Gebietsinformation Breheimen Seite 2

 Geologie:


Die Fjellmassive in der Region Jostedalsbreen/Breheimen stammen von der Kaledonischen Gebirgsauffaltung vor ca. 400 Millionen Jahren. Diese Gebirgskette wurde dann durch chemische Verwitterung (Eis und Gletscher gab es zu dieser Zeit nicht) durch die Jahrmillionen zu einem ziemlich flachen Plateau aberodiert. 
Vor etwa 50 Millionen Jahren hob sich dieses Plateau kräftig an, vor allem im Westen. Deshalb finden wir heute die höchsten Fjellandschaften Skandinaviens im Westen, während das Terrain ostwärts nach Schweden und Finnland flacher und ruhiger wird. 
Die Natur (Wasser, Frost und Eis) begann daraufhin mit der mühseligen Arbeit der Zersetzung dieses Gebirgsplateaus. Die meiste Arbeit der Verformung der Landschaft zu der, die wir heute kennen, hat zweifellos das Eis geleistet. Im Laufe der letzten zweieinhalb Millionen Jahre löste eine Eiszeit die andere ab, und die Geologen haben festgestellt, daß wir innerhalb dieser Zeit ganze 40 Eiszeiten mit einem Abstand von je 60- 70.000 Jahren hatten. Das Eis ist eine mächtige Grabmaschine, und je dicker es ist, desto tiefer gräbt es (der Zusammenhang zwischen der Dicke des Eises und der Tiefe, die es ausgräbt ist überproportional). Da das Plateau nach Westen hin stärker abfiel als nach Osten hin, grub das Eis hier tiefer. Dieser Effekt wurde noch dadurch verstärkt, daß ständig mehr Eis die immer tieferen Täler im Westen auffüllte. Vom Gipfel der Lodalskåpa bis zum Grund des Sognefjordes sind es fast 3.500 m Höhenunterschied. Dies ist die Hauptursache für die steilen und wilden Landschaftsformen im Westen im Gegesatz zu den flacheren und ruhigeren im Osten. Entsprechend nahm auch das Schmelzwasser der Vereisungen hauptsächlich westliche und nördliche Abflußwege entlang der heutigen Tal- und Fjordverläufe. 
Die höchsten Gipfel des Gebietes, die auch heute aus dem Eis des Jostedalsbreen herausschauen (Skåla, Havald-Trede, Lodalskåpa etc.) sind übrigens nie vom Eis bedeckt gewesen, sondern hier oben findet man Urgesteine, die nie von irgendwelchem Eis wegtransportiert wurden und demzufolge noch immer an ihrem ursprünglichen Platz liegen. Eine solche "Insel im Eis" wird Nunatak genannt.
Die meisten Teile der Region bestehen aus nahrungsarmen Gesteinen wie Gneis. Dies sieht man deutlich an den Kiefernwäldern im Osten. Unterhalb der Gletscher im Osten jedoch findet man eine üppige und artenreiche Vegetation. Dies liegt an dem feinen Schlamm, den die Gletscher hinterlassen haben; hier sind die Mineralstoffe leicht zugänglich.

 

 Geschichte:


Lange war man der weitverbreiteten Auffassung, daß der Jostedalsbreen ein Überbleibsel der letzten Eiszeit sei, doch nachdem die Forscher in einem Moor bei Sygneskard im Sunndalen (im nordwestlichen Teil des Jostedalsbreen) konservierte Pflanzenpollen fanden, die zeigten, daß hier, wo heute die harte Moorbirke ihre obere Wachstumsgrenze hat, früher Ulmen wuchsen, wurde man anderer Meinung. Ähnliche Funde wurden daraufhin auch u.a. in den Moränemassen an anderen Stellen rund um den Gletscher gemacht.  
Mittlerweile gibt es keinen Zweifel mehr daran, daß der letzten Eiszeit eine Wärmeperiode folgte (vor 8000 bis 6000 Jahren), während der die Durchschnittstemperaturen rund 2,5 Grad höher lagen als heute. Man nimmt an, daß der Jostedalsbreen in dieser Periode komplett abschmolz und erst vor 6000 Jahren erneut zu entstehen begann. Von da an bis heute variierte seine Größe ständig, und die größte Ausdehnung (ungefähr doppelt so groß wie heute) erreichte er während der sog. kleinen Eiszeit um 1750, also vor nur 250 Jahren.

Seit mehreren tausend Jahren ist die Region um den Gletscher bewohnt. Zuerst kamen die Jäger, die mit dem Rückzug des Gletschers nach der letzten Eiszeit den Rentieren folgen. Nach und nach siedelten sie sich an und betrieben Ackerbau. Diese Menschern haben einerseits unter den Zerstörungen des Gletschers gelitten und andererseits von dessen fruchtbaren Ablagerungen profitiert. Der Gletscher diente als vielbenutzte Verbindung zwischen Ost und West (es war viel kürzer hinüber als um ihn herum). Die Routen über den Gletscher waren markiert, man trieb das Vieh über ihn nach Osten zum Markt, und manch ein Mann hat sich seine Frau über den Gletscher geholt.

Unfälle und Naturkatastrophen nehmen in der Geschichte dieser Region einen zentralen Platz ein. Besonders bekannt sind die beiden großen Lawinen/Erdrutschunglücke im Lodalen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mehr darüber können Sie hier lesen.

Tourismus:
Im Laufe des 19. Jahrhunders begannen die ersten Touristen, Interesse an der Region Breheimen, und da besonders am Jostedalsbreen, zu zeigen. Sie wurden über den Lovatnet gerudert und zum Kjenndalsbreen geführt, und entsprechend im Olderdalen über den Oldevatnet zum Briksdalsbreen gebracht. Letzterer avancierte schon damals zur Touristenattraktion Nr. 1, nachdem die örtlichen Bauern einen Karrenweg bis an die Gletscherzunge angelegt hatten. 
Obwohl sich die meisten Besucher damit zufriedengaben, an der Gletscherzunge zu stehen, gab es auch die, die Interesse am Gletschersport und den Herausforderungen des Gletschers faßten. Unter ihnen waren der englische Bergsportpionier William C. Slingsby und der Norweger Kristian Bing die ersten. (Lesen Sie auch die Anekdote über die Entdeckung des Austerdalsbreen, wo Slingsby und Bing am gleichen Tag von verscheidenen Seiten aus den Gletscher erstbegingen, ohne von einander zu wissen.)
Jene ersten Gletscherpioniere jedoch, deren Namen heute die Geschichtsbücher schmückt, gingen nicht allein, sondern sie hatten lokale Gletscherführer dabei. Mit der Zeit wurde auch eine Patentordnung für Gletscherführer eingeführt, die 1890 in Kraft trat und vom DNT verwaltet wurde. Die Ordnung mit den patentierten Führern wurde nicht offiziell abgewickelt, aber der DNT stellte 1976 das letzte Patent aus. Heute geschehen Gletscherführungen entweder unter der Regie des DNT oder lokal ansässiger Gletscherführerfirmen.

Naturschutz und Ausbau zur Energiegewinnung:
Wie an so vielen anderen Orten in Norwegen kam es auch in Breheimen zu Interessenskonflikten zwischen Naturschutz und Wasserkraftausbau. Der Raudalsvatnet im Norden der Region wurde bereits in den 50igern aufgestaut, und etwas später folgte der Tunsbergdalsvatnet, wobei ein Sander überflutet wurde, der noch größer als die Fåbergstølsgrandane war. In den 80igern war dann die Reihe am Jostedalsvatnet mit u.a. einem großen Staudamm oben am Styggevatnet. Viele der frühen Ausbauten geschahen ohne besonders große Proteste von seiten der Naturschützer, später wurde das anders. Doch die Energieausbauinteressen haben immer über die Naturschutzinteressen gesiegt. Nach langen Kampf wurden 1993 die Wasserläufe in Stryn dauerhaft vor dem Ausbau geschützt. Zwei Jahre vorher war der Jostedalsbreen Nationalpark eingerichtet worden, der u.a. die Fåbergstølsgrandane schützt, und 1985 wurde das Mjølverdalen unterhalb des Nigardsbreen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Für die Zukunft bleibt zu wünschen, daß auch die Regionen weiter östlich in den Nationalpark eingegliedert werden, damit der größte Teil Breheimens dauerhaft geschützt ist.

 


Breheimen Gebietsinformation Seite 3 Breheimen Gebietsinformation Seite 1 Zum Breheimen-Portal