Hardangerjøkulen

Für mehr generelle Informationen über Gletscher können Sie unsere Gletscherseiten besuchen (unter Ausarbeitung).

Der Hardangerjøkulen ist mit rund 73 km² Oberfläche Norwegens 6. größter Gletscher (jenachdem was man einen eigenständigen Gletscher nennt - viele Übersichten führen ihn als Nr. 4 und rechnen z.B. die zwei Svartisen-Gletscher als einen).
Der Hardangerjøkulen ist ein Plateaugletscher, d.h. ein Gletscher, der auf einem Bergmassiv liegt und nicht unter oder an den Seites desselben. Oben besteht der Hardangerjøkulen aus einer enormen, recht flachen Gletscherfläche, während zu den Kanten hin mehrere Gletscherzungen vom Plateau "herunterfließen". Wird das Eis dick, so verwandelt es sich unter dem Druck in eine plastische Masse, die zu fließen beginnt. Dies kann man sich schwer vorstellen, wenn man sich auf dem harten, spröden Eis bewegt, doch so ist es. 
In alten Tagen waren Gletscher und unzugängliche Berge etwas, von denen sich die Leute fernhielten, wenn es nicht unbedingt notwendig war. Heutzutage sind  Gletscher eine Attraktion. Sowohl Touristen als auch Fotografen lassen sich von den schönen Eisformationen faszinieren, und Gletscherwanderer suchen ihre Herausforderungen auf und in ihnen. 
Gletscher dienen auch als Forschungsobjekt. Sie könnenInformationen über Klimaänderungen und anderes geben. Der Hardangerjøkulen ist einer der am besten erforschten Gletscher in Norwegen. 
Diese Untersuchungen zeigten, daß sich der Gletscher in der Zeit zwischen 1930 und 1970 stark zurückzog. (Dies gilt übrigens für die meisten norwegischen Gletscher.) Bergkuppen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts vom Eis bedeckt waren, tauchten auf. Des weiteres ist die Dicke des Hardangerjøkulen sehr unterschiedlich. Sie variiert von einer nur wenige Meter dünnen Schicht an einzelnen Stellen bis über 300 Meter an den dicksten Stellen. Der höchste Punkt des Gletschers liegt etwas nordöstlich auf 1840 m, während die niedrigste Stelle die Gletscherkante auf dem Rembesdalskåki auf rund 1040 m ist.
Alle Gletscher in Norwegen verschwanden mehr oder weniger in einer warmen Periode nach der letzten Eiszeit, so daß der Hardangerjøkul kein Überbleibsel der letzten Eiszeit ist, wie man vielleicht denken könnte. Man nimmt an, daß der Gletscher unter einer Klimaveränderung vor 2000 bis 3000 Jahren entstand, und er erreichte seine größte Ausdehnung unter der "kleinen Eiszeit", die ihren Gipfel um 1750 erreichte. 

Man fragt sich vielleicht, warum gerade hier ein so großer Gletscher entstand, wo es sonst keinen einzigen anderen von einer gewissen Größe in der Region gibt. Es gibt schließlich in der näheren Umgebung andere ähnlich hohe Berge. Der Folarskardnuten (1930 m) ist sogar deutlich höher, doch hier gibt es keinen ordentlichen Gletscher. 
Die Ursache liegt in den großen Niederschlagsmengen. Aus irgendeinem Grund liegt genau dieses Gebiet richtig für große Niederschlagsmengen aus Südwesten. Auf dem Hardangerjøkulen fällt weit mehr Niederschlag als in Finse, welches nur wenige Kilometer weiter nördlich liegt. (Obwohl viele sicher der Meinung sind, in Finse regne es auch genügend). Messungen zeigen, daß auf dem Hardangerjøkulen jährlich durchschnittlich zwischen 2500 und 3000 mm Niederschlag fallen. 

Für die meisten ist der Hardangerjøkulen allerdings eine Attraktion fürs Auge und um sich zu entfalten. Von Osten und Süden dominiert er von weit her den Horizont, und fast von überall in den nördlichen Teilen der Hardangervidda sieht man seine weiße Fläche. 
Die Bergenbahn macht den Hardangerjøkulen zu einem der am leichtesten zugänglichen großen Gletscher Norwegens, und für die Leute aus dem Ostland ist er zweifellos der nächstgelegene. Von Finse aus ist es nur eine gute Stunde Anmarsch zur Kante des Blåisen, einer der bekanntesten Gletscherarme des Hardangerjøkulen. Andere Eisfälle sind der Rembesdalskåki (der längste der Gletscherarme, wo die Gletschergruppe des DNT eine Hütte hat, dieDemmevasshytta direkt an der Gletscherkante) im Westen, und der vestre und østre Leirbotnskåki auf der Südseite des Gletschers.
Mit Finse als Ausgangspunkt werden jedes Jahr eine Reihe Gletscherkurse auf dem Hardangerjøkulen arrangiert, und die gesamte Saison hindurch gibt es geführte Touren auf den Geltscher. 
Jeden 17. Mai findet hier ein etwas besonderer 17.-Mai-Umzug statt. Dies ist Norwegens größter 17.-Mai-Umzug im Gebirge, und er bei schönem Wetter ist die lange Schlange teilweise in Tracht gekleideter Menschen ein toller Anblick, wie sie zum höchsten Punkt des Gletschers hinauf zieht.

Zum Schluß: Sich auf einem Gletscher zu bewegen, kann ein großes Erlebnis sein, aber es ist nicht immer gefahrlos. Als Hauptregel sollten immer die Regeln für sicheres Betreten eines Gletschers befolgt werden: D.h. immer mit mindestens drei Personen am Seil gehen. Mindestens einer der drei muß Kenntnisse über das sichere Betreten von Gletscher und Spaltenrettung haben.

Der Versuch der Deutschen, während des 2. Weltkrieges einen Flugplatz auf dem Hardangerjøkul zu bauen.

Während des 2. Weltkrieges war Finse unter deutscher Besatzung, und von den vielen merkwürdigen Sachen, auf die sie hier oben kamen, war vielleicht der Versuch, eine Landebahn auf dem Gletscher zu bauen, das merkwürdigste. 
Zuerst versuchsten sie, mit Hilfe eines Bulldozers, der in Finse auseinander- und auf dem Gletscher wieder zusammenmontiert wurde, Gletscherspalten abzudichten. Dieser wurde allerdings selbst ein Opfer einer der Spalten, die er zu "dichten" versuchte. 
Später mußten 80 norwegische Kriegsgefangene Säcke mit Sägespänen auf den Gletscher tragen. Doch dies funktionierte auch nicht. Dann bauten sie eine Baracke auf der Felskuppe südlich der Kongsnut. (Ein kleines Stück westlich von wo heute die Jøkulhytta liegt, auf ca. 1740 m.). Die Materialien wurden mit einer Seilzuganlage hinauf geschafft. Reste der Grundmauer kann man heute noch spät im Sommer sehen, wenn der Schnee schmilzt. Die Baracke wurde jedoch wegen des schlechten Wetters schon im August wieder aufgegeben und statt dessen ein Zeltlager weiter gletschereinwärts aufgeschlagen. 
Nach drei Jahren in Finse gaben die Deutschen auf, und es gab nie eine Rollbahn auf dem Hardangerjøkulen. Schlechte Motivation wegen dem manglenden Zugang zu Waren soll zusammen mit dem harten Klima den Ausschlag gegeben haben. 

 


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