| Abgrenzung: |
|
Wir sprechen hier von einem großen Gebiet, welches grob gerechnet um die 4000 km² umfaßt. Zum Vergleich hat Norwegens größter Nationalpark, Hardangervidda, eine Fläche von 3422 km².
Skarvheimen allerdings ist keine zusammenhängende Fläche unberührter Natur, sondern Straßen und die Bergensbahn stückeln es in mehrere Teile auf. Den größten Teil ununterbrochener Hochgebirgsnatur findet man zwischen der RV 50 (Hol-Aurland) und der RV 52 (Hemsedal-Lærdal), dem Kerngebiet
Skarvheimens, doch auch hier kann man nicht durchgehend von unberührter Natur sprechen. Der Wasserkraftausbau hat an mehreren Stellen lange Arme in das Gebiet ausgestreckt, Seen wurden reguliert, Wirtschaftstraßen angelegt usw.
|
| Geschichte: |
Die Region wurde seit alters her von Menschen genutzt, und man hat mehrere archäologische Funde gemacht, u.a. in der Gegend um Finse. Direkt nach der letzten Eiszeit gab es eine Periode mit einem wärmeren Klima als heute. Die archäologischen Funde zeigen uns, daß schon vor rund 8000 Jahren hier Menschen gewohnt haben. Auf den Felseninseln im Finsevatnet und auf Sumtangen an der Südseite des Finnsbergvatnet (dicht an der Wanderroute FH03) liegen Wohnplätze aus der Steinzeit. In erster Linie waren es die Wildrenherden, die damals die Menschen ins Gebirge lockten. Früher, wahrscheinlich bis hin zur Zeit der Pest (1349/50) war Hallingskeid ein zentraler Markplatz, wo sich einmal jährlich Leute aus Hardanger, Sogn und dem Ostland trafen und untereinander Handel trieben. Später hat man Eisenerz aus den Mooren gewonnen, u.a. rund um Myrdal, und mit der Hautierhaltung begann Almenbetrieb und Sommerweide. Über mehrere hundert Jahre, von Beginn des 17. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Bergensbahn kam, wurde das Gebiet von Viehtreibern genutzt, die Kühe und Pferde vom Westland ins Ostland trieben. Holzexport und Bergwerksbetrieb bildeten die Grundlage für diese Nachfrage. Es war eine strapaziöse Tour von mehreren Monaten, bis man im Ostland angekommen war. Der Tourismus in dieser Region begann wie in vielen enderen Gebirgszonen Mitte des 19. Jahrhunderts, jedoch nicht im gleichen Grad wie z.B. in Jotunheimen. Auch hier waren die Engländer früh zur Stelle, und am meisten bekannt ist Lord Garvagh der Ältere und sein Sohn Lord Garvagh der Jüngere. Die beiden bauten mehrere Steinhütten in der Umgebung, welche "lordehytter", also Lord-Hütten, genannt wurden. Die wohl bekannteste ist die Lordehytta im Folarskadet (siehe Bild). Erst mit dem Bau der Bergenbahn kam Dampf in den Verkehr in dieses Gebiet. Besonders das Winterhochgebirge wurde in Verbindung mit der Bergenbahn auf eine einzigartige Weise zugänglich gemacht, und Finse entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Touristenzentrum erster Klasse. In den Jahren nach der Eröffnung der Bahnlinie wurde Finse von mehreren Berühmtheiten besucht. Die Bergensbahn hat auch auf andere Weise das gebiet geprägt. Hier gab es eine Gemeinde mit ganzjährigen bewohnern unter extremen Verhältnissen. Die Bahnangestellten in Finse machten den größten Teil der Gemeinde aus und hatten u.a. eine eigene Schule. Während der letzten Jahrzehnte wurden entlang der Bergenbahn jedoch ständig weniger Leute stationiert, und mit der Eröffnung des Finsetunnels 1993 wurde die Mannschaft hier oben auf ein Minimum reduziert. Heute sind es in erster Linie die Touristen, die ihre Freude an der Region mit ihren Attraktionen von nationaler Spitzenklasse haben. Die bekanntesten sind: der Rallarvegen, vielleicht die populärtste Fahrradstrecke in ganz Norwegen, das Aurlandsdalen, bekannt als eins der schönsten Gebirgstäler des Landes, und der Hardangerjøkulen, Norwegens viertgrößter und einer der am leichtesten erreichbaren Gletscher des Landes mit einer Eisenbahnstation nur eine gute Gehstunde entfernt.
|
| Geologie: |
Wie überall in Norwegen wurde das Grundgestein während der Kaledonischen Gebirgsauffaltung während des Erdaltertums vor rund 400 Millionen Jahren gebildet. Das Grundgebirge erodierte mit der Zeit zu einer nahezu ebenen Fläche. Auf dieser Fläche, die damals unter Wasser lag, wurden Sedimente abgelagert und zu Sedimentgestein zusammengepreßt. Diese Lage nennt man
Phylit. Während einer geologisch unruhigen Periode wurden Gesteinsplatten von Westen her über die
Phylitschicht geschoben (deshalb liegt die Phylitschicht weiter westlich weiter unten). Diese deckende Schicht (auch Jotunschicht genannt) besteht zumeist aus verschiedenen Gneisgesteinen. Sie widerstand den Erosionskräften besser und bildet heute die höheren Bergmassive des Hallingskarvet, Reineskarvet, Blåskavlen und viele andere. Unter der Deckschicht wurden die Gesteine in der
Phylitschicht vom Druck umgeformt.In der neueren Zeit (die letzten 2 Millionen Jahre) haben hauptsächlich Gletscher und Flüsse die Landschaft zu der geformt, die sie heute ist. Es waren die Gletscher, die die Täler, wie z.B. das Flåmsdalen, ausgegraben haben und Kessel im Gestein formten. . |
| Tiere und Pflanzen: |
Finse /
Skarvheimen ist nicht so reich an seltenen Pflanzen wie die weiter nördlich gelegenen Fjellgebiete, doch die meisten der bekannten Gebirgspflanzen findet man auch hier:
Habichtskräuter, Kissen von Stengellosem Leimkraut und in den höheren Lagen den
Gletscherhahnenfuß. Das Wollgras ist eine faszinierende Pflanze, deren weißwolligen Blütenstände im Sommer viel zu sehen sind. Feinstrahlastern, Gegenblättrigen Steinbrech, Schnee-Enzian, Alpen-Ehrenpreis und Stern-Steinbrech fanden wir bei unseren Wanderungen in den höhergelegenen Teilen der Region im Sommer 2000 zu Hauf. Ansonsten: die gelben Fingerkräuter, Braunspitziges Läusekraut (und das hellere Lappland-Läusekraut), Zweiblütiges Veilchen und Rosenwurz, dazu die weißen Sumpf-Herzblätter, Nickender Steinbrech, Knöllchen-Knöterich, Siebenstern und Hornkräuter. Im Osten reicht der Fjellbirkenwald bis auf 1000 m Höhe, im Westen nicht so hoch. Der Wald klettert langsam aber sicher bergan, teils wegen weniger Beweidung, teils weil das Klima wärmer wird. Wo die Moorbirken aufgeben, übernehmen die Zergbirken. Ansonsten sind verschiedene Zwergweiden, Wacholder, und Heidearten (Heidelbeere, Krähenbeere) häufig. Unter den Säugetieren ist das Wildren das größte im Gebiet. Der Polarfuchs ist so gut wie ausgestorben, doch Rotfüchse sind häufig. Weitere Säugetierarten sind Schneehase, Hermelin, Marder, Mäuse und Lemming. An Vögeln findet man die normalen Gebirgsvögel: die Schneeammern halten sich an die höchsten Berge und gletschernahen Zonen, Steinschmätzer und Wiesenpieper sieht man häufig überall über der Baumgrenze. Dies gilt auch für den charakteristischen Goldregenpfeifer. Entlang der Gebirgsbäche und -flüsse findet man Norwegens Nationalvogel, die Wasseramsel, und Rotschenkel und Odinshünchen kommen an den Bergseen vor. Unter den größeren Vogelarten sind Moor- und Alpenschneehuhn, Rauhfußbussard und der ein oder andere Steinadler anzutreffen.
|
| Gletscher: |
Die Finse /
Skarvheimen-Region ist ein niederschlagsreiches Gebiet mit großen Schneemengen im Winter. Obwohl man nicht die höchsten Berge hier findet, gibt es viele kleinere Gletscher und ganzjährige Schneefelder. Der
Hardangerjøkulen mit seinen gut 70 km² ist selbstverständlich der dominierende Gletscher. Der zweitgrößte ist der Storskavlen mit rund 7 km² (er ist genauso groß wie mehrere der größeren Gletscher Jotunheimens).Andere Gletscher in Skarvheimen sind der Omnsbreen, der Vargbreen, der Skomabreen, der Osaskavlen und der Vossaskavlen westlich und nordwestlich des Hardangerjøkulen. Diese Gletscher sind im Grunde nur versprengte Eisflächen mit wenig oder keinem Eisfall und Spaltenzonen. Am weitesten nordwestlich liegt der Blåskavlen, auch ein größerer Gletscher der Region. Wie alle Gletscher in Norwegen schmolzen auch diese Gletscher in der Periode 1930-1970 kräftig. Man nimmt an , daß die meisten der norwegischen Gletscher nach der letzten Eiszeit verschwanden, und daß Norwegen in der darauf folgenden wärmeren Periode nahezu eisfrei war. Vor 2000-3000 Jahren gab es eine Klimaveränderung, und man nimmt an, daß die Gletscher wieder zu entstehen und zu wachsen begannen, darunter auch der Hardangerjøkulen. Die Gletscher erreichten ihre größte Ausdehnung in neurer Zeit unter der "kleinen Eiszeit", die ihren Höhepunkt um 1750 hatte. Der Rückzug der Gletscher hat sich in Norwegen in den letzten Jahrzehnten wieder verlangsamt oder sogar gestoppt. Eine Änderung des Wettertyps mit vorherrschend westlichem Wetter führte dazu, daß die weiter westlich gelegenen Gletscher in der letzten Zeit wieder wachsen. Die meisten Minigletscher in der Region wird man meist als riesige Schneeflächen erleben. Nur der Hardangerjøkulen hat "echte" Gletscherzungen und Eisfälle.
|
| Klima: |
Finse und Umgebung hat das ganze Jahr über rauhes Wetter und wird als Norwegens südlichstes Gebiet mit arktischem Klima bezeichnet. In Finse und auf dem Hardangerjøkulen kann es mitten im Juli Schneestürme geben. Die Wetterscheide geht ungefähr bei Finse durch die Region. Der dominierende Wettertyp ist "vestavær", Westwetter, mit Tiefs, die am laufenden Band vom Atlantik landeinwärts strömen. Die niederschlagsreiche Luft wird von den hohen Bergen aufwärts gepreßt, und der Niederschlag, der nicht schon weiter westlich gefallen ist, geht normalerweise über die Gebirgsregionen um Finse nieder. Oft kann man schweres, grauen Wetter in Finse erleben, während unten in Haugastøl die Sonne scheint. Selbstverständlich kann auch mal das östliche Wetter den westlichen Gebirsregionen schönes Wetter bescheren, während es im Ostland grau und feucht ist, dies ist jedoch weit seltener der Fall. Sogar im Sommer ist es kühl im Hochgebirge, und die mittlere Temperatur im Juli beträgt in Finse nur etwas über 6ºC. Der Schnee kommt im Oktober und fällt den ganzen Winter hindurch, bis im Flachland die Frühlingsblumen anfanegn zu blühen (Mitte bis Ende April). In den westlichen Teilen der Region Finse / Skarvheimen sind Schneehöhen von über 2 Metern die Regel (in Verwehungen viel mehr). Kaum woanders in Norwegen kommt man in den kaltesten Wintermonaten so leicht in rauhes Hochgebirgsklima als mit der Bergensbahn.
|
| Anreise: |
Finse / Skarvheimen ist eine der am besten und leichtesten erreichbaren Gebirgsregionen, die wir haben. Der Transportnerv schlechthin ist die Bergensbahn, die einen mehrmals täglich von Oslo oder Bergen aus ins Herz der region befördert. (NSBs Fahrplan finden Sie im Internet. Die NSB transportiert auch Fahrräder, z.B. in Verbindung mit einer Rallervegen-Tour.) Von Geilo und Eidfjord fahren in der Hochsaison lokale Busse über die Hardangervidda auf der RV7 (den Fahrplan bekommt man bei den Touristeninformationen in Geilo und Eidfjord), während Norway Bussekspress sowohl die RV 50 (Hol-Aurland) und die E16 (über das Filefjell) das ganze Jahr über bedient (den Fahrplan finden Sie im Internet.) Für diejenigen mit eigenem Auto gibt es reichlich Möglichkeiten. Gute Parkmöglichkeiten bestehen z.B. in Dyranut, Fagerheim und Haugastøl entlang der RV7. Von der RV50 aus kann man in Richtung Raggsteindalen fahren, welches ebenfalls ein guter Ausgangspunkt ist. Ansonsten findet man mehrere passable Startmöglichkeiten entlang der Reichstraßen 50 und 52. Für Tagestouren und kürzere Wanderungen auf und um den Hallingskarvet ist die Mautstraße von Geilo nach Prestholtseter ein hervorragender Ausgangspunkt. |