Tourbericht über unsere zweitägige Skitour 
von Beitostølen nach Ranheimsbygda im März 2000

Tag 1
An einem Samstag im März packten wir unsere Rucksäcke und fuhren mit dem Bus von Fagernes hinauf nach Beitostølen, denn wir hatten beschlossen, per Ski zurück zu uns nach Hause zu gehen und unterwegs eine Zeltübernachtung einzulegen.
Viele Langläufer absolvieren große Teile oder die gesamte 70 km lange Loipe von Beitostølen nach Danebu an einem Tag, doch wir wollten uns erstens etwas Zeit dafür nehmen und gern das ganze Wochenende dafür verwenden. Morten wollte schon immer mal unser "Vier-Jahreszeiten-Zelt" im Schnee ausprobieren, und ich hatte einen neuen Winterschlafsack, der natürlich getestet werden wollte. Jetzt konnte ich mich nicht mehr drücken. Die Winterübernachtung war also der Hauptgrund für die Tour. Da wir auch die "Danebu-Loipe" schon lange mal gehen wollten, und sich die beiden Dinge mehr oder weniger perfekt kombinieren ließen, warteten wir eigentlich nur noch auf die passende Gelegenheit. Im März sollte es sein, wenn die Tage schon länger waren und die Nächte nicht mehr so kalt.

Auf der Fahrt nach Beitostølen an jenem Vormittag war das Wetter wenig einladend, doch schon als wir in  Beitostølen ankamen, schaute die Sonne zwischen den Wolken hervor. Wir kauften im Supermarkt schnell unseren Proviant ein, und um 13.00 Uhr schulterten wir die Rucksäcke und gingen per Ski die Alpinabfahrt hinauf, die zum Beginn der Loipe führt. Wir hätten natürlich auch den Lift nehmen können, aber mit Rucksäcken ist das auch nicht so ideell, und außerdem haben wir das aus "Sparsamkeit" noch nie gemacht, wenn wir in Beitostølen langlaufen waren. Um die Abfahrt die Piste hinunter zum Schluß zu verdienen, muß man eigentlich erstmal zu Fuß hinauf, finden wir.

Die Skifahrer schauten uns natürlich an, als ob wir  Marsmännchen wären, und das eine oder andere Mal mußen wir schon stehenbleiben, um wieder zu Atem zu kommen. Oben angekommen, bogen wir erwartungsvoll auf die "rote 1" in Richtung Süden ein (siehe Bild oben). Am Horizont vor uns sahen wir den Rundemellen, einen charakteristischen Berg, den wir am nächsten Tag passieren würden. Waren wir daran vorbei, so hatten wir beinahe die Region um den Skardåsen erreicht, wo wir oft unsere Sonntagsnachmittagsskitour gingen. Im Grunde hatten wir unser Ziel also von Anbeginn vor Augen.
Dies war meine erste Skitour mit Rucksack, und das Gewicht hemmt die Geschwindigkeit schon gewaltig. Dazu kam, daß wir mehrmals anhielten, um einige Fotos zu machen. Bald biegt die Loipe ostwärts, und man muß die erste klitzekleine Steigung hinauf. Am Südostende des Olevatnet biegt dann die Loipe nach Danebu von der roten 1 nach Süden ab. Wir hatten keine Ahnung, ob alle Teile präpariert waren, denn an windausgesetzten Stellen lag teilweise recht wenig Schnee, doch zu unserer Freude war dem so.
Sobald wir die rote 1 verlassen hatten, waren wir mehr oder weniger allein unterwegs. Der Himmel zog sich wieder etwas zu, und es wurde sehr windig. Vor einem längeren Aufstieg legten wir eine kurze Pause ein, bei der wir einen Bissen aßen, doch es wurde sehr schnell kalt und ziemlich ungemütlich. Irgendwie kamen wir viel langsamer vorwärts als wir gedacht hatten (daran war ziemlich sicher ich schuld), doch wir hatten noch eine weite Strecke vor uns. Wir wußten noch nicht, wo wir übernachten würden und wollten einfach gehen, so weit wir an diesem Abend vor Sonnenuntergang kamen. Doch es war schon klar,  daß wir im Grunde mindestens die Hälfte der Strecke schaffen wollten. 

Am späten Nachmittag kam dann die Sonne wieder durch, und wir genossen einen schönen Abschnitt zum Yddin-See hinunter . Der Skaget , ebenfalls ein geschätztes Sonntagsskiziel von uns, leuchtete in der Abendsonne. Ein zugeschneiter traditioneller Skigard-Zaun und einige Hasenspuren gaben ebenfalls ein stimmungsvollen Abendmotiv .
Wir fanden ein hölzernes Bretterplateau neben der Loipe, auf dem wir das Zelt aufbauten. Es war kalt, und wir rechneten mit rund -15°C in dieser Nacht. Die Apfelsinen, das Frühstück für den nächsten Tag (vorbereitete belegte Brote) und eine Wasserflasche wanderten in den Schlafsack, und wir kuschelten uns warm angezogen mit dazu.

Tag 2
Wir froren etwas in dieser Nacht, obwohl wir gut angezogen waren und gute Schlafsäcke hatten. Unser Atem gefror in der Luft und das Kondenzwasser an der Innenwand des Innenzeltes. Die Wasserflasche, die nicht mit im Schlafsack gewesen war, war durchgefroren. 
Am nächsten Morgen wurden wir von kollernden Birkhähnen geweckt, doch wir hatten kein Fernglas mit und waren viel zu faul, so früh aufzustehen und nach ihnen zu suchen. Bei stiller Luft und Stille rundumher trägt der Schall ja auch sehr weit.
Es kostet immer sehr viel Überwindung, bei beißender Kälte aus dem Schlafsack zu kriechen, sich anzuziehen und in die eiskalten Skischuhe zu schlüpfen. 
Am Vortag hatte ich keine Probleme mit meinen Skischuhen gehabt, doch heute begann der Tag bereits mit Blasen. Der Rundemellen war in Reichweite gerückt, und wir sahen zu, daß wir Land gewannen. Die Sonne schien, alles war so friedlich, und wir genossen das Dasein (bloß meine Füße nicht). Am Vangsjø wurde eine Trinkpause eingelegt (so langsam taute das gefrorene Wasser in der Flasche wieder auf), und dann begann der lange Aufstieg zum Nordfuß des Rundemellen. Oben angekommen öffnete sich endlich der Blick in Richtung Skardåsen und Smørlifjell. Doch bis dorthin war es immer noch weit. Die Höhenmeter, die wir uns vorher hochgeschwitzt hatten, konnten wir jetzt teilweise wieder hinunterfahren. Am Fuße des Skardåsen wurde ein Kinderskirennen organisiert, und ein Stück weit wimmelte es von kleinen Knirpsen auf Skiern um uns herum. Vor dem langen und zu Beginn recht steilen Aufstieg zum Skardåsen hinauf legten wir eine herrliche lange Rast in der Sonne ein und genossen unsere durch die Frostnacht geretteten Apfelsinen. 
Doch dann kam der Endspurt, wir wollten nach Hause (meine Füße am allermeisten). Wir schwitzten uns den letzten langen Anstieg empor und erreichten oben "vertrauten Boden".

Von nun an kannten wir den Weg und wußten genau, wie lange wir noch brauchen würden. Hier sagten wir auch der Loipe nach Danebu auf Wiedersehen und der nach Skrautvål ein freudiges Hallo.
Hinunter nach Skrautvål ging es recht schnell, doch dann kam noch die 5 km lange Strecke entlang der Flutlichtloipe, die wir an unzähligen Abenden schon gegangen waren. Und am Schluß derselben standen wir auch erst oben am Fagerneser Flughafen, weitere 5 Straßenkilometer von Zuhause weg. Wir erwogen, unsere Nachbarn anzurufen und sie zu bitten, uns zu holen, doch es siegte der Ehrgeiz, mit der eigenen Maschinerie nach Hause zu gelangen. Entlang der Straße wollten wir nicht weiter gehen als unbedingt notwenig war, und so suchten wir uns anfangs unseren Weg im Tiefschnee durch den Wald. Die Beine waren müde, die Füße kaputt, der Rucksack schwer, und jeder kleine Abhang durch den Tiefschnee wurde zu einer Wackelpartie, doch zuletzt erreichten wir den Waldweg und nicht allzu viel später auch wieder die Asphaltstraße. Hier schnallten wir die Skier ab und trugen sie den letzten Kilometer hinunter nach Hause. 
Insgesamt hatten wir in eineinhalb Tagen mit schweren Rucksäcken 65 km zurückgelegt. Wenn wir heute an diese Tour zurückdenken, kommen die Erinnerungen an ein herrliches Wintermärchen-Wochenende wieder, welches wir unheimlich genossen haben (wenn man von den letzten 12-15 km absieht).