Mehr über diese Epoche können Sie auch auf unserer Seite über den Königsweg lesen. Die Straße über das Dovrefjell wurde 1800 ausgebessert, und in den
Jahren 1858-59 wurde sie entlang der Driva gelegt, wo die heutige Trasse
der E6 verläuft. Die staatlichen Fjellstuer wurden nach und nach privatisiert. Der letzte Besitzer
Kongsvolls vererbte das Anwesen jedoch wieder dem Staat, und mit seinem Tod in den 1970igern kam eine der "Fjeldstuer des Staates" wieder in staatliche Hand, was sie noch heute ist. |