Gebietsinformation Jotunheimen Seite 1

 Inhalt:

  1. Einleitung
  2. Klima
  3. Tierleben
  4. Vegetation
  5. Anreise
  6. Am höchsten, größten schönsten...
  7. Drei schöne Rundwanderungen in Jotunheimen
  8. Einige gute Übernachtungsstätten
  9. Touristeninformation und Diverses über Jotunheimen
  10. Geschichte und Geologie des Nationalparks

 

 Einleitung:

Unser Nationalheld, Fridtjof Nansen, schilderte sein erstes Treffen mit Jotunheimen folgendermaßen: «Auf einmal stand ich am Abgrund und sah hinunter zum Gjendin. Tief unten streckte er sein blankes, grünblaues Smaragdband, weit durch den Grund der Kluft, zwischen den mächtigen Schneebergen, die in wilder Folge auf einen eindringen. Die Melkedalstinder und all die scharfen weißen Zacken, die im Westen gegen den Abendglanz aufragen. Es ist, als ob ganz Jotunheimen plötzlich ins Leben tritt, seine mächtigen Pforten für die Seele öffnet und sie bannt. Unwillkürlich blieb ich stehen; es war, als ob man der Gletscherwelt einen Gruß zusenden mußte: "Auf ein Wiedersehen!". »

Jotunheimen liegt zentral in Südnorwegen, zwischen dem Sognefjell und dem Bøverdal im Norden, dem Sjoadal im Osten, Valdres im Süden und dem Sognefjord im Westen. Es variiert etwas, welche Regionen zu Jotunheimen gerechnet werden und welche außerhalb liegen, aber eine gewöhnliche Grenze verläuft entlang der RV 55 im Norden, RV 51 im Osten, Bygdin im Süden und der Paßstraße zwischen Øvre Årdal und Turtagrø im Westen, also ein etwas größeres Gebiet, als vom Nationalpark und dem Naturschutzgebiet Utladalen abgedeckt wird.  

Obwohl von keiner anderen Region in Norwegen im gleichen Maße behauptet werden kann, sie sei das "Fjellnorwegen in einer Nußschale", vergingen fast 20 Jahre seit der Einrichtung Rondanes als ersten Nationalparks Norwegens bis auch Jotunheimen Nationalpark wurde. Ungeklärte Fragen im Zusammenhang mit den großen Wasserkraftressourcen in und rund um Jotunheimen tragen wohl die Schuld daran.

 

 Klima:

Das Klima in Jotunheimen variiert stark abhängig von der Höhe und wie weit westlich / östlich man sich befindet. Der dominierende Wettertyp ist "vestavær", westliches Wetter, wodurch die Niederschlagsmenge das ganze Jahr über im Westen des Parks wesentlich höher ist als im Osten. Die Berge haben die Tendenz, die Wolken höher zu drücken, so daß es mehr regnet / schneit und halten die Wolken auch länger fest als flachere, niedriger gelegene Regionen (oft klart es um die Gipfel zuletzt auf, wenn sich das Wetter von schlecht nach schön ändert). Dadurch fällt in höhergelegenen Regionen insgesamt mehr Niederschlag. 
Auf dem Fannaråken befand sich früher Norwegens höchstgelegene meteorologische Meßstation. Hier oben liegt die mittlere Temperatur im Juli bei ca.2,5° C und die niedrigste gemessene Temperatur im Juli bei -8° C. Die  wärmste Temperatur im Juli betrug 18,5° C im Schatten. Weiter unten, zwischen 1000 und 1200 Meter Höhe liegt die mittlere Temperatur im Juli schon bei fast 10° C. Im Winter ist es nicht so kalt, wie viele glauben. Auf dem Fannaråken auf über 2000 Meter Höhe liegt die mittlere Temperatur im Januar und Februar bei rund 10 Minusgraden, und der Kälterekort ist nicht niedriger als -32° C. Dies liegt daran, daß kalte Luft schwerer als etwas wärmere Luft ist, so daß sie "von den Bergen herunterfließt" und in die Täler absinkt, wo im Januar oft viel niedrigere Temperaturen herrschen. Aber dadurch, daß es in den Bergen viel windiger (stürmischer) ist, fühlt man die Temperatur auch kälter als sie tatsächlich ist. 

 

 Tierleben:

(Siehe auch Flora und Fauna im Gebirge und Vögel-Bildergalerie.)

Früher war das Wildren in Jotunheimen häufig, und es lockte Jäger wie Jo Gjende und Ausländer, vor allem Engländer, ins Gebirge. Mit der Zeit wurde es von zahmen Renen verdrängt und lebt heute nur noch im westlichen Teil des Nationalparks. Die Rentiere, die man auf der Valdresflya, im Leirungsdalen oder im Veodalen antrifft, sind Haustiere, die Zahmrenverbänden aus dem Valdres und dem Ottadalen gehören. Auf der Valdresflya, kurz vor bevor die Straße in Richtung Sjoadalen bergabwärts führt, kann man die großen Rentierzäune und Gebäude sehen, die zum Einsammeln der Tiere im Herbst benutzt werden. Dann werden die Schlachttiere ausgesucht und die Kälber markiert. Als es die großen Renherden noch gab, waren auch Braunbären häufig in Jotunheimen anzutreffen, doch diese wurden durch Jagd in der Region völlig ausgerottet, und heute sind nur noch vereinzelt umherstreifende Vielfraße oder Luchse von den Raubtieren im Nationalpark übrig.
Elche sind in den Tälern nördlich und östlich des Nationalparks (Visdalen, Veodalen und Sjoadalen) häufig, während man Hirsche (Rotwild) und Rehe nur im Utladalen sehen kann. Andere Tiere, die man mit Glück beobachten kann, sind Hermelin, Mauswiesel, Rotfuchs und Schneehase. Polarfuchs und Otter sind dagegen in Jotunheimen sehr selten geworden. Lemminge, die rein skandinavischen kleinen Nager der Fjells, können in einzelnen Jahren fast völlig verschwunden sein, während man in anderen, den sogenannten Lemmingjahren, ständig auf sie trifft. 
An Vögeln stößt man sicher am häufigsten auf das Alpenschneehuhn , welches das ganze Jahr hindurch ein festes Element des Vogellebens im Nationalparks ist. Andere interessante Vögel sind Gold- und Mornellregenpfeifer . Beide können schwierig zu entdecken sein, den "Klagegesang" des Goldregenpfeifers hört man als Wanderer im Fjell jedoch recht häufig. Als häufigster Raubvogel des norwegischen Gebirges sieht man den Rauhfußbussard auch in Jotunheimen regelmäßig, mit Glück kann man aber auch den seltenen Steinadler und einige Falkenarten beobachten. In den Birkenwäldern am Rande des Nationalparks hört man außerdem oft den Kuckuck rufen, und der Rabe hat sich die höchsten Gebirgeregionen erobert. 
An Singvögeln sind Schneeammer und Steinschmätzer in den höheren Lagen am gewöhnlichsten, während Wiesenpieper, Bergfink, Birkenzeisig, Blaukehlchen und Fitis die häufigsten kleinen Sänger im Zwergweidengebüsch und weiter abwärts sind. Mit Glück kann man entlang der Flüsse den Nationalvogel Norwegens, die Wasseramsel beobachten. 
An Fischen gibt es nur Fjellforellen. In den großen, tiefergelegenen Bergseen, wie z.B. dem Gjende, gibt es lebenstüchtige Fischstämme, während sie in den höhergelegenen Seen regelmäßig ausgesetzt werden, weil die große Höhe die natürliche Fortpflanzung behindert.

 

 Vegetasjon:

(Siehe auch Flora und Fauna im Gebirge und Pflanzen-Bildergalerie.)

Jotunheimen besteht fast ausnahmslos aus Hochgebirgsregionen, und es gibt nur wenige Stellen, wo innerhalb des Nationalparkes Wald wächst. Die eine ist entlang des Gjende, wo man Fjellbirkenwald findet, und die andere ist im Utladalen, wo man außer Fjellbirkenwald bei Vettismorki auch einige Kiefern wachsen. 
In den Waldgürteln wachsen außer Bäumen eine Reihe anderer Waldpflanzen wie Nordischer Eisenhut, Wald-Storchschnabel, Zweiblütiges Veilchen, Walderdbeere und Maiglöckchen. Über der Waldgrenze schließt sich ein Gürtel aus Strauchvegetation an, der hauptsächlich aus verschiedenen Zwergweiden und Zwergbirke besteht. Ansonsten sind auch Heidelbeere, Fjell-Krähenbeere und Wacholder häufig.
Einige der charakteristischsten Pflanzen Jotunheimens sind die seltene Frühlingskuhschelle, die bereits im Juni zwischen den Schneeresten blüht, die hübschen Tuffs mit Gegenblättrigem Steinbrech, die Rosenwurz, das Stengellose Leimkraut (Foto), und der mutige Gletscherhahnenfuß, der sich fast bis auf die höchsten Gipfel hinaufwagt, wo es sonst nur Steine, Steine, Steine und ab und zu ein Fleckchen mit Moos gibt. Andere recht seltene Pflanzen, die in Jotunheimen vorkommen, sind die Alpen-Azalee und verschiedene Läusekraut-Arten, darunter das Karlszepter und das Braunspitzige Läusekraut.
Nehmen Sie ein Bestimmungsbuch mit auf die Wandertour, denn es ist interessant und lehhreich, herauszufinden, was neben den Wegen alles so hübsch blüht.

Siehe auch unseren Nordischen Gebirgspflanzenführer.

 

 


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