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Die Fjellmassive in der Region Jostedalsbreen/Breheimen stammen von der
Kaledonischen Gebirgsauffaltung vor ca. 400 Millionen Jahren. Diese
Gebirgskette wurde dann durch chemische Verwitterung (Eis
und Gletscher gab es zu dieser Zeit nicht) durch die
Jahrmillionen zu einem ziemlich flachen Plateau aberodiert.
Vor etwa 50 Millionen Jahren hob sich dieses Plateau kräftig an, vor
allem im Westen. Deshalb finden wir heute die höchsten Fjellandschaften
Skandinaviens im Westen, während das Terrain ostwärts nach Schweden
und Finnland flacher und ruhiger wird.
Die Natur (Wasser, Frost und Eis) begann daraufhin mit der mühseligen
Arbeit der Zersetzung dieses Gebirgsplateaus. Die meiste Arbeit der
Verformung der Landschaft zu der, die wir heute kennen, hat zweifellos
das Eis geleistet. Im Laufe der letzten zweieinhalb Millionen Jahre
löste eine Eiszeit die andere ab, und die Geologen haben festgestellt,
daß wir innerhalb dieser Zeit ganze 40 Eiszeiten mit einem Abstand von
je 60- 70.000 Jahren hatten. Das Eis ist eine mächtige Grabmaschine,
und je dicker es ist, desto tiefer gräbt es (der
Zusammenhang zwischen der Dicke des Eises und der Tiefe, die es
ausgräbt ist überproportional). Da das Plateau nach Westen
hin stärker abfiel als nach Osten hin, grub das Eis hier tiefer. Dieser
Effekt wurde noch dadurch verstärkt, daß ständig mehr Eis die immer
tieferen Täler im Westen auffüllte. Vom Gipfel der Lodalskåpa bis zum
Grund des Sognefjordes sind es fast 3.500 m Höhenunterschied. Dies ist
die Hauptursache für die steilen und wilden Landschaftsformen im Westen
im Gegesatz zu den flacheren und ruhigeren im Osten. Entsprechend nahm
auch das Schmelzwasser der Vereisungen hauptsächlich westliche und
nördliche Abflußwege entlang der heutigen Tal- und
Fjordverläufe.
Die höchsten Gipfel des Gebietes, die auch heute aus dem Eis des
Jostedalsbreen herausschauen (Skåla,
Havald-Trede, Lodalskåpa etc.) sind übrigens nie vom Eis
bedeckt gewesen, sondern hier oben findet man Urgesteine, die nie von
irgendwelchem Eis wegtransportiert wurden und demzufolge noch immer an
ihrem ursprünglichen Platz liegen. Eine solche "Insel im Eis"
wird Nunatak genannt.
Die meisten Teile der Region bestehen aus nahrungsarmen Gesteinen wie
Gneis. Dies sieht man deutlich an den Kiefernwäldern im Osten.
Unterhalb der Gletscher im Osten jedoch findet man eine üppige und
artenreiche Vegetation. Dies liegt an dem feinen Schlamm, den die
Gletscher hinterlassen haben; hier sind die Mineralstoffe leicht
zugänglich.
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Lange war man der weitverbreiteten Auffassung, daß der Jostedalsbreen
ein Überbleibsel der letzten Eiszeit sei, doch nachdem die Forscher in
einem Moor bei Sygneskard im Sunndalen (im nordwestlichen Teil des
Jostedalsbreen) konservierte Pflanzenpollen fanden, die zeigten, daß
hier, wo heute die harte Moorbirke ihre obere Wachstumsgrenze hat,
früher Ulmen wuchsen, wurde man anderer Meinung. Ähnliche Funde wurden daraufhin auch u.a. in den
Moränemassen an anderen Stellen rund um den Gletscher gemacht.
Mittlerweile gibt es keinen Zweifel mehr daran, daß der letzten Eiszeit
eine Wärmeperiode folgte (vor 8000 bis 6000
Jahren), während der die Durchschnittstemperaturen rund 2,5
Grad höher lagen als heute. Man nimmt an, daß der Jostedalsbreen in
dieser Periode komplett abschmolz und erst vor 6000 Jahren erneut zu
entstehen begann. Von da an bis heute variierte seine Größe ständig,
und die größte Ausdehnung (ungefähr doppelt
so groß wie heute) erreichte er während der sog. kleinen
Eiszeit um 1750, also vor nur 250 Jahren.
Seit mehreren tausend Jahren
ist die Region um den Gletscher bewohnt. Zuerst kamen die Jäger, die
mit dem Rückzug des Gletschers nach der letzten Eiszeit den Rentieren
folgen. Nach und nach siedelten sie sich an und betrieben Ackerbau.
Diese Menschern haben einerseits unter den Zerstörungen des Gletschers
gelitten und andererseits von dessen fruchtbaren Ablagerungen
profitiert. Der Gletscher diente als vielbenutzte Verbindung zwischen
Ost und West (es war viel kürzer hinüber als um ihn herum). Die Routen
über den Gletscher waren markiert, man trieb das Vieh über ihn nach
Osten zum Markt, und manch ein Mann hat sich seine Frau über den
Gletscher geholt.
Unfälle und Naturkatastrophen nehmen in der Geschichte dieser Region einen zentralen Platz ein. Besonders bekannt sind die beiden großen Lawinen/Erdrutschunglücke im Lodalen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mehr darüber können Sie
hier lesen.
Tourismus:
Im Laufe des 19. Jahrhunders begannen die ersten Touristen, Interesse an der Region Breheimen, und da besonders am Jostedalsbreen, zu
zeigen. Sie wurden über den Lovatnet gerudert und zum Kjenndalsbreen
geführt, und entsprechend im Olderdalen über den Oldevatnet zum Briksdalsbreen
gebracht. Letzterer avancierte schon damals zur Touristenattraktion Nr. 1, nachdem die örtlichen Bauern einen Karrenweg bis an die Gletscherzunge angelegt hatten.
Obwohl sich die meisten Besucher damit zufriedengaben, an der Gletscherzunge zu stehen, gab es auch die, die Interesse am Gletschersport und den Herausforderungen des Gletschers faßten. Unter ihnen waren der englische Bergsportpionier
William C. Slingsby und der Norweger Kristian Bing die ersten.
(Lesen Sie auch die Anekdote über die Entdeckung des
Austerdalsbreen, wo Slingsby und Bing am gleichen Tag von verscheidenen Seiten aus den Gletscher erstbegingen, ohne von einander zu
wissen.)
Jene ersten Gletscherpioniere jedoch, deren Namen heute die Geschichtsbücher schmückt, gingen nicht allein, sondern
sie hatten lokale Gletscherführer dabei. Mit der Zeit wurde auch eine Patentordnung für Gletscherführer eingeführt, die 1890 in Kraft trat und vom DNT verwaltet wurde. Die Ordnung mit den patentierten Führern wurde nicht offiziell abgewickelt, aber der DNT stellte 1976 das letzte Patent aus. Heute geschehen Gletscherführungen entweder unter der Regie des DNT oder lokal ansässiger Gletscherführerfirmen.
Naturschutz und Ausbau zur Energiegewinnung:
Wie an so vielen anderen Orten in Norwegen kam es auch in Breheimen zu Interessenskonflikten zwischen Naturschutz und Wasserkraftausbau. Der Raudalsvatnet im Norden der Region wurde bereits in den 50igern aufgestaut, und etwas später folgte der Tunsbergdalsvatnet, wobei ein Sander überflutet wurde, der noch größer als die Fåbergstølsgrandane war. In den 80igern war dann die Reihe am Jostedalsvatnet mit u.a. einem großen Staudamm oben am Styggevatnet. Viele der frühen Ausbauten geschahen ohne besonders große Proteste von seiten der Naturschützer, später wurde das anders. Doch die
Energieausbauinteressen haben immer über die Naturschutzinteressen gesiegt. Nach langen Kampf wurden 1993 die Wasserläufe in Stryn dauerhaft vor dem Ausbau geschützt. Zwei Jahre vorher war der Jostedalsbreen Nationalpark eingerichtet worden, der u.a. die Fåbergstølsgrandane schützt, und 1985 wurde das Mjølverdalen unterhalb des Nigardsbreen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Für die Zukunft bleibt zu wünschen, daß auch die Regionen weiter östlich in den Nationalpark eingegliedert werden, damit der größte
Teil Breheimens dauerhaft geschützt ist.
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