Gebietsinformation Jotunheimen Seite 3

 Jotunheimen Nationalpark:  Geschichte und Geologie:


Jotunheimen ist Norwegens und gleichzeitig Nordeuropas höchstes Gebirgsmassiv, begrenzt durch das Bøverdal und die Sognefjellstraße im Norden, die Reichsstraße 51 über die Valdresflya im Osten, die großen Gebirgsseen Bygdin und Tyin im Süden und die Täler Langedalen, Berdalen und Fardalen im Westen.

Die ersten Touristen kamen zu Beginn des 19. Jhs. nach Jotunheimen, aber das Gebirge wurde schon zu uralten Zeiten von den Bewohnern der umliegenden Regionen als Sommerweide für die Tiere und als Jagdrevier benutzt. Es wurden Reste von uralten Waffen und Werkzeugen sowie Fallen sowohl in Jotunheimen als auch in anderen Gebirgsgegenden gefunden, welche beweisen, daß Menschen schon vor mehreren Tausend Jahren oben im Gebirge unterwegs waren.
In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. nahm der Tourismus in Jotunheimen zu, aber noch immer waren es nur Akademiker und Freiberufler sowie wohlhabende Ausländer, welche die Gebirge zu anderen Zwecken als um Nahrung zu beschaffen, aufsuchten. Mit der Zeit bekam die Lokalbevölkerung mit, daß hier Möglichkeiten lagen, extra Geld zu verdienen. Ortskundige wurden als Führer angemietet, alte Almhöfe wie Spiterstulen begannen, Übernachtungsgäste aufzunehmen und die ersten Hütten wurden für die Touristen errichtet. Die erste Jyvasshütte z.B. wurde rund 1870 als eine Zwischenstation für den Touristenverkehr zwischen Røisheim und dem Galdhøpiggen gebaut.
Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. kam auch der Bergsport nach Jotunheimen, in erster Linie eingeführt durch Ausländer wie den Engländer
William Cecil Slingsby und den Dänen Carl Hall, welche systematisch
viele der schwierigeren Gipfel in Jotunheimen und anderen Regionen erstbestiegen.
Zu Beginn der 90iger Jahre des 19. Jhs. wurden die ersten Hotels in Turtagrø gebaut, welches sich wegen seiner nahen Lage zum Hurrungane (ein Gebirgsstock im südwestlichen Jotunheimen mit vielen hohen, steilen und schwierigen Gipfeln) schnell zu einem Bergsteigerzentrum entwickelte.
Den Norske Turistforening (DNT), der norwegische Wanderverein, begann seine Wirksamkeit in Jotunheimen schon kurz nach der Gründung in 1868. Kurz nachdem die erste Hütte bei Rjukan in der Telemark gebaut wurde, wurde 1870 auch die erste Hütte in Jotunheimen errichtet, welche am Ufer des Tyin lag (die Stelle ist heute nur noch ein runder Felsen im Wasser, nachdem der Tyin aufgestaut wurde). Gjendebu (1871) und Gjendesheim (1878) folgten bald nach. Gehen Sie zur Übersicht für eine Auflistung der Touristenhütten und Übernachtungsmöglichkeiten in und rund um Jotunheimen.

Nachdem zuerst die USA 1872 mit dem Yellowstone ihren ersten Nationalpark einrichteten, verbreitete sich die Idee schnell auch in anderen Ländern, wie z.B. Australien, welches 1879 seinen ersten Nationalpark bekam (Royal Nationalpark). Die Idee kam auch nach Norwegen. 1904 legte der damalige Vorstand des DNT, Yngvar Nielsen, seine Gedanken um einen Nationalpark in Jotunheimen vor. Es sollten jedoch viele Jahre vergehen, bevor etwas geschah. Norwegen bekam mit Rondane seinen ersten Nationalpark nicht vor 1962. In der Zwischenzeit wurde Jotunheimen und dort speziell den westlichen Teilen beim Bau von Wasserkraftwerken häßlich mitgespielt. Sog. Überführungstunnel, welche das Schmelzwasser der Gletscher in andere Flußläufe umleiten sollen, wurden von der Gravdal-Region hinüber zum Koldedals-See gebaut. Wirtschaftswege wurden in das Gravtal hinein gebaut, Tyin und Bygdin wurden reguliert. Zum Glück wurde auch einiges gerettet, z.B. erreichte der Naturschutzverein des Vestlandes 1924 den Schutz des Vettisfossen, welcher mit 273m freier Fallhöhe Norwegens höchster Wasserfall ist. Es gab mehrere Vorstöße zum Ausbau des Flußsystems der Sjoa (nordöstliche Grenze zu Jotunheimen), aber alle wurden von den Gegnern abgewehrt, bis 1973 das norwegische Parlament die Sjoa dauerhaft schützte.
Zum Schluß, 76 Jahre nachdem Yngver Nielsen zum ersten Mal seine Gedanken zu einem Nationalpark in Jotunheimen vorlegte, wurde am 5. Dezember 1980 Jotunheimen zum Nationalpark erklärt. Er umfaßt 1140 km² und schließt die zentralsten und hochgelegenen Teile der Region ein. Gleichzeitig mit der Erlassung des Nationalparks wurde ein 300 km² großes Gebiet im Utledalen unter Naturschutz gestellt. Im Gegensatz zur Hardangervidda, wo es viele private Grundeigentümerinteressen gibt, welche Ausnahmen in der Schutzzone bewirken, war der Schutz Jotunheimens recht erfolgreich. Die größte "Bedrohung" der Natur Jotunheimens ist heute vielleicht das, wofür der DNT steht: mit seinen Maßnahmen zur Erleichterung des Tourismus im Gebirge (wie meiner Meinung nach übertriebener Komfortgestaltung der Hütten mit Wasser, Elekrtizität und Restaurantbetrieb etc. und dadurch vermehrt motorisiertem Verkehr mit Snowscootern, Helikoptern usw.). Es ist zu hoffen, daß diese Entwicklung stoppen und es keine weitere Eingriffe, Ausbauten und Zunahme motorisierten Verkehrs in Jotunheimen geben wird. Hoffentlich wird auch der organisierte kommerzielle Massentourismus im Gebirge von den Behörden eingeschränkt (es gibt heute bereits Regulierungen im Jotunheimen-Gebiet), so daß er sich nicht frei entwickeln kann.

Jotunheimen entstand durch die Kaledonische Gebirgsauffaltung im Erdaltertum vor rund 400 Millionen Jahren. Vor ca. 40 Millionen Jahren var die Kaledonische Gebirgskette von Wind und Wetter zu fast einem flachen Plateau abgetragen worden, bevor dieses erneut im Westen zu wachsen begann. Dadurch entstand wieder neue Grundlage für Erosion. Gletscher formten U-Täler und das Schmelzwasser sammelte sich in Bächen und Flüssen, welche wiederum V-Täler schnitten. Man glaubt, daß die Hauptkomponenten der heutigen Landschaftsformen bereits entstanden, bevor sie vor rund 2 Millionen Jahren vom eis niedergedrückt wurde (Quartiär). Durch unterschiedliche Härte des Gesteins und Dicke des Eises grub und schliff dieses auch unterschiedlich. An einigen Stellen, speziell in engen Gletscherflüssen, wo die Dicke des Eises groß war, formte das Eis tiefe Einschnitte (z.B. Gjende), und woanders, wo das Eis mehr Platz zum Abfließen hatte, schnitt es weniger tief ein.
Die in Jotunheimen vorherrschende Gesteinsart ist Gabbro, ein schwarzes vulkanisches Gestein mit weißen Flecken. An einigen Stellen kommt eine rötliche Variante vor, welche durch Eisen- und anderen Metallanteile gefärbt wird. Diese rote Stellen im Gebirge haben vielen Regionen in Jotunheimen ihren Namen gegeben, wie Rauddalseggi, Raudhammern usw. (raud = rot). Auch findet man weiße Streifen, welche aus Restmagma gebildet wurden. In diesen weißen Streifen gibt es seltene Bodenschätze wie z.B. Uran nördlich des Glittertinds. Im Bøvertal findet man ab und zu Gold, welches von den Bergen heruntergewaschen wird, aber nur in kleinen Mengen, und die Ader wurde nie gefunden. 
Die Landschaft verändert ihren Charakter sehr deutlich, wenn man Jotunheimen durchquert. Im Westen gehen die Gletscher tiefer in die Täler hinab, der Schnee schmilzt im Sommer später, die Landschaft ist generell steiler und es ist schlechteres Wetter. Kommt man  weiter ostwärts, werden die Landschaftsformen runder und es fällt weniger Niederschlag, sowohl Schnee als auch Regen. Das liegt daran, daß die vorherrschende Wetterrichtung Westen ist. Die Atlantischen Tiefs stehen Schlange, um ihre feuchte Last über dem westlichen Norwegen loszuwerden. Die Berge bilden ein Hindernis für die Tiefdruckgebiete, so daß diese gebremst werden und beim Aufsteigen an den Bergen abregnen. Wenn die Wolken die östlichen Teile Jotunheimens erreichen, haben sie den meisten Niederschlag schon weiter westlich gelassen. Die Chancen, auf dem Gipfel des Nautgardstinds (2258 m, einer der wettermäßig "freundlichsten" Berge Jotunheimens) schönes Wetter zu haben, sind also vielfach größer als auf dem Fannaråken (2068 m), welcher im westlichen Jotunheimen (Hurrungane) liegt. 

 



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