|
Das Aurlandsdalen ist eine der klassischsten Wanderungen in Norwegen, und viele haben sich von der wilden und dramatsichen Natur begeistern lassen.
Die Natur entlang des Tals bietet das Meiste: von westländischer Fjordidylle unten bei Vassbygdi bis zur schroffen Hochgebirgsnatur oben bei der Geiterygghytta.
Der Gebirgsübergang via das Aurlandsdalen wurde schon seit Alters her bunutzt. Es ist die kürzeste Gebirgspassage zwischen dem Ost- und Westland und so mancher Hallingdaler oder Aurländer hat durch die Geschichte hindurch die Tour übers Gebirge gemacht.
(Während vieler hundert Jahren gingen sogar Tiertreiber mit ihren Herden von Aurland durch das Aurlandsdalen und übers Fjell in Ostland, doch diese mußten die steilsten Partien umgehen und nördlich des Tals übers Fjell und im Stemberdalen hinunter gehen. Eine solche Tour dauerte mehrere Monate.)

Obwohl es heute für uns schwer zu begreifen sein kann, haben Menschen in dem wilden
Aurlandsdalen gewohnt und sich von ihm ernährt. Der letzte ganzjährig bewohnte Hof im Tal war das unzugängliche Sinjarheim, welches 1922 aufgegeben und verlassen wurde. Ansonsten wohnten Leute auf den folgenden Höfen: Almen, Teigen, Bergkvam, Skogsgarden, Nesbø, Vikaneset und Aurviki, sowie zwei Höfen in Øvstebø
(die höchstgelegenen im Tal). Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Höfe nach und nach verlassen. Mehrere der Betreiber emigrierten nach Amerika.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen nach und nach die Touristen zum Aurlandsdalen zu kommen, nachdem frühere Besucher Artikel mit fleißigem Gebrauch von Superlativen über ihre Wanderungen durch das Tal veröffentlichten.
(Der Besitzer von Norwegens heute größter Zeitung Aftenposten, Amandus Schibsted, schrieb folgendes in der Zeitung, nachdem er das Aurlandsdalen durchwandert hatte: "Als ich zum ersten Mal die Lofotenwand gesehen hatte, dachte ich, dies sei das wildeste und großartigste Stück Natur, das ich jemals gesehen hatte. Doch nun bin ich das Aurlandsdalen gegangen, und dies übertrifft alles andere, was unser Land an wilder Natur zu bieten hat.")
Der Sveingardsbotnen am Westende des Strandavatnet war einer der ersten Stellen, die Touristen auf dem Gebirgsübergang Hol-Aurland logierten.
(Diese Hütte hörte nach einer Weile als Übernachtungsstätte auf, u.a. als der DNT auf der anderen Seite des Sees eine neue Touristen hütte errichtete, die Raggsteindalshytta.)
Der DNT errichtete seine erste Hütte, die Steinbergdalshytta bereits 1895 im Stemberdalen.
Auch die alten Höfe auf Øvstebø begannen mit Tourismus neben dem Almenbetrieb, nachdem um die
Jahrhundertwende der permanente Hofbetrieb aufgegeben wurde. Die letzte Hütte entlang der Tour, die Geiterygghytta, stand 1914 fertig, nachdem 1911 der Bau einer Berghütte an dieser Stelle beschlossen wurde.
|
|
Wie die meisten anderen Wasserläufe in Norwegen ist auch das Aurlandsvassdraget ein Opfer der Wasserenergiegewinnung geworden. Der Gedanke eines Wasserkraftausbaus wurde schon früh im 20. Jahrhundert geäußert. 1946 kaufte die Kommune Oslo die Rechte für den Wasserlauf, und als in den 60igern der Energieverbrauch Oslos kräftig anstieg, wurde der Ausbau geplant.
Nach kräftigem Widerstand der Umweltinteressenvertretung wurden die Pläne, Straße und Hochspannungsleitungen durch das Aurlandsdalen zu führen, verworfen, und die Straße statt dessen südlich des Tals durch mehrere Seitentäler und Tunnel gelegt. Trotzdem tritt die Strecke heute auf rund 200 Metern entlang der Bergseite über dem dramatischsten Abschnitt des Aurlandsdalens zu tage. Selbst dieses kleine Stück schuf damals großen Aufruhr, doch der Wasserkraftausbau und eine ganzjährig offene Straßenverbindung zwischen Vassbygdi und Hagafoss wurden durchgesetzt.
Verglichen mit anderen Regionen, wo Wasserkraftausbau stattfand, ist das Aurlandsdalen
allerdings noch recht gut weggekommen.
|
|
Viele Wanderer gehen das Aurlandsdalen von Finse über die Geiterygghytta, Steinbergdalshytta und Øvestbø nach Vassbygdi.
Das Aurlandsdalen an sich reicht jedoch nur von Vassbygdi (Aurland) bis
etwas über Øvstebø hinaus, wo sich das Tal in das Stemberdalen und Sauavaddalen teilt. Um die Kontraste zwischen Fjell und Fjord voll erleben zu können, sollte man
jedoch in jedem Fall mindestens von/zu der Geiterygghytta gehen.
Die Strecke zwischen Finse und Vassbygdi umfaßt vier moderate Tagesetappen, von der Geiterrygghytta sind es drei. Keine der Etappen ist besonders lang, aber die Etappe zwischen Øvstebø und Vassbygdi beinhaltet einige etwas steilere und exponierte Passagen
(siehe Etappenbeschreibung).
Es ist übrigens auch möglich, das Aurlandsdalen auf andere Weise zu gehen, z.B. mit dem Zug nach Myrdal und von dort aus nach Stonndalen
(FH27), weiter nach Øvstebø
(FH30) und das Aurlandsalen
(FH28a) hinunter, bevor man den Bus nach Flåm und den Zug zurück nach Myrdal nimmt.
|