Wintertouren im Hochgebirge - was man wissen sollte:

 

Wenn man seine Langlauf-Erfahrungen im Wald und Flachland gemacht hat und nun (zum ersten Mal?) eine Bergskitour im norwegischen Fjell (= Hochgebirge) unternehmen möchte, sollte man sich über ein paar Dinge im Klaren sein: 
Obwohl man ständig solch einladende Postkartenfotos von Ostertouren im Gebirge sieht und eine Bergtour mit Skiern (man muß dabei nicht unbedingt Berge besteigen; es reicht, in windausgesetztem Fjellterrain unterwegs zu sein) etwas wirklich Großartiges ist, weicht die rauhe Wirklichkeit in der Regel von der Postkartenidylle ab (was nicht bedeutet, daß man nicht auch sie erleben kann). 
Im Fjell ist es der Wind, der unausgesetzt das Terrain und die "Loipen" formt. Der Wind ist im Gebirge das größte Problem und die größte Gefahr, und kann einen sonnigen, warmen Tag zu einem kalten, stürmigen Erlebnis werden lassen.
Der Wind bewegt den Schnee in einem fort, baut mit ihm und packt ihn zu einer harten, unebenen Oberfläche. Losen Tiefschnee findet man deshalb im Gebirge nur an sehr windgeschützten Stellen oder direkt nachdem es geschneit hat. Die Oberfläche ist in der Regel sehr ungleichmäßig. Partien, wo der Schnee locker und trocken liegt, und harte, eisige Partien wechseln einander ab. Außerdem hat Schnee die erstaunliche Tendenz, sich auch im flachen Gelände zu Verwehungen und Ungleichmäßigheiten aufzuschichten, so daß manchmal eine kleine Abfahrt zur reinsten Buckelpiste wird.  
Zusätzlich zum Verformen der Schneedecke kann starker Wind den Schnee auch mehrere Meter hoch aufwirbeln, so daß man wie in einem Schneesturm unter erbärmlichen Sichtverhältnissen geht, obwohl keine einzige Wolke am Himmel steht. 
Beachten Sie auch, daß man einerseits sehr leicht und schnell vorwärts kommt, wenn man den Wind im Rücken hat, daß es aber andersherum enorm schwer sein kann (schwerer als zu Fuß) gegen den Wind zu gehen (vor allem, wenn die Skier zu glatt sind). 
Wir möchten keineswegs (potentielle?) Bergskiläufer abschrecken - Bergskilaufen kann grandiose Erlebnisse bieten - wir möchten nur deutlich machen, daß es weit anstrengender und anspruchsvoller ist, als in einer gespurten Loipe zu gehen. 
Entsprechend wichtig (u.U. lebenswichtig) sind die richtige Ausrüstung und das Orientierungsvermögen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Viele der Winterrouten, die wir auf unseren Seiten unter den einzelnen Wandergebieten beschrieben haben, sind entweder überhaupt nicht oder frühestens ab den Winterferien (Mitte Februar) markiert, viele sogar erst über Ostern, wenn (fast) alle Norweger auf ihren Skiern gen Gebirge aufbrechen. Der DNT kann unter der Tel. (++47) 22 82 28 00 / Fax (++47) 22 82 28 01 Auskunft darüber geben, inwieweit Routen markiert sind. Ratschläge des DNT zu Wintertouren im Hochgebirge entlang markierter Routen finden Sie hier.
Das soll nicht heißen, daß man die beschriebenen (und andere) Touren nur über Ostern gehen kann, es stellt nur größere Ansprüche an das Orientierungsvermögen (Umgang mit Karte und Kompaß) und die Erfahrung mit dem Winter im Gebirge, wenn man anderswann geht.



Wintermarkierungen im Fjell 


Folgen Sie auf der Karte mit
Das Markieren von Loipen im Fjell erstetzt nicht den Gebrauch von Karte und Kompaß.
Orientieren Sie sich im Voraus, wo die Route verläuft. Einige der Routen sind auf Wanderkarten eingezeichnet, (u.a. auf einzelnen Karten der Wanderkartenserie von Statens kartverk im Maßstab 1:50.000; auf den normalen M711-Karten sind keine Winterrouten eingezeichnet.) doch die Trasse kann von Jahr zu Jahr geändert werden. Sie ist abhängig von den Schneeverhältnissen und der Lawinengefahr. Auch der Zeitpunkt der Markierung kann bei widrigen Verhältnissen hinausgeschoben werden. Fragen Sie auf den Touristenhütten oder beim DNT (Tel. +47 22 82 28 00 oder Internet http://www.turistforeningen.no)
Verlassen Sie sich nicht unbedingt auf die Markierungen. Die Zweige können umfallen, wegwehen, zuschneien oder von Rentieren aufgefressen werden. Folgen Sie auf der Karte mit, so daß daß Sie jederzeit wissen wo Sie sind und erwägen können umzukehren, sich einzugraben oder einen anderen Weg zu wählen.

Folgen Sie der Markierung
Die Markierung verläuft meistens in geraden Linien.
Der Abstand zwischen den einzelnen Zweigen beträgt 15 bis 40 Meter. Bei Abfahrten führt die Markierung gerade abwärts. Sie müssen selbst entscheiden, wann und wo Sie schwingen wollen, doch verlieren Sie die Markierung nicht aus den Augen. 
Auf Gletschern und in Steilhängen sollten Sie sich genau an die Markierung halten. Abseits der Route können gefährliche Spalten sein oder Lawinengefahr herrschen. Auf aufgestauten Seen kann das Eis entlang der Ufer und abseits der markierten Route unsicher sein. 

Denken Sie mit
Wenn die Markierung einmal aufhören sollte, sollte der letzte in der Truppe die letzte Markierung nicht verlassen, bevor die nächste gefunden ist. Dies ist einer der Gründe, weshalb man nicht allein gehen sollte, auch nicht entlang einer markierten Route. (Hier sind wir nicht unbedingt der gleichen Meinung. Lesen Sie auch unseren Kommentar zu der allgemeinen Bergwanderregel Nr. 7.)
Unter schwierigen Verhältnissen kann es unmöglich sein, der Markierung zu folgen. Brauchen Sie nicht Ihre letzten Kräfte dafür auf, sondern suchen Sie sich eine geeignete Stelle, sich einzugraben. (Siehe unsere Seiten über das Anlegen eines Notbiwaks und einer Schneehöhle.  )

Helfen Sie uns
Richten Sie umgefallene Markierungen wieder auf und geben Sie auf der nächsten Berghütte Bescheid, wenn Markierungen fehlen. 

Routenbeschreibungen
Das Buch «på ski i fjellet» (NOK 60,- für DNT-Mitglieder) beschreibt alle DNT-Winterrouten, auch die nicht markierten. 


Auf unseren Seiten finden Sie außerdem folgenden relevanten Stoff über das Fjell im Winter:

Bauen einer Schneehöhle

Bergwanderregeln mit Kommentaren

Packliste für Wintertouren

Winterausrüstung

Lawinen

Die meisten der angegebenen Seiten und noch viel mehr andere praktische Wander-/Skitoureninformation finden Sie auf unseren Praktisches-Seiten.