Von der Jugendgruppe der Skien Telemark Turistforening waren ich und noch ein anderer mit einer kostenlosen Teilnahme an DNTs Tourleiterkurs in Finse gesponsort worden. Dazu sagten wir natürlich nicht nein und fuhren im Juli 1996 in Richtung Finse.
Auf dem Weg nach Finse leiteten wir eine Tour auf den Gaustatoppen unter der regie der Jugendgruppe, bevor wir von Rjukan weiter nach Haugastøl fuhren. Hier parkten wir und nahmen den Nachmittagszug nach Finse.
Etwas gespannt betraten wir die Finsehytta und sahen uns neugierig nach anderen Teilnehmern um. Die meisten waren schon da: ein älterer Herr aus Bergen, ein jüngerer aus Alta, zwei Frauen aus Oslo und ein jüngerer Mann aus der gleichen Stadt, ein
kräfrtiger Kerl von der Insel Stord und ein Däne, der ursprünglich von Grönland stammte.
Bald unterhielten wir uns lebhaft über den Tisch, und die erste "Steifheit" war schon verschwunden. Später tauchten die beiden Kursleiter auf, die noch immer für den DNT arbeiten.
Wir stellten uns alle kurz vor, bevor wir ein wenig über den nächsten Tag sprachen. Wir wurden in zwei Gruppen mit je einem Kursleiter eingeteilt. Ich wurde ausgewählt, schon am nächsten Tag als Tourleiter für die eine Gruppe zu fungieren.
Am ersten Kurstag hatten wir nicht gerade Glück mit dem Wetter. Ich versuchte, Tourleiter zu sein, doch das war nicht so leicht, wenn man ja im grunde doch nicht der Tourleiter ist. Wir gingen Richtung
Sankt Pål (1694
m), bevor wir den Wanderweg verließen, um uns mit der Karte etwas im Terrain zu testen.
Die Zeit verging, und ich fand heraus, daß es nicht so leicht ist, eine Gruppe in gleichmäßigem Tempo zu führen. Immer gab es das eine oder andere. Die geplante Route mußte verkürzt werden, und wir kamen in strömendem Regen geradeso rechtzeitig zum Abendessen zurück zur Hütte.
Am Abend fand die Nachbearbeitung des Tages statt. Ich verstand schon, daß ich an dem Tag nicht unbedingt eine Goldmedaille gewonnen hatte, doch es ist auch nicht so leicht, als Erster zu beginnen.
Am nächten Tag gingen wir eine Tagestour um Finse. Immer neue versuchten sich als Tourleiter, und die ganze Zeit waren wir in zwei Gruppen mit je 4-5 Personen eingeteilt. Einer in jeder Gruppe war Tourleiter und die anderen 3-4 mehr oder weniger zusammenarbeitswillige Teilnehmer. Es machte viel Spaß und war auch etwas lehrreich.
Der dritte Tag war unser letzter normaler Kurstag in Finse. Unsere Gruppe ging auf den
Store Finsenuten (1599
m). Nach dem Abendessen an diesem Tag waren wir bereit zur "großen Probe".
Am Abend gingen wir los nach Rembesdalsseter (siehe Tour FH08), wofür wir die halbe Nacht brauchten. Nun waren die Grupen nicht mehr aufgeteilt. Mein Reisekamerad von Skien wurde als Tourleiter ausgewählt, und gegen 19.00 Uhr marschierten wir los.
Auf dem Weg hoch zum Hardangerjøkulen wurde das Wetter schlechter, und wir waren schnell von Nebel und Nieselregen eingeschlossen. Die Laune war dagegen großartig, und mehrere sangen Wanderlieder.
In ungemütlichem kalten Wetter probierten wir Windsäcke als Quartier für eine Essenspause. Mit der Zeit wurde es auch recht dunkel und der Nebel verdichtete sich. Einmal verloren wir uns etwas, was die Spannung steigerte, und später mußten zwei umkehren, weil etwas bei einer Trinkpause vergessen worden war. In der Morgendämmerung kamen wir in Rembesdalsseter an. Obwohl wir leise waren, konnten wir nicht verhindern, daß die, die schon schliefen
(darunter eine Gruppe Dänen) geweckt wurden und überhaupt nicht verstanden, was vorging.
Nach einem etwas längeren Morgen im Bett, doch trotzdem sehr kurzem Schlaf, gab es am Frühstückstisch bei einem großen Topf Haferflocken eine Theoriebesprechung. Erfahrungen und Meinungen von der nächstlichen Tour wurden ausgetauscht und die Tour desselbigen Tages vorbereitet. Die nächste nacht sollten wir draußen schlafen, und so wie das Wetter aussah, konnte das spannend genug werden.
Wir folgten zuerst dem Weg ein Stück zurück in Richtung Finse, bevor wir ihn verließen.
Dann mußten wir über einen Fluß, wo es keinen anderen Ausweg gab, als zu waten. Es war kalt und neblig feucht. Nicht gerade Traumwetter für eine Flußdurchwatung. Mehrere von uns, darunter auch ich, hatten noch nie vorher Eiswasser durchwatet, und die Reaktionen ware unterschiedlich. Einige hatten überhaupt keine Lust, während andere es sportlich nahmen. Der
kräftige Kerl von der Insel Stord stand so lange draußen in dem 30 Meter breiten eisigen Fluß und half anderen, daß ich noch heute Krämpfe in den Füßen kriege, wen ich nur daran denke. Ich selbst hatte sowieso schon so nasse Füße, daß ich als Erster mit Schuhen an einfach hinüberging.
Weiter ging es in dichtem Nebel und unwegsamen Terrain, bis wir unter einem steilen Vorsprung einen Platz zum Campieren fanden. Einige lagen in einem Felsspalt, andere unter einer kleinen Decke. Es war kalt und ungemütlich, doch das Essen schmeckte jedenfalls gut.

Am nächsten und gleichzeitig letzten Tag bekamen wir, die wir am ersten Tag Tourleiter waren, eine neue Chance, und diesmal ging es besser.
Am letzten Abend führten zwei Teilnehmer aus Oslo eine Balletvorstellung vor, was bei dem Rest von uns einen lachanfall auslöste. Die Wirtsleute von Finse servierten uns Kuchen und wir hatten es sehr gut.
Dann kam die Stunde der Wahrheit, wer bestanden hatte und wer nicht. Jeder mußte einzeln hinein und die Ansichten und Entscheidungen der Kursleiter anhören.
Von den 9 Teilnehmern bestanden 4, 1 teilweise und 4 fielen durch. Wir von der Skien Telemark Turistforening bestanden beide, womit wir selbstverständlich sehr zufrieden waren.
Die Kursleiter reisten ab, während mehrere von uns Teilnehmern bis zum nächsten Tag blieben und eine Gemeinschaftstour in Richtung
Kyrkjedørsnuten (1790 m) unternahmen. Das Wetter war jedoch immer noch nicht besser und wir kamen nie auf den Gipfel.
Wie so oft bei solchen Anlässen wurde darüber gesprochen, daß wir uns wiedertreffen wollten, und wir einigten uns auf ein Treffen auf Stord im Herbst. Die Einladungen wurden verschickt, doch keiner der beschäftigten Teilnehmer hatte Zeit, und das wars.
Nun sind über 4 Jahre vergangen, und wir werden uns wohl nie wiedersehen. Wir beide aus Skien führten nach diesem Kurs zwei weitere Touren als Wanderführer durch. Später zogen wir weg, und damit war damit auch Schluß. Keiner von uns beiden hat danach für den DNT gearbeitet.
Ob die anderen beiden, die den Kurs bestanden, Wanderführer geworden sind, weiß ich nicht.
Doch selbst wenn dieser Kurs nicht so viele neue Tourleiter hervorgebracht hat, war er für uns Teilnehmer ein interessantes, lehrreiches und lustiges Erlebnis. Will man privat an einem solchen Kurz teilnehmen, so kostet dies recht viel, und es sind in erster Linie DNT-Mitglieder, die als Wanderführer arbeiten wollen, die für die Kurse angenommen werden.
