Der Wasserlauf der Sjoa:
Bis zu dem Zeitpunkt, da das norwegische Parlament beschloß,
die Sjoa dauerhaft unter Schutz zu stellen, gab es einen langen Streit zwischen
Energiegewinnungsinteressen und Naturschützern. Zum Glück gewannen ihn die
letzteren. Der Wildwasserfluß Sjoa beginnt seinen Lauf zum Gudbrandsdalslågen
am Ostende des Gjende. Von hier fließt
er nordostwärts durch die zwei Seen Øvre und Nedre Sjodalsvatnet, bevor er in
zahlreichen Kaskaden und Wasserfällen dem Sjoadalen abwärts folgt. Hier
markiert der Fluß Jotunheimens Ostgrenze. Das Sjoadalen ist wald- und
wildreich, und in den Zwergweidenbüschen entlang des Flußlaufes leben z.B.
Blaukehlchen und an dem steinigen, rasch fließenden Wasser ist Norwegens
Nationalvogel, die Wasseramsel zu Hause. Auf dem Naturlehrpfad Hulderstigen
(Hexensteig) kann man viel über die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch die
Geologie des Sjoatales und der Sjoa lernen. Etwas weiter talabwärts schießt
der Fluß schäumend durch eine schmale Klamm, die als Ridderspranget
(Rittersprung) bekannt ist (klicken Sie, um die Sage zu lesen die sich um diese
Stelle dichtet). Noch weiter unten bei Randsverk biegt die Sjoa ostwärts und
vereinigt sich nach einer Weile mit dem Fluß Nordre Murua. Die letzten
Kilometer durch das traditionsreiche Heidalen mit seinen alten, hervorragend
erhaltenen Höfen im Gudbrandsdalstil zum Ort Sjoa sind Norwegens am besten
bekannte Raftingstrecke. Mehrere Firmen bieten hier Wildwasserrafting an.

Ridderspranget:
Es geht eine alte Sage, die die Geschichte erzählt, wie diese schmale
Klamm, über die man springen kann, ihren Namen bekommen hat. (Nicht selber
ausprobieren, selbst wenn es geht. Es ist lebensgefährlich!) Die Sage geht
folgendermaßen:
«Auf dem Hof Sandbu in Vågå wohnte ein altes,
einflußreiches Rittergeschlecht mit Namen Gjæsling. Es konnte seine Wurzeln
bis zu Olav dem Heiligen, der das Land christianisiert hatte, zurückverfolgen.
Vor rund 700 bis 800 Jahren lebt ein Ritter mit Namen Ivar Gjæsling auf Sandbu.
Zur gleichen Zeit lebte ein Ritter auf dem Hof Kvie im Valdres, Sigvat hieß er,
welcher mit dem Geschlecht Gjæsling im Streit um die Fischrechte im See
Heimdalsvatnet lag. (Sigvat von Kvie ist in Vang, wo sein
Hof lag, auch als Sigvat von Leirol bekannt. Sein Wappen ist heute das kommunale
Wappen Vangs). Traf er am See auf Ivars Männer, so bekamen diese grausam
Schläge und Hiebe und Hütten und Bootshäuser wurden angezündet. Und kam Ivar
mit bewaffneten Männern zurück, um sich zu rächen, wagte Sigvat nichts
anderes, als sich zu Hause auf Melbu zu verbergen, denn Ivar herrschte über
stärkere und zahlreichere Männer als Sigvat. Zusätzlich zu diesen
Streitigkeiten um die Herrlichkeiten des Heimdals geschah etwas anderes, welches
den Haß zwischen den beiden Männern nicht eben dämpfte.
Auf Nordi Skårvangen in Vågå wuchs ein Mädchen auf, welches wegen seiner
makellosen Schönheit im ganzen Tal bekannt war. Sie wurde unter den Leuten im
Tal bald nur Sonne von Skårvangen genannt. Ivar
Gjæsling besaß Höfe oben auf Skårvangen und sah sie öfters, wenn er dort
oben nach dem Rechten sah. Das Mädchen zog ihn immer stärker an. Als sie
erwachsen geworden war, wollte er, daß sie mit ihm hinunter nach Sandbu kam, um
dort auf seinem Herrenhof zu scheinen. Aber bevor er so weit gekommen war, hatte
Sigvat Kvie auf die eine oder andere Weise die Sonne von Skårvangen zu Gesicht
bekommen und war mit ihr bekannt geworden. Da er der schönere der beiden
Männer war, war er es, der ihr Wohlwollen erlangte. Da dies Ivar Gjæsling zu
hören bekam, verstand er, daß sie oben auf Skårvangen nicht länger sicher
war, wenn sie die seine werden sollte. Gegen ihren Willen wurde sie nach Sandbu
geführt. Aber bevor er ein ordentliches Gastmahl halten konnte, um sie zum
Gemahl zu nehmen, mußte er für den König eine Besorgung in Lesja und Dovre
erledigen, weshalb er einige Tage fortreisen mußte. Er nahm seine besten
Männer mit sich und ritt von dannen, während nur einige Wachtposten und
Arbeitsknechte auf dem Hof zurückblieben.
Kaum war Ivar Gjæsling zum Hof hinaus, sendete die Sonne von Skårvangen einen
Eilboten über das Gebirge nach Melbu und gab Sigvat zu verstehen, daß sie nun
im Käfig saß. Wollte er kommen und sie auslösen, solle er kommen solange der
Falke aus dem Haus war, lautete die Botschaft. Sigvat ließ sich nicht zweimal
bitten und eilte mit allen Männern, die er hatte, über das Gebirge, tötete
alle Wächter und Knechte auf Sandbu, hob die Sonne von Skårvangen vor sich in
den Sattel und ließ Sandbu anzünden. Als er nordwärts ritt, drehte er sich im
Sattel um und sah die Flammen hoch über Sandbu lodern, worauf er ausrief:
"Nun kräht der Rote Hahn über der Wolfshöhle!"
Aber noch bevor die Grundmauern auf Sandbu niedergebrannt waren, war Ivar
zurück. Er verstand den Zusammenhang und daß der, der ihm die Sonne von
Skårvangen geraubt hatte, nicht weit gekommen sein konnte. Der Kvie-Ritter und
sein Gefolge ritten im Galopp, bis sie nach Fuglseteren am See Tesse kamen, wo
sie ein paar Stunden während der tiefsten Nacht ausruhen wollten. Aber im
Morgengrauen holten Ivar Gjæsling und seine Männer ihn ein. Ein aufmerksamer
Wächter warnte Sigvat, der sich mit der Sonne von Skårvangen aufs Pferd warf
und den kürzesten Weg zur Veoflya nahm. Sein Waffenträger folgte ihm, alle
anderen seiner Männer jedoch wurden hinter ihnen auf den Almenwiesen bis zum
letzten Mann niedergemacht. Der Ritter aus Valdres ritt nun ums Leben,
aber hinter ihm kamen Ivar und seine Männer immer näher. Sein Pferd war kurz
vor dem Zusammenbrechen und den einzigen Ausweg, den er nun noch sah, war auf
die Sjoa zuzuhalten. Er kannte die Stelle, wo der Abstand zwischen den
überhängenden Felsen nicht größer war, als daß man mit einem ordentlichen
Satz vielleicht über die weißschäumenden Wassermassen hinüberkommen konnte.
Die Gjæslinger waren nun nur noch einen Steinwurf hinter ihm, es gab keinen
anderen Ausweg. Mit der Sonne von Skårvangen in den Armen tat er auf dem
erschöpften Pferd den Sprung - und schaffte es! Sein Waffenträger sprang ihm
schnell nach, aber da drehte sich Sigvat um und stieß ihn rückwärts hinunter
in die tosenden Wassermassen! Damit wußten Ivar und seine Männer, daß es
ihnen genauso gehen würden, wenn sie ihm nachfolgen würden. Mit gezogenem
Schwert wartete Sigvat auf den, der es wagen würde. So konnte er seine
Verfolger stoppen. Er schaffte es auch zurück über das Gebirge und meinte,
daß er seine Ehre nun behalten hätte, da er alle seine Männer bei dem Feldzug
verloren hatte. Aber der König verurteilte ihn später dazu, Ivar Gjæsling das
Heimdal mit dem See zum Eigentum zu übergeben. Die enge Klamm der Sjoa, wo
Sigvat sich mit dem Mädchen in den Armen hinüberrettete, heißt seitdem
Rittersprung - Ridderspranget. »
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