| Jotunheimen: einige Persönlichkeiten: |
Im Laufe der Geschichte hat es viele Persönlichkeiten rund um Jotunheimen
gegeben, sowohl vergessene als auch Personen, deren Name heute bekannter sind
als zu deren Lebzeiten. Zu den letzteren gehören z.B. u.a. der Mediziner Christian Boeck
und der Geologe Baltazar Mathias Keilhau, welcher im Jahre 1820 eine Reise
unternahm, die den ersten Anstoß dazu gab, daß die Stadtbevölkerung Interesse
an Jotunheimen als Ferienziel faßte. Der Dichter Aasmundson Olavson Vinje, der
zusätzlich zu ausgedehnten Touren durchs Gebirge auch Gedichte darüber
geschrieben hat, welche heute Klassiker sind, wird ebenfalls mit Jotunheimen eng in
Verbindung gebracht (er war es, der zum ersten Mal den Namen Jotunheimen statt Jotunfjeldene
benutzte, wie das Gebiet früher genannt worden war). Andere, die in Jotunheimen
auf sich aufmerksam gemacht haben, war der Däne Carl Hall, ein Pionier des
Bergsports in Norwegen, der viele Touren in Jotunheimen (und anderen Orten in
Norwegen) unternommen hat und dem großer Respekt gebührt. Den Bergener
Emanuel Mohn, der zusammen mit Slingsby 1876 fast auf dem Gipfel des Store
Skagastølstind war, darf man auch nicht vergessen. Er wird der erste
"Jotunolog" genannt und schrieb viele Artikel über Jotunheimen, die
u.a. in DNTs Jahrbüchern veröffentlicht wurden.
Dies sind alles Touristen, die von "außen" kamen - was mit der
lokalen Bevölkerung? Leute aus dem Valdres, aus Årdal, Fortun und Lom haben in
Jotunheimen Großes geleistet, sowohl auf der Jagd als auch Besteigungen, aber
im Gegensatz zu den Touristen schrieben sie nicht darüber und wurden auch nicht
großartig bekannt. Einige waren die lokalen Führer der Touristen und werden in
deren Artikel in nebensätzen erwähnt, während sehr wenige andere wurden
bekannt und als Legenden unsterblich. Dies gilt speziell für den Bergjäger Jo
Gjende und zu einem gewissen Grad dem Almenmädchen Gjendine Slålien. Außerdem
gibt es einige Familien, die seit Generationen den Touristen im Gebirge gedient
haben und dadurch bekannt geworden sind. Die bekannteste von ihnen ist
vielleicht die Familie Vole, deren heutige Nachkommen viele der Touristenhütten
in und um Jotunheimen betreiben (u.a.
Gjendesheim Gjendebu, Glitterheim und Juvasshytta) und die Familie Sulheim, die
seit vielen Generationen in Spiterstulen lebt. Ein paar Personen haben wir auf
dieser Seite näher beschrieben, und diese sind:
Jo Gjende - der legendarische Rentierjäger und Einsiedler aus Vågå
William Cecil Slingsby - der bekannte englische Bergsteiger, der seine Liebe Norwegen schenkte und hierzulande viel Pionierarbeit in Sachen Bergsport leistete
Kaja Gjendine Slålien - das Almenmädchen, das am Gjende geboren und bekannt wurde, als Edvard Grieg aus den alten Weisen, die sie ihm sang, Musikstücke schrieb.
Jo Gjende (1794-1884):
Jo Tjøstolsson Kleppe war sein eigentlicher Name. Er wurde auf dem Hof
Sygard Kleppe im Jahrei 1794 geboren. Der Vater Tjøstol fiel in den Fluß und
ertrank, als Jo nur 3 Jahre alt war, und nicht lange darauf starb auch seine
Mutter. Nachdem er einige Jahre bei seinem ernannten Vormund gelebt hatte,
zog er 1803 auf den Bauernhof Heringstad im Heidalen, wo seine Tante und deren
Familie wohnte.
Der Mann
seiner Tante starb als Jo 13 Jahre alt war, und er wurde bald ihr Vertrauter,
weil er der älteste Mann auf dem Hof war. Schon in seiner Jugend begann Jo,
sich abzusondern, und er hielt sich viel zu sich selbst. Er war bekannt für
sein Temperament und nach und nach wurde er auch als Freidenker bekannt,
der die Kirche und die Pfarrer haßte wie die Pest. Er kam frühzeitig auf den
Geschmack der Jagd, die sein Lebensstil für den Rest seines Lebens werden
sollte. Schon 1812, 18 Jahre alt, erlegte er sein erstes Ren.
Anfangs war er meistens mit anderen Jägern der Siedlung zusammen. 1824 traf er
bei Gjendeosen Jakob Snerle (den Vater Ivar Kleivens, welcher viel über die
lokale Geschichte Vågås und seiner Umgebung schrieb), welcher sein vielleicht
bester Freund für den Rest seines Lebens wurde.
Etwa drei Jahre lang arbeitete Jo als Viehhirte. Er kaufte Vieh, führte es
hinauf zu den saftigen Weiden im Leirungsdalen und reiste hinterher mit ihm nach
Christiania (heute Oslo), einer Tour von mehreren Wochen, um es zu verkaufen. Im
Laufe dieser Jahre verdiente Jo recht viel Geld, von dem er in den späteren
Jahren lebte, denn die Jagd warf nicht so viel ab. Er verkaufte das Wild, das er
schoß, zu Spottpreisen, und die Kosten für Munition und waffen waren fast
genau so groß wie sein Verdienst. Im Laufe seines Lebens schoß er rund 600
Rentiere (davon 500 alte Böcke), eine Menge Schneehühner und anderes Wild und
auch 4-5 Bären.
Im Alter
von 42 Jahren verließ er Heringstad. Zuerst wohnte er an verschiedenen Orten
und bezog 1842 seine neuerbaute Hütte am Gjende. Sie steht noch heute am
Gjendeosen (schön restauriert von dem historischen Verein Vågås) und kann von
allen, die vorbeikommen, besichtigt werden.
Die nächsten acht Jahre wohnte Jo sommers wie winters hier am Gjende und reiste
nur hinunter in die Siedlung, wenn er das eine oder andere brauchte. Die Leute
aus Lom gaben ihm den Beinamen Gjende, weil er wiederholt über den gesamten See
mit seinen 20 Kilometer Länge ruderte. Sein Freund Jakob Snerle
Kleiven sorgte 1850 dafür, daß Jo sich einen eigenen Hof zur Altersvorsorge
kaufte. Er hieß Brurusten und Jo wohnte dort bis zu seinem Tod 1884.
Im Sommer 1855 kam der Engländer Blackwell zusammen mit einem anderen
Engländer (Rathbone) und einem Diener nach Gjende. Den Sommer und Herbst über
verbrachten sie viel Zeit zusammen, und da die beiden Jos Leidenschaft für das
Gebirge und die Jagd teilten, kamen sie gut miteinander aus. Bis vor Weihnachten
blieben die beiden oben am Gjende, und es fiel Jo schwer, als er sich von ihnen
am Ridderspranget
verabschieden mußte.
Blackwell verliebte sich später in ein Mädchen aus Vågå, heiratete es und
ließ sich mit ihr in Vågå nieder. Die Freundschaft zu Jo hielt die ganze
Zeit. Die zehn Jahre nachdem Jo Blackwell und Rathbone getroffen hatte, waren
vielleicht die besten seines Lebens. Sein Ruf als Jäger begann sich weit zu
verbreiten, und er traf ständig neue und interessante Menschen und war immer
noch eine "Urkraft im Gebirge". 1866 starb Blackwell, nur 33 Jahre
alt, was Jo sehr schwer nahm.
Jo Gjende hielt sich ausgezeichnet. Noch 1877 beschrieb Barth ihn
folgendermaßen:
"Selbst in seinem 84. Jahr ist er immer noch das, was man einen rüstigen
Kerl nennt, mit breitem Oberkörper und aufrechter Haltung. Seine Züge sind
auffallend edel für einen Mann seines Standes, und man könnte ihn für einen
alten, weisen Mann höheren Standes halten. Es ruht eine Art Würde über seiner
Person, und er hat eine außergewöhnlich wohllautende Stimme. Er spricht den an
und für sich schönen Vågå-Dialekt sehr sauber, was heutzutage in der
Siedlung eine Seltenheit ist."
1878, im gleichen Jahr, als Gjendesheim fertiggestellt wurde, war Jo zum letzten
Mal drinnen am Gjende. Man sagt, er hielt oft an, um zurückzuschauen, als er
auf dem Rückweg zum Øvre Sjodalsvatnet war.
1881 wurde Jo als Ehrengast zur Hütte oben am Russvatnet eingeladen, und dies
wurde seine letzte Tour ins Gebirge.
Der erste Grabstein auf Jo Brurustens Grab verwitterte, und der Norwegische
Touristenverein (DNT) stiftete dem Mann, der aufgrund seiner Tüchtigkeit und
seiner ungewöhnlichen Lebensführung zur Legende und zum personifizierten
Symbol für die Jagd und das Leben in der Wildnis in alten Tagen wurde, einen
neuen Grabstein. Auf ihm steht der bekannte Vers des Dichter Vinje, den dieser
auf den Pfandschein dichtete, als er 20 der 25 Taler für seinen Anteil an der
Hütte bei Eidsbugarden lieh. Die Worte, die viele bereits kennen, lauten (frei
übersetzt):
"Ich
bin, wie Du wohl weiß,
des Fjellets Mann,
und deshalb reise ich gen fjells
so oft ich kann".
William Cecil Slingsby:
(1849-1929):
Der
Engländer Slingsby interessierte sich schon in jungen Jahren für
Norwegen, u.a. durch das Buch "Feats on the fjord". 1872 kam er
zum ersten mal nach Norwegen und reiste zusammen mit seinem Reisegefährten
durch Südnorwegen und u.a. über das Sognefjell, wo er zum ersten mal den Store
Skagastølstind sah und sich auf der Stelle abgrundtief in ihn
verliebte, oder wie er schreibt: "...Niemals solange ich lebe, werde
ich meinen ersten Anblick des Skagastølstinds vergessen. Unser Führer
erzählte, er sei Norwegens höchter Berg und sicher unbesteigbar. Ist es so
verwunderlich, daß ich beim Anblick dieses trollhaften Bergs, der sich in der
Sommersonne mit Schultern und Kopf über seine Kameraden erhob, beschloß, ihn -
wenn möglich - einmal in der Zukunft als erster zu besteigen?..."
Und genau diesen Beschluß zu realisieren, gelang Slingsby vier Jahre
später.
1873 wurde er verhindert, wie gewünscht nach Norwegen zurückzukommen, doch
1874 kam er wieder, und zusammen mit seinen Gefährten war er der erste, der
Hurrungane durch den Ringskadret durchquerte, er bestieg den Galdhøpiggen
und unternahm seine erste Erstbesteigung auf den Memurutind
V-1. Er unternahm diesen Sommer auch einen Versuch, den Store Skagastølstind
zu besteigen, mußte aber wegen schlechten Wetters aufgeben.
Schon im Jahr danach, im Juli war Slingsby zurück in Norwegen, diesmal zusammen
mit seiner Schwester. Sie bestiegen den Glittertind
zusammen, sie als erste Frau. 1876 plante er einen Sommerfeldzug in Jotunheimen
zusammen mit dem Norweger Emanuel
Mohn. Sie wärmten sich mit einer Tour auf den Kalvehøgdi auf, bevor sie eine
Erstbesteigung nach der anderen absolvierten: Østre
Torfinnstind, Galdebergstind,
Uranostind,
Slingsbytind
und
Jervvasstind.
Bei letzerem bekam Mohn die Ehre, als erster seinen Fuß auf den Gipfel zu
setzen, da es sein Lieblingsberg war. Im Gegennzug sollte Slingsby die gleiche
Ehre beim Store Skagastølstind bekommen.
Den Abend nach der Besteigung des Jervvastinds übernachteten sie auf Vormeli,
wo vorher kaum ein Tourist zu Gast gewesen war. Der Tag danach begann mit eher
schlechtem Wetter, aber da Knut Lykken von Valdres, welchen die beiden als
Führer engagiert hatten, nicht länger Zeit hatte, unternahmen sie einen
Versuch. Der Bericht über diese Tour ist zum Klassiker norwegischer
Bergsportgeschichte geworden. Kurz erzählt, stiegen sie auf dem Gletscher, der
heute Slingsbybreen heißt, Mohn und Lykken ohne Steighilfe (das, was der
Vorläufer eines Steigeisens war). Erschöpft von dem anstrengenden Anstieg
blieben sie in dem zwischen Store und Vesle Skagastølstind Einschnitt stehen,
der heute Mohns Skar heißt, und warteten, während Slingsby allein Eis und
schnebedecktem Fels trotzte und den Gipfel bestieg, von dem er geträumt hatte,
seit er ihn 1872 zum ersten Mal sah. Über die Besteigung sagt Slingsby selbst: "..
Ich für meinen Teil hätte nie versucht, an einem anderen Ort unter solchen
Verhältnissen auf einen solchen Berg zu klettern. Aber der Skagastølstind war
der, auf den ich all meine Energie konzentriert hatte, und ich denke immer mit
einem Gefühl von Ehrerbietung zurück an die 518 Fuß (knapp 200 m), die ich
allein geklettert bin. Dies war eine Begebenheit in meinem Leben, die ich nie
vergessen werde..."
Im Jahr darauf kam Slingsby wieder nach Norwegen und erstbestieg zusammen mit
Anfind Vetti und dem Geologen Reusch den Stølsnostind. Slingsby
sagt über den Stølsnostind : "...Ich kenne keinen anderen Gipfel in
Jotunheimen, der so viel Spaß macht, ihn zu besteigen, darüberhinaus relativ
ungefährlich ist und eine so großartige Aussicht bietet....".
Im Herbst 1880 war Slingsby mit Sulheim zu nGast auf Vormeli, um in Jotunheimen
Ende Oktober auf Bärenjagd zu gehen. Die Winterstimmung über Hurrungane
hinterließ einen großen Eindruck auf ihm. Sie bekamen keinen Bären, aber
statt dessen eine äußerst anstrengende Tour im Tiefschnee durch das Utledalen
von Vormeli nach Vetti.
1881 überquerten er und Johannes Vigdal den Jostedalsbreen von Tunsbergsdalen
im Osten zum Kjenndalsbreen und auf ihm hinunter im Westen. Dieser Eisfluß war
nie vorher begangen worden. Der Abstieg auf dem Kjenndalsbreen war nach
Slingsbys eigener Meinung eines der gefährlichsten Unternehmen, an dem er
teilgenommen hat. Später im Sommer erstbestieg er zusammen mit Vigdal den Store
Hellstugutind und den Mjølkedalstinden.
Gegen Ende des 19. Jhs gab es große Veränderungen im Bergsport in Norwegen.
Als Slingsby seine pionierartigen Expeditionen im norwegischen Gebirge begann,
wurden die Gipfel als etwas Unbesteigbares angesehen, was nicht einmal Sinn
machte, auch nur zu besteigen zu versuchen. Als Slingsby 1872 über das
Sognefjell reiste, beschreibt er mit Humor folgende Szene, die die Kenntnis und
Ansicht der Lokalbevölkerung über die Gipfel zu der Zeit illustriert: "...Als
wir da standen, konnte ich drei schöne Gletscherpässe zum Skagastølstind
sehen, die zu näherem Erforschen einluden. Als ich diese unserem Führer
zeigte, wurde sein Gesicht, welches im Vorwege lang und dünn war, sichtbar
länger, und das Wort 'unmöglich' war alles was wir hörten..."
Dies veränderte sich schnell gegen Ende des Jahrhunderts, auch aufgrund von
Pionieren wie Slingsby und dem dänischen Kletterer Carl Hall. Mit der Zeit
entstand in Turtagrø ein regelrechtes Klettermilieu, wo zwei Hotels in 1890iger
Jahren errichtet wurden.
Slingsby war auch an anderen Orten in Norwegen und unternahm Erstbesteigungen
sowohl in den Sunnmørsalpen (von denen er fand, daß sie das Wildeste waren,
das es gab, egal ob man Norwegen oder die Alpen als Vergleich nahm) und in
Nordnorwegen.
Denjenigen, die mehr über Slingsby lesen möchten, empfehlen wir seine eigene
Berichte über seine Norwegen-Reisen mit dem Titel "The northern playground"
(auf Englisch), wo zusätzlich zu seinen detallierten und humorvollen
Schilderungen vieler seiner Touren auch ein interessantes Bild über die
Verhältnisse in und um norwegische Gebirgssiedlungen gegen Ende des 19.
Jahrhunderts gezeichnet wird.
Gjendine Slålien
(1871-1972):
Im
Sommer
1871 wurde Gjendine in dem Steinschuppen bei Gjendebu geboren, welcher heute
noch steht und eine kleine Ausstellung über Gjendine beherbergt. Kurz
darauf kam ein Pfarrer mit einigen Touristen vorbei. Der Pfarrer schlug vor, sie
Gjendine zu nennen, und mit dem Wasser des Gjende und den Touristen als Paten
wurde sie am 24.07.1871 getauft. 1877 traf sie Jo
Gjende zum ersten und einzigen Mal, als er um eine Übernachtung
bat, nachdem er im Alter von 81 Jahren (!) über den Gjende gerudert war, etwas
das großen Eindruck auf Gjendine machte. In ihrer Kindheit war Gjendine jeden
Sommer mit dem Vieh der Familie drinnen am Gjende, und in einigen Jugendjahren
konnte sie bis zu 3-4 Wochen hier alleine mit den Tieren am Westende des Gjende
sein. Später arbeitete sie im Sommer auf den Sennen als Melkerin und Hirtin und
mehrere Jahre auch als Dienstmädchen auf den Höfen im Tal. Es war in einem
Sommer, als sie als Hirtin und Melkerin auf Skogadalsbøen arbeitete, als sie Edvard
Grieg traf, welcher von ihrem Gesang so fasziniert wurde, daß er die
Weisen niederschrieb und sie in seinen Kompositionen benutzte. Edvard Grieg
reiste mehrere Jahre nach Jotunheimen, zusammen mit seinem Freund Franz Beyer.
Im Sommer 1891 war auch der niederländische Komponist Julius Röntgen dabei.
Röntgen warb später um Gjendine, doch sie lehnte ab, da sie sich nicht
vorstellen konnte, von Bøverdalen und den Bergen fortzureisen. Sie pflegte
jedoch eine lebenslange Freundschaft mit Röntgen und seiner späteren Frau.
Gjendine heiratete Halvor Slålien, welcher aus der gleichen Gegend kam, in der
sie aufgewachsen war, und die beiden bekamen zwei Kinder.
Neben dem Hof, den sie mit ihrem Mann bewirtschaftete, arbeitete sie teilweise
auch auf einigen der Berghütten in Jotunheimen, u.a. auf Krossbu. Zu Beginn der
1900er Jahre war darüberhinaus die holländische Königin Wilhelmina mit ihrer
Tochter mehrere Jahre in Jotunheimen, und Gjendine wurde gefragt, ob sie bei
Bergtouren eine Art Hofdame sein wollte, ein Angebot, welches sie annahm. Man
nimmt an, daß die Königin über Röntgen von Gjendine erfahren hatte, aber es
ist auf jeden Fall bekannt, daß es der niederländische Hof war, der Kontakt
mit Gjendine aufnahm.
Gjendine wurde über 100 Jahre alt und war im Großen und Ganzen bis kurz vor
ihrem Tod bemerkenswert agil und gesund. Sie hatte ein natürliches und
gewinnendes Wesen. Dies, den Namen, den sie bekam, zusammen mit den Umständen
ihrer Geburt, und nicht zuletzt die Tatsache, daß Edvard Grieg sie und ihre
Lieder bekannt machte, führte dazu, daß Gjendine eine gewisse Berühmtheit
erlangte. Sie wird für allezeit mit Jotunheimen und nicht zuletzt Gjende und
Gjendebu in Verbindung gebracht werden.
Diejenigen, die die Steinhütte, in der sie geboren wurde, sehen möchten,
können nach Gjendebu
fahren (oder wandern?), wo die Hütte heute noch steht.