Skigeschichte
Soldaten auf Skiern
Die "Telemarker"
Skifahren als Wettkampfsport
Morgedal


Skigeschichte:

Einer der ersten Pioniere und Fürsprecher für das Skifahren als Volkssport in Norwegen war der Polarforscher Fridtjof Nansen.
Doch es waren wohl am meisten die Telemarker, die ein Interesse für den Skisport schufen. Die ersten mehr modernen Skier lassen sich auf die Mitte des 19. Jahrhunderts datieren, und so rollte der Schneeball weiter, über den Husebybakken nahe Oslo zum Holmenkollen. Heute steht der Name Holmenkollen wie ein Qualitätsstempel für guten Skisport.

Doch das mit den Skiern reicht so weit zurück, daß man es zeitlich nicht festmachen kann. Deshalb kann man gut und gerne die Märchenformel "Es war einmal..." für die Entwicklung benutzen, als der Mensch sich ein paar Holzbretter (skiðfjøler) unter die Füße band, um auf den langen Wegen in einem kalten Schneeland leichter und schneller vorwärtszukommen. 

Das Wort Ski kommt von dem altnorwegischen skið, was auf eine Schiene oder ein Stück gehobeltes Holz hinweist. Der Begriff Ski setzte sich erst viel später im internationalen Sprachgebrauch durch, und zusammen mit slalåm bzw. slalom ist es eins der wenigen Wörter norwegischen Ursprungs, die international geworden sind. 
Das Charakteristische an Skiern ist die Gleiteigenschaft, mit der man die Geschwindigkeit mittels Gleiten über den Schnee erhöhen kann.

Die ältesten Skifunde stammen von ca. 300 v. Chr., und man hat u.a. auch Felszeichnungen von Menschen auf Skiern gefunden. (Auf dem Logo oben ist eine solche Felszeichnung abgebildet. Diese stellt wahrscheinlich einen Jäger dar, der sich als Tier maskiert hat, um näher an seine Beute heranzukommen.).
In den verschiedenen Regionen Norwegens entwickelten sich die Skier unterschiedlich. Einige waren kürzer und leichter, andere breiter und länger. Alle waren teilweise kunstvoll verziert und können anhand des Musters der Region zugeordnet werden. In einigen Regionen Norwegens benutzte man eine Zeit lang unterschiedlich lange Skier, einen Langski bzw. "Gleitski", gern bis zu 3 m lang, und einen kurzen "Schwungski", genannt Andor. Den Langski trug man links, den Andor rechts.

Es gab Skier, deren Oberseite ganz flach war (wie es heute üblich ist), und andere, die einen runden oder spitzen Rücken hatten. Einige unterschieden auch zwischen linkem und rechtem Ski. Genau so unterschiedlich waren auch die Unterseiten. Es gab ganz flache und Unterseiten mit einer Längsrille. Diese konnte wiederum eine runde oder kantige Form haben. Auch die Holzart und die Art, wie die Skier aus dem Stamm geschnitten wurden, hatte viel zu sagen. Kiefernskier waren z.B. am besten, wenn sie etwas abgenutzt waren.

Es war so, daß in der Telemark und auch anderswo besonders gute Skimacher ein bestimmtes Gebiet dominierten und bestimmte Skiformen nach ihnen benannt wurden. In Fyresdal sprach man also entsprechend von "Øysæ-Skiern" nach ihrem Hersteller Eivind Øysæ und von "Russ-Skiern" nach Olav Rui. Doch es gab natürlich viele unterschiedliche Zwischentypen. In vielen Siedlungen hatte man auch einen besonderen "Mädchen-Ski", der etwas kürzer und schmaler war.

Die Telemarkskier erreichten eine für ihren Einsatzbereich vollkommene Form. Das Kviteseid-Skimodell, hergestellt von Knut Haugen 1879, gewann den ersten Preis bei dem Huseby-Rennen im gleichen Jahr und bildet noch heute das Grundmuster für die modernsten Abfahrts- und Slalomski aus Kunsstoff. Die Maße: eine lange, abgerundete Spitze, 8,4 cm breit an der breitesten Stelle vorne, 6,9 cm breit in der Mitte und 7,6 cm breit hinten.
Die Ausrüstung (Schuhe, Bindung etc.) jedoch war noch nicht unbedingt auf dem gleichen Niveau wie die eleganten, schnellen Skier. Die entsprechenden Bindungen wurden erst ab ca. 1889 entwickelt, und 1927 wurde die erste Rottefella-Bindung von Bror With patentiert. Rottefella ist noch heute eine der bekanntesten und besten Marken für Langlauf-, Touren- und Telemarkbindungen. With hatte damals Seebergs Patent von 1913 weiterentwickelt und einen Weg gefunden, bei dem der Skischuh nur an den Zehen mittels hochstehenden Eisenstiften, die genau in enstprechende Löcher in den Schuhen passen, und einem Bügel, der den Schuh auf diesen Stiften fixiert, so befestigt wurde, daß der Riemen um die Sohle überflüssig wurde.

Zu Anfang der 70iger kamen die ersten Kunststoffskier, und damit brach eine neue Ära an. Die Skier waren leichter und konnten besser dem individuellen Skiläufer angepaßt werden. Zur WM in Falun 1974 hatten fast alle Teilnehmer Skier aus Glasfiber. Damit gewannen sie fast alle Langlaufrennen, außer dem 15-Kilometer: der Norweger Magne Myrmo war der letzte große Sieger auf Holzskiern (produziert in Norwegen, selbstverständlich).

 

Soldaten auf Skiern:

Zu Beginn der Wikingerzeit wurde einmal ein Feldzug nach Nordnorwegen unternommen, wo die Wikingerkrieger gegen die Ureinwohner unterlagen, weil diese Skier hatten und diese gut zu gebrauchen wußten (es war der dänische Wikinger Ragnar Lodbrok, der nie im Leben gedacht hätte, daß skigewandte "Bauern" einem gutgeübten Kriegerheer überlegen sein könnten).  In der Zeit König Sverres, um 1200, hört man zum ersten Mal von Soldaten auf Skiern.

Die beiden größten skandinavischen Skirennen, der Vasalauf in Schweden (von Sälen nach Mora) und der Birkebeinerlauf in Norwegen (von Rena nach Lillehammer) haben ihren Ursprung im Mittelalter zur Erinnerung an bemerkenswerte Skiläufe aus der Geschichte.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Skifahren auch zu dem wichtigsten Militärsport, und ein guter Skisoldate mußte Skischießen (heute Biathlon), zwei Abfahrtstechniken und Langlauf beherrschen. Zudem mußten sie in der Abfahrt kleine Sprünge zum Passieren unebenen Geländes meistern.
Im 19. Jahrhundert gab es einen Soldaten, der sich durch seine Skikünste besonders hervortat, und über den in allen Schulbüchern eine lange Ballade zu finden ist: Trysil-Knut. Über ihn wurde 1942 der gleichnamige Film gedreht, und er ist noch heute einer der ganz großen Namen innen der Skigeschichte Norwegens.

 

Die "Telemarker":

Die Telemark brachte im 19. Jahrhundert das "perfekte" Skimodell hervor. Hier gab es viele Höfe, die abseits lagen, und das Terrain war hügelig und teilweise steil. Viele hatten kein Geld für Pferd und Schlitten, doch niemand war zu arm, um Skier zu haben. Auch die Frauen mußten das Skifahren lernen. Mit einem Stab in der Hand sausten sie wie die Herren die Hänge hinunter. Diejenigen, die den Dreh raushatten, hatten "den Knick im Knie".
Es war eben in der Telemark, wo die Skier zum "Spaßgebrauch" und für Rennen, also den Skisport entwickelt wurden. 

Dank der steilen Hänge in der Telemark wurde Sondre Nordheim aus Morgedal ein leidenschaftlicher Skiläufer. Er war ein guter Skiläufer und experimentierte viel. Er leitete mit seinen Erfindungen und Verbesserungen der Ausrüstung sozusagen die "Telemark-Epoche" ein. Sein unentwegtes Experimenteren von Schwüngen und Sprüngen führte zur Erfindung der ersten Seilzugbindung: seine geniale Idee war es, die Skier mit Hilfe einer Weidenrute fest mit den Stiefeln zu verbinden. Dadurch wurde das Schwingen erleichtert und das Springen ermöglicht, und die Grundlage für den modernen Skisport war gegeben. Sondre Norheim wird deshalb als Vater des Telemarschwungs bezeichnet, der heute über Norwegen hinaus in aller Welt seine Anhänger gefunden hat.
(Wenn man es ganz genau nimmt, so war die Seilzugbindung, bzw. die Bindungsform, bei der mit Hilfe einer geflochtenen Weidenrute, die um die Sohle der Schuhe lief und die Schuhe fest mit der "Zehbindung", d.h. dem Bogen aus Weidenholz oder Lederriemen, durch den der Vorderfuß gesteckt wurde, verband, schon aus dem 17. Jahrhundert bekannt. Sondre Norheim hat sie wahrscheinlich bei anderen Skifahrern gesehen, sie abgeschaut und verbessert und mit ihrer Hilfe den Telemarkschwung entwickelt.)

Das Besondere des Telemarkschwungs ist, daß man die Füße voreinanderstellt (den Außenski vor den Innenski) und schwingt, indem man das Gewicht komplett auf den Außenski verlagert, in die Knie geht und den Innenski ohne Gewicht mit um die Kurve zieht. Selbstverständlich werden beide Skier parallel geführt!

 

Skifahren als Wettkampfsport:

Mit den Telemarkern entwickelten sich zwei Zweige innerhalb des Skisports: Abfahrt (oder Slalom, wie die alpinen Diszpilinen generell noch heute auf norwegisch heißen; die Spezial-Disziplin Slalom heißt auf norwegisch ebenfalls Slalom) und Skispringen. Grundlegendes Merkmal für beide waren der Telemarkschwung bzw. der Telemark-Aufschlag (beim Springen). Um 1790, als das Skispringen langsam begann, galt es jedoch, vor allem hoch statt wie später weit zu springen. 

1843 fand in Tromsø das erste dokumentierte Skirennen statt. Es war ein Langlaufrennen, vielleicht mit eingebauten Abfahrtsstrecken. Insgesamt wurden in Tromsø in jenem Winter drei Veranstaltungen durchgeführt. 1862 war der nächste Wettkampf, und zwar ein kombiniertes Abfahrts- und Sprungrennen, welches in Trysil veranstaltet wurde. Ein Jahr vorher, 1861, wurde der "Trysil Schützen- und Skiläuferverein" gegründet, der wahrscheinlich die erste Skimannschaft der Welt stellte.
1866 nahm das Ganze schon Formen an, als in der Hauptstadt Christiania in der Arena Iversløkka ein Skirennen organisiert wurde, an dem wohl um die zweihundert Skifahrer teilnahmen, die teilweise aus der Telemark angereist waren. Hier gab es dann auch ein entsprechendes Publikum dafür, darunter eine nicht geringe Anzahl Damen. Elling Bækken aus Soknedal bei Hønefoss gewann jenes Rennen. Er kam auf Skiern nach Christiania und ging direkt nach dem Rennen auf Skiern die 80 km wieder nach Hause.

Einige Jahre später waren der Morgedaler Sondre Norheim und Elling Bækken die schärfsten Konkurrenten. Zum Rennen 1869 in Christiania gingen Sondre und zwei seiner telemarker Kameraden den ganzen Weg auf Skiern, denn die Bahn nach Kongsberg wurde erst im Jahr darauf eröffnet. Fritz Huitfeldt, der später den Telemarkskityp perfektionierte, die Bindung revolutionierte und sein ganzen Leben danach strebte, den Skisport bekannt und renomiert zu machen, sagt über Sondre Nordheims Vorstellung in der Veranstaltung in Iverløkka 1869:
"Ohne Stab, schmalspurig und leicht nahm er (Sondre) die Unebenheiten der Piste, gespannt wie eine Stahlfeder sauste er in den Sprung und ruhig wie ein Vogel schwebte er auf seinen Skiern. Ein kleiner Knick in den Knien zeigte, daß er gelandet war, und einen Augenblick später hatte er mit einem eleganten Telemarkschwung angehalten."

1892 stand die erste Ausgabe der Holmenkollen-Schanze, die 1992 ihr hundertjähriges Jubileum feierte. Die Schanze war aus Zweigen und Schnee aufgebaut und der längste Sprung bei diesem Wettkampf war 21,5 m. Seit den allerersten Anfängen des Skispringens bis heute zeichnet eine saubere Landung im Telemark den Stil des Springers aus.

Die norwegischen Auswanderer nahmen den Skisport mit in die Neue Welt und Ozeanien, introduzierten ihn dort und sorgten damit für seine Internationalisierung.

Während die Telemarker sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts in erster Linie in der Abfahrt und dem Skispringen hervortaten, waren es die Tryslinger, die durch und durch gestählte "Waldkerle" waren, die nie oder selten aufgaben, die auf der 50-Kiloemter-Distanz im Langlauf glänzten. In Trysil war man eben in erster Linie gut darin, auf den Skiern zu gehen.  

Ab 1922 waren es auch mehr und mehr Ausländer, in erster Linie Schweden und Finnen, die bei den Skirennen auf dem Holmenkollen erfolgreich waren. Und etwas später, in den 40ern und 50ern wurden die anderen Nationen in den alpinen Disziplinen, und ab den 50ern auch im Skispringen derart dominierend, daß es für die Norweger hauptsächlich Langlaufwettkämpfe waren, in denen sie gewannen und die Spitze ausmachten. Eine der wenigen, die diesen Bann durchbrachen, war z.B. Inger Bjørnbakken, die bei der Weltmeisterschaft 1958 den Slalom gewann. Erst ab den Olympischen Spielen in Albertville gab es wieder mehr Norweger unter den allerbesten Alpinfahrern und Skispringern.

 

Morgedal:

Der kleine Ort Morgedal in der Telemark wird als die "Wiege des Skisports" bezeichnet. Sondre Norheim, der große Sohn von Morgedal, wurde 1825 auf dem Hof Øverbø, oben am Hang nördlich der jetzigen Reichsstraße geboren. 

In Verbindung mit den olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer wurde hier eine Art Ski-Dokumentations- und Erlebniszentrum (halb Museum, halb Erlebniszentrum) eröffnet: "Norsk Skieventyr"
Auf einer Fläche von 1400 m² werden in Text, Bild und Ton die Skitraditionen Norwegens, ausgehend von der Morgedaler Tradition von 1850, illustriert. Man sieht, wie diese die Entwicklung des Skisportess weltweit beeinflußt hat, und auch wie ausländische Impulse ihrerseits den norwegischen Skisport gefördert haben. "Norsk Skieventyr" ist ein Dokumentations- und Erlebniszentrum. Man folgt der Entwicklung nicht nur mit den Augen, sondern mittels eines Multivisionsprogrammes. Man folgt einer Loipe durch die Skihistorie, Skierlebnisse und Skifreuden. Der Abschluß erfolgt im Kinosaal mit einem Multimedia-Supervideoprogramm. Garantiert ein einzigartiges Erlebnis, nicht nur für Ski- und Sportinteressierte!

Weitere Skimuseen in Morgedal: 
Olav Njålands Museum über Ski und Südpolexpedition, personalhistorisches Museum über den Morgedaler Olav Bjåland, der an der Südpolexpedition Roald Amundsens teilnahm. Er war auch einer der Skipioniere von Morgedal, und neben Gegenständen von der Expedition ist seine Prämiensammlung im Museum ausgestellt.

 

Darüberhinaus zeigt auch das Skimuseum auf dem Holmenkollen in Oslo die Entwicklung der Skier und der Wettkampftechniken sehr interessant. Hier kann man mit dem Lift in den Sprungturm hinauffahren und hat einen atemberaubenden Blick die gesamte Schanze mit Anlauf hinunter.